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Der Angeklagte auf dem Weg in den Gerichtssaal.

Prozess

Offenbach: Todesschütze wollte angeblich nur drohen

  • Agnes Schönberger
    vonAgnes Schönberger
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Mordprozess fortgesetzt: Tatwaffe und Handy des Angeklagten wurden nicht gefunden.

Die Tötung der 44-jährigen Fatima T. Anfang Mai 2019 in der Offenbacher Innenstadt war angeblich ein Versehen. Der Angeklagte Mohammed S., der die Tat vor kurzem gestanden hatte, bestritt gestern vor dem Landgericht Darmstadt jede Absicht.

Er habe nicht gewusst, dass die Waffe entsichert gewesen sei. Er habe sie erst am selben Tag erhalten und vorher in seinem Leben noch nie geschossen. Ihm sei zwar gezeigt worden, dass man einen kleinen Hebel verstellen müsse, um schießen zu können. „Ich habe die Pistole aber nicht durchgeladen.“ Er habe Fatima T. nur zeigen wollen, „dass ich mich verteidigen kann“.

Der Vorsitzende Richter Volker Wagner kommentierte gestern seine Ausführungen mit den Worten: „Man muss sich doch vergewissern, dass die Waffe gesichert ist.“ Sonst ergehe es einem wie dem Rapper Haftbefehl, der sich jüngst ins Bein geschossen habe.

Bei dem Opfer handelt es sich um die Schwester seiner Freundin, die er nach muslimischem Recht bereits geheiratet hatte. Die Anmeldung für eine standesamtliche Eheschließung hatte er im September 2018 eingereicht. Doch eine Trauung gab es nicht mehr, denn die Frau trennte sich von ihm. Dafür soll Mohammed S. ihre Schwester Fatima T. verantwortlich gemacht haben. Sie habe sein Leben zerstört, soll er gesagt haben.

Zu Beginn der gestrigen Verhandlung wurde ein Video der Ortsbegehung mit dem Angeklagten in Offenbach an der Stadtgrenze zu Frankfurt gezeigt, wo er auf seiner Flucht in der Nähe der Wolframstraße seine Pistole und ein Handy in einen Grünstreifen geworfen haben will. Sie wurden nach Angaben der Polizei trotz intensiver Suche nicht gefunden.

Eine Schwester und ein Bruder der Getöteten zeichneten vom Angeklagten das Bild eines Mannes, der nicht gearbeitet und vom Geld seiner Frau gelebt habe. Mohammed S. sei neidisch auf das Vermögen von Fatima T. gewesen, einer Geschäftsfrau aus Frankfurt, die Geld und teure Autos gehabt habe. Sie lebe wie eine Prinzessin, er dagegen wie ein Hund, soll er sich nach der Trennung beklagt haben.

Der Angeklagte nutzte die Beweisaufnahme für eine detailreiche Schilderung der Vorgänge aus seiner Sicht. Er sei nicht neidisch gewesen. Schließlich habe er 26 Jahre in Spanien gearbeitet, davon 18 Jahre als Selbständiger mit bis zu neun Beschäftigten. Er habe auch nicht auf Kosten seiner Frau gelebt. Im Gegenteil: Als sie im Oktober 2017 zusammengezogen seien, habe er ihre Schulden beglichen und die Einrichtung gekauft. Sie seien sehr glücklich gewesen, bis sich Fatima T. eingemischt habe. Die kurze Liebesbeziehung zu ihr erwähnte er nicht. Fatima T. und er waren einige Monate zusammen gewesen, bevor er sich in ihre Schwester verliebt hatte.

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