Auf über 140000 Menschen kommen in Offenbach nur rund 3800 geförderte Wohnungen.  
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Auf über 140000 Menschen kommen in Offenbach nur rund 3800 geförderte Wohnungen.  

Offenbach:

Offenbach: Streit um Mietendeckel für Baugesellschaft GBO

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
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Die Offenbacher SPD wirft der Rathauskoalition beim Thema Wohnen große Versäumnisse vor. Die Baugesellschaft GBO indes hat gerade 28 geförderte Seniorenwohnungen gekauft.

Außer in Reutlingen steigen in keiner deutschen Großstadt die Mieten so stark wie in Offenbach: Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Portals Immowelt, das Mietpreise für neu vermietete Wohnungen zwischen 40 und 120 Quadratmetern im ersten Halbjahr 2020 betrachtet hat – in 61 von 80 Großstädten. In Offenbach seien die Mieten innerhalb eines Jahres um zehn Prozent gestiegen. Die Offenbacher SPD nimmt diese Zahlen zum Anlass, um einen Mietendeckel für die städtische Gemeinnützige Baugesellschaft Offenbach (GBO) zu fordern. Doch die Koalition lehnt das ab.

„Der Offenbacher Mietspiegel würde aufgrund der starken Marktposition der GBO dahingehend beeinflusst werden, dass die Kaltmieten insgesamt langsamer steigen“, sagte der Fraktionsvorsitzende der SPD im Offenbacher Stadtparlament, Martin Wilhelm. Andere Städte hätten mit ähnlichen Methoden gute Erfahrungen gemacht, etwa Frankfurt mit der ABG. Die SPD hatte 2019 schon einmal vorgeschlagen, die GBO-Mieten einzufrieren – ebenfalls ohne Erfolg.

Der Fraktionsvorsitzende der CDU, Roland Walter, kritisierte den erneuten Vorstoß scharf als „groben Unfug“ aus der „sozialistischen Mottenkiste“. Da die GBO nach und nach alle Wohnungen saniere und auch neue baue, brauche das Unternehmen Überschüsse. Die Mieten einzufrieren sei daher „der völlig falsche Ansatz“.

Wilhelm: „verfehlte Wohnungsmarktpolitik“

Womöglich liegt es an der Kritik der SPD gegenüber der Koalition – Wilhelm spricht von einer „verfehlten Wohnungsmarktpolitik“ –, dass Walter auch den Aufsichtsratsvorsitzenden der GBO, Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD), angeht. In einer Mitteilung impliziert Walter, dass sich der OB zu dem Thema wohl kaum deutlich positionieren werde. Auf Nachfrage der Frankfurter Rundschau sagte Schwenke, dass mehrere konkrete Vorschläge von ihm zum Thema Wohnungsbau der GBO auf dem Tisch lägen und man diese zu gegebener Zeit vorstelle.

Die Durchschnittsmiete in den rund 5000 GBO-Wohnungen – darunter 2171 geförderte – liegt bei rund 6,50 Euro kalt. Im Bau sind 19 freifinanzierte Mietwohnungen im Musikerviertel und 32 geförderte auf dem Kappus-Areal. Außerdem habe man gerade ein Haus mit 28 geförderten Seniorenwohnungen in der Annastraße gekauft, heißt es auf Nachfrage. Saniert werden derzeit 90 Wohnungen in Bürgel. Die Mieterhöhungen nach solchen Sanierungen fallen teils beachtlich aus: In einem Wohnblock in der Birkenlohrstraße schlug die GBO 2018 nach der Sanierung fast 35 Prozent auf die Miete drauf.

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