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Planen mit dem Klimawandel: Lukas Glitsch und Heike Hollerbach vom Offenbacher Umweltamt. 

Offenbach 

Offenbach: Strategien gegen Hitze und Hochwasser

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Lukas Glitsch macht in Offenbach ganz offiziell auf die lokalen Folgen des Klimawandels aufmerksam – und zeigt, was man selbst machen kann

Manchmal haben kleine Dinge eine große Wirkung. Kellerfenster zum Beispiel, die sich nach außen anstatt nach innen öffnen lassen – damit sie bei Hochwasser nicht gar so schnell dem Druck der Fluten nachgeben. Vielleicht könne man einigen Menschen in Offenbachs niedrig gelegener Innenstadt mit diesem Tipp einen Schaden im Keller ersparen, sagt Lukas Glitsch. Seit November 2018 ist der Geograf und Umweltwissenschaftler Offenbachs „Klimaanpassungsmanager“. Im Umweltamt kümmert er sich hauptamtlich darum, dass die Menschen in der Stadt mit den Auswirkungen des Klimawandels wie Hitze und Trockenheit, Starkregen und Hochwasser zurechtkommen. Und, was ebenso wichtig ist: dass die Stadt auf solche klimatischen Ereignisse bestmöglich vorbereitet ist. Auch die Kellerfenster gehören dazu.

Die Stadt Offenbach, die bekanntlich nicht viel finanziellen Spielraum hat, konnte Glitschs Stelle dank einer Bundesförderung für zwei Jahre ausschreiben. Auf kommunaler Ebene sind solche Posten immer noch rar. Dabei seien extreme Wetterlagen, die der Klimawandel mit sich bringt, längst hierzulande angekommen, sagt die Leiterin des Offenbacher Umweltamts, Heike Hollerbach. So haben in Offenbach 2017 zwei Hochwasser in Folge Teile der Innenstadt überflutet – und dort großen Schaden angerichtet, etwa in Tiefgaragen. Und vor wenigen Wochen hat die Stadt Teile des Rumpenheimer Schlossparks gesperrt, weil sie die Standsicherheit der durch Trockenheit abgestorbenen oder erkrankten Bäume nicht gewährleisten kann.

Tipps für Haus- und GartenbesitzerWer einen Garten oder ein Haus hat, kann Maßnahmen ergreifen, um die Folgen extremer Hitze oder extremer Regenfälle abzuschwächen: Dazu zählt das Verlegen von wasserdurchlässigem Pflaster oder die Begrünung von Dächern – beides entlastet bei Starkregen die Kanalisation, durchlässiges Pflaster kommt dem Grundwasserspiegel zugute. Und unterirdische Zisternen speichern über lange Zeit Regenwasser.

Auch ohneHaus oder Garten kann man etwas tun: Die Stadt Offenbach vergibt zum Beispiel Patenschaften für Straßenbäume: Man kann dafür sorgen, dass die „Bauminseln“ bepflanzt und gut bewässert sind – auch wenn Naturschutzverbände das Wässern mit Trinkwasser kritisieren.

Um solchen Ereignissen begegnen zu können, haben die Offenbacher Stadtverordneten 2017 ein Konzept zur Klimaanpassung verabschiedet. Glitsch soll nun dafür sorgen, dass die wichtigsten der dort aufgeführten Maßnahmen umgesetzt werden. Etwa die Erstellung eines Hitzeaktionsplans: eine Art Fahrplan, der festlegt, wer in der Stadt was tun muss, wenn es extrem heiß ist. Der Plan soll wie ein Schneeballsystem funktionieren, an dessen Ende etwa eine Geschäftstreibende steht, die Kunden von sich aus kostenlos Trinkwasser anbietet. So könne man ältere Menschen vor Überhitzung schützen. „Eine unserer wichtigsten Aufgaben ist es, ein Bewusstsein für die Problematik zu schaffen“, sagt Hollerbach. Gerade baue man dafür ein Netzwerk auf.

Auch die Erstellung neuer Stadtklima-Analysen wird von Glitsch koordiniert. Damit sollen schützenswerte Gebiete bestimmt werden und die Stadtentwicklung daran angepasst werden: Bei Quartieren mit drückendem Mikroklima könnten so in künftigen Bebauungsplänen Dachbegrünungen oder „Pocket-Parks“ festgeschrieben werden. Zwar bedenke man manche dieser Faktoren schon heute, sagt Glitsch – künftig geschehe das aber systematischer. Schon jetzt habe man in Sommernächten zwischen der Innenstadt und dem Stadtrand einen Temperaturunterschied von sechs Grad. Dieser dürfe sich nicht noch erhöhen. Eine weitere Untersuchung soll zeigen, wo sich das Wasser bei Starkregen ausbreitet. Bei den Überflutungen 2017 zu sehen, wie massenhaft Wasser vom Marktplatz in die S-Bahn-Station läuft, sei ein „Erlebnis der dritten Art“ gewesen, sagt Amtsleiterin Hollerbach. Auf solche Entwicklungen müsse man künftig besser vorbereitet sein.

Bestens vorbereitet ist Glitsch indes schon jetzt, wenn man ihn fragt, wie man denn selbst zur „Klimaanpassung“ beitragen könne: Dann zeigt er sein selbst gebautes Modellhaus, mit dem er in Offenbach auf Festen und Märkten unterwegs ist: „Das Modell veranschaulicht, was beim Hausbau schon alles berücksichtigt werden kann“, so Glitsch. Etwa die Isolation im Dachbereich: So könne das Eigenheim auch in Tropennächten noch Wohnkomfort bieten – ganz ohne Klimaanlage. Unklar ist noch, ob Glitschs Stelle wieder ausgeschrieben wird. Für Hollerbach ist aber klar, dass es weitergehen muss: „Wir können nicht so tun, als wäre es mit der Klimaanpassung nach zwei Jahren getan.“

In Offenbach bietet das Umweltamt eine kostenlose Energieberatung an – auch für Mieterinnen und Mieter. Dort kann man etwa erfahren, welches Dämmmaterial im Dach gut vor Hitze schützt und welche Fördertöpfe existieren. Bei Interesse zwecks Terminvereinbarung am besten anrufen unter 069/8065-2557 oder eine E-Mail schreiben an die Adresse umweltamt@offenbach.de

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