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Auch im Sana-Klinikum in Offenbach werden Stellen abgebaut.
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Auch im Sana-Klinikum in Offenbach werden Stellen abgebaut.

Offenbach

Offenbach: Stellenabbau bei Sana-Tochtergesellschaft

  • Timur Tinç
    vonTimur Tinç
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Die Krankenhausgruppe Sana streicht bundesweit 1000 Arbeitsplätze, rund 120 davon in Offenbach. Verdi und der Konzernbetriebsrat üben scharfe Kritik.

Die Sana-Kliniken AG will bundesweit 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der DGS pro service GmbH – mit Ausnahme der Reinigung – bis Ende des Jahres entlassen. In Offenbach, dem größtem Klinikum der Gruppe, sind davon laut Sana AG 58,21 Vollkräfte und 60 Mitarbeiter:innen im Service- und Logistikbereich betroffen. Die Gewerkschaft Verdi und der Konzernbetriebsrat (KBR) attackierten den Vorstand scharf und forderten die sofortige Rücknahme des Beschlusses.

Die neuen Anforderungen der Krankenhausreinigung „verlangen in der Zukunft eine deutlich höhere fachliche Führung und auch Prozessbegleitung sowie -überwachung“, sagt Klaus Wiendl, Geschäftsführer der Sana DGS pro service GmbH. Die hundertprozentige Tochtergesellschaft ist an allen 53 Standorten der Sana Kliniken AG tätig und hat derzeit 2800 Mitarbeiter:innen. Um dies zu erreichen, werde das Tochterunternehmen in Zukunft ausschließlich mit den Reinigungsdienstleistungen im Krankenhaus betraut. Hol- und Bringdienst, Patientenbegleitdienst, Info, Stationshilfsdienst, Wäscheservice, Archiv und Modul werden zum 31. Dezember 2021 eingestellt. Mit dem Betriebsrat sollen schon im Mai Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan geführt werden.

„Dem Konzernbetriebsrat ist völlig unverständlich, wie Sie zu einer solchen Entscheidung, gerade in dieser angespannten Situation in unseren Häusern, kommen konnten“, heißt es in einem Schreiben des KBR an den Vorstand, das der FR vorliegt. „Ohne die Kolleginnen und Kollegen an den Patienteninformationen, der Bettenreinigung, des Lagers und der Versorgungsdienste, ständen viele unserer Kliniken vor der Kapitulation.“

Die Begründung der Entscheidung, dass die Profession der Führungs- und Leitungskräfte fehle, sei eine Bankrotterklärung des Vorstands. „Offensichtlich haben Sie es doch versäumt, diese Voraussetzungen aus rein ökonomischen Gründen zu schaffen“, kritisiert der KBR. Wenn dem so ist, sollten die Aufgabengebiete wieder zurück an die Kliniken gegeben und die Kolleginnen und Kollegen überführt werden, anstatt ihnen zu kündigen. Viele der Mitarbeiter:innen waren bis zur Ausgliederung vor zwei Jahren in die DGS in den Kliniken fest angestellt und mussten so bereits finanzielle Einbußen hinnehmen. Jetzt stehen sie vor der Arbeitslosigkeit. Der Betriebsrat befürchtet, dass die ohnehin schon enorme Belastung für das Personal noch weiter steigen wird. Auf FR-Nachfrage, wie die Arbeit kompensiert werden soll, gab es keine Antwort. Auch dem Konzernbetriebsrat wurde noch kein Konzept vorgelegt.

„Beschäftigten im Gesundheitswesen zu kündigen, ist für sich genommen schon ein Unding. Das auch noch mitten in der dritten Welle der Corona-Pandemie zu tun, schlägt dem Fass den Boden aus“, sagt Sylvia Bühler, die im Verdi-Bundesvorstand für das Gesundheitswesen zuständig ist. „Hier sollen Menschen von einem profitablen Klinik-Konzern vor die Tür gesetzt werden, die in den letzten Monaten tatkräftig mitgeholfen haben, den Krankenhausbetrieb am Laufen zu halten.“

Für Bühler zeigen die angekündigten Maßnahmen einmal mehr den dringenden und umfassenden Reformbedarf im Gesundheitswesen. Es reiche nicht, an einzelnen Schräubchen zu drehen, das löse - wie dieser Fall wieder einmal deutlich mache - eine Kettenreaktion aus. „Krankenhauspolitik muss sich an der bestmöglichen Versorgung kranker Menschen ausrichten und nicht an wirtschaftlichen Interessen“, betont Bühler. Die vielbeschworene Wertschätzung von Beschäftigten im Gesundheitswesen verkomme mit dem Abbau von 1000 Arbeitsplätzen „zu einer hohlen Phrase“.

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