+
Breakdance Weltmeister Masi Aziz unterrichtet junge Kursteilnehmer

Tanzen

Breakdance-Weltmeister gibt in Offenbach Unterricht

  • schließen

Masi Aziz will seinen Schülerinnen Selbstbewusstsein und Lebensart vermitteln.

Masi Aziz ist faul. Das sagt der Offenbacher zumindest selbst von sich. Ziemlich überraschend für einen, der voriges Jahr den Breakdance-Weltmeistertitel geholt hat. Gemeinsam mit der Dreamscapes Crew räumte er im Oktober beim Wettkampf der International Dance Organisation im polnischen Kielce ab.

Aber kann ein Tänzer von Weltklasse wirklich faul sein? Der 24-jährige Aziz ist sich da absolut sicher: „Es klingt paradox, aber ich bin faul.“ Bevor er 2013 mit dem Tanzen anfing, machte er über zehn Jahre verschiedene Kampfsportarten, darunter Capoeira, getanzte Kampfkunst aus Südamerika. Seine Freunde nannten ihn beim Training „Preguiça“ – das ist Portugiesisch für Faultier. „Wenn ich einen neuen Move lernen wollte, habe ich immer nach zweieinhalb Versuchen aufgehört“, erinnert sich Aziz.

Das hat sich mit dem Tanzen geändert. Aziz hat Disziplin gelernt. Allein vor dem Spiegel übte er monatelang jede Bewegung immer und immer wieder. Bis sich der Arm wirklich wie der eines Roboters bewegte, bis akrobatische endlich Sprünge gelangen.

Heute steht er im Studio der Locomotion Tanzschule in Offenbach mit dem Rücken zum Spiegel. Vor ihm zehn Mädchen um die zwölf Jahre, die ihn mit großen Augen anschauen und versuchen, seine perfektionierten Bewegungen zu imitieren. „Eat, Sleep, Dance, Repeat“ steht auf dem dunkelroten T-Shirt einer Tanzschülerin. Aziz zeigt die nächste Bewegung, jetzt geht es ans „Krumping“. Er scheint jeden Muskel unabhängig vom anderen anzuspannen. Seine definierten Bewegungen erzählen so deutlich eine Geschichte wie es sonst nur klare Worte vermögen. „Weil das mein ganz eigener Stil ist, kann ich machen was ich will“, erklärt er seinen Schülerinnen.

Offenbach: Masi Aziz giert nicht unbedingt nach Siegen

Vierzig Stunden die Woche arbeitet Aziz als Fachinformatiker in Ausbildung, abends ist er Künstler und macht, was er will. Genau das möchte er weitergeben. Seine Tanzschülerinnen sollen nicht einfach eine Choreografie auswendig lernen. Der 24-Jährige wehrt sich gegen dieses „Zombietanzen“, bei dem alle zu hüpfen versuchen wie der Tanzlehrer vorne. Für ihn geht es darum, sich auszudrücken und Selbstbewusstsein zu gewinnen. „Tanzen ist kein Hobby, das ist eine Lebensart und dahinter steckt eine ganze Bewegung.“ Dieses Gefühl können Aziz zufolge nur wenige vermitteln.

Wer in einer Crew tanzt lernt Bescheidenheit und Kritikfähigkeit. „Es wird niemand herausgepickt, der einen Fehler macht. Wir sagen nicht ‚Du Vollidiot‘. Stattdessen gehen wir dann alle noch einmal zusammen die Choreo durch“, erzählt Aziz. Er ist für vieles dankbar – besonders für seinen Partner bei den Dreamscapes Memi Demiri.

Das Gemeinschaftsgefühl erstreckt sich rund um den Globus. Viele Tänzer und Tänzerinnen kennen sich von Wettkämpfen und Workshops. Sie tanzen miteinander, gegeneinander und lernen voneinander. Einige sind Mitglieder großer „Familien“, also Tanzgemeinschaften. Aziz zum Beispiel zählt sich zur Dreamscapes Crew, zu den Offenbacher Locos, zur Random Circles Crew und Capoeira Bewegung Sul Da Bahia. Der Gewinn hängt von keinem Weltmeistertitel ab.

Aziz giert es nach seinen Worten nicht nach weiteren Siegen. Gern möchte der Breakdance-Weltmeister aber noch zu Hip Hop International in den USA. Der Contest gehört zu den größten seiner Art. So will er seinen Schülerinnen zeigen, was alles möglich ist. Aber zunächst stehen Auftritte der Dreamscapes mit ihrem gleichnamigen urbanen Tanzmärchen an. Im vergangenen Jahr feierten sie mit dem selbst choreografierten und komponierten Theaterstück Premiere.

All das gelingt Masi Aziz, dem Faulen. Er stecke sich keine abschreckenden Ziele, sondern lebe den Moment, sagt er. Da ist durchaus mal ein „Kein-Bock-Moment“ dabei. „Dann muss man einfach machen. Aber ohne sich zu zwingen, das zerstört sonst die Leidenschaft.“

Am Ende der Tanzstunde können die Mädchen in Offenbach keine vorgegebene Choreografie auswendig. Stattdessen präsentieren sie selbst ausgedachte Schrittfolgen. Es ist ihre erste Stunde bei Masi Aziz. Seine Philosophie trägt Früchte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare