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Der aktuelle Spendenstand wird jede Woche medienwirksam auf eine andere Schulter gemalt. 

Offenbach

Offenbach: Treue Fans sollen Kulturzentrum Hafen 2 retten

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Um das Corona-Jahr mit seinen Beschränkungen zu überstehen, hat das Offenbacher Kulturzentrum Hafen 2 eine langfristige Spendenkampagne gestartet.

Zumindest die Schafe und Hühner sehen so aus, als hätten sie gerade eine gute Zeit – haben Sie bei sommerlichem Wetter doch große Teile des Außenbereichs am Offenbacher Kulturzentrum Hafen 2 für sich. Doch während die Coronabeschränkungen den Tieren zwischen Bauwagen, Konzerthalle und Main einen ungewöhnlich ruhigen Frühling bescheren, machen sich die Verantwortlichen Sorgen: Da der Hafen 2 keinerlei Rücklagen habe, sei die Schließung auf unbestimmte Zeit „existenzbedrohend“, sagt Alex Braun, der den Hafen 2 vor 16 Jahren mit seiner Lebensgefährtin Andrea Weiß ins Leben gerufen hat. Mit einer Spendenkampagne wollen sie das Kulturzentrum nun retten.

Hier entsteht gerade das wöchentliche Schulter-Foto mit Spendenstand.  

Knapp 41 000 Euro haben Fans in den letzten vier Wochen auf mehreren Plattformen im Internet gespendet. Viele steuerten 20 oder 50 Euro bei, manche mehr. Unter den Namen derer, die auf der Plattform „Gofundme“ öffentlich gespendet haben, sind auch bekannte Personen – etwa der Leiter des Deutschen Architekturmuseums, Peter Cachola-Schmal. „Der Hafen ist eine meiner Lieblingsoasen, haltet durch, gemeinsam schaffen wir das!“, schreibt ein Spender, der 100 Euro gegeben hat.

Unterstützen

Getragen wird der Hafen 2 von dem Verein Suesswasser e.V. und vom Café im Hafen 2 (GbR). Beide zusammen finanzieren das Kulturzentrum.

2013 zog der Hafen 2 aus einer Halle am Hafen, die wegen der voranschreitenden Bebauung abgerissen wurde, in einen Neubau am westlichen Ende des Hafens, nahe der Kaiserlei-Brücke.

Knapp 41 000Euro sind – Stand gestern – schon beim Hafen 2 eingegangen.

Wer spenden will , kann das unter gofundme.com/f/hafen-schultern tun. Mehr Infos zur Kampagne gibt es hier: hafen2.net/45-0-SPENDEN.html.

Gutscheine für die Zeit nach Corona gibt es hier: offenbach.help. fab

„Die Resonanz auf den Spendenaufruf ist seht gut “, sagt Andrea Weiß und ergänzt: „Hoffentlich lässt sie nicht nach“. Denn auch wenn derzeit keine Bands zu zahlen und auch einige Werkstudenten nicht beschäftigt seien, liefen die normalen Gehälter und die Miete, die an die Offenbacher Stadtwerke geht, weiter. Knapp 30 000 Euro monatlich müssten so auch ohne Publikumsbetrieb gestemmt werden – die Details sind einer Tabelle im Netz zu entnehmen, mit der das Hafen-Team Transparenz herstellen möchte.

Um die Dimensionen zu verdeutlichen, erzählt Alex Braun von den 20 000 Euro staatlicher Corona-Soforthilfe, die der Hafen 2 erhalten habe: „Wir haben damit eine offene Rechnung beglichen“, sagt er – „und dann war das Geld auch schon wieder weg“. Längst ist der Hafen 2, der 2004 als alternatives Kulturzentrum auf dem Hafengelände den Betrieb aufnahm und 2013 in einen Neubau westlich des Hafenbeckens zog, zu einem weit über die Grenzen Offenbachs hinaus geschätzten soziokulturellen Kulturzentrum geworden. Ein Ort mit Livemusik, Partys und Filmen, der sich auch politisch positioniert. So prangt am Eingang gerade der Schriftzug „Camp Moria auflösen, Leute in Europa verteilen.“

Besonders beliebt ist das Open-Air-Kino in einem Amphitheater direkt am Main: 2019 zog es über 13 000 Menschen an, Nettoumsatz 112 000 Euro. Doch wo sonst die Leute gemütlich auf Decken sitzen und vor der Kulisse vorbeischwimmender Frachter Programmkino sehen, wächst jetzt das Gras. Dass ausgerechnet zu Beginn der Saison die Einnahmen wegfallen, brachte Weiß & Co. dazu, die Spendenkampagne langfristig anzulegen – bis Ende des Jahres. Denn mit den Sommereinnahmen wird der Winter finanziert. Und das geht 2020 nicht.

Das Hafenfestival am 22. Februar war noch gut besucht.  

Man musste sich schon einmal mit Spenden helfen: Anfang der 10er-Jahre, als der 830 000 Euro teure Neubau finanziert werden musste: 230 000 Euro kamen zusammen, Um jetzt zum Weiterspenden zu motivieren, veröffentlicht das Team jede Woche das Foto einer Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters. Zu sehen ist ein Stück nackte Schulter, worauf der Spendenstand geschrieben ist. „Hafen schultern“ steht neben dem Foto in der jüngsten Rundmail. Und: „Ohne euch kein Hafen.“

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