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Unscheinbares Areal am Main: Hier entsteht ein neuer Park. 

Offenbach

Offenbach: Startschuss für Büroquartier

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Die Stadt Offenbach beschließt ein städtebauliches Konzept mit 120-Meter-Hochhaus und Park für das Areal zwischen Goethering und Autobahn.

Noch liegen die weit über die Grenzen Offenbachs hinaus bekannten Elektroclubs „Robert Johnson“ und „MTW“ sowie das Kulturzentrum Hafen 2 weitab des städtischen Trubels zwischen Mainufer und Gewerbebrachen – nur der stark frequentierte Radweg und das Rauschen der Autobahn erinnern daran, dass man sich hier auf halber Strecke zwischen Offenbacher Innenstadt und Frankfurter Ostend befindet. Nach dem Willen der Stadt Offenbach soll sich der Charakter des Ortes bald ändern: Die Stadtverordneten haben ein städtebauliches Konzept beschlossen, das auf dem Areal zwischen Mainradweg und Kaiserleistraße sowie A 661 und Goethering ein Gewerbequartier mit Namen „Nordkap“ vorsieht – mit einem zum Fluss hin offenen Sport- und Freizeitpark in der Mitte.

Fünf Gebäudekomplexe mit sieben Stockwerken sollen entstehen. Der gegenüber des Hafen 2 am Goethering geplante Eckbau soll zehn Stockwerke haben. Und direkt an der Autobahn ist ein 120 Meter hohes Bürohochhaus geplant. Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) bestätigt auf FR-Anfrage, dass es für den Turm schon einen Interessenten gebe. Für ein weiteres Grundstück zeichne sich bereits eine Bauvoranfrage ab.

Die Vorplanung für das Nordkap-Areal sieht, wer in den Internetbrowser folgenden Link eintippt: bit.ly/2mH4xfG.

Der Masterplan, an dem sich die Offenbacher Stadtentwicklung orientiert, ist ebenfalls im Internet einsehbar: bit.ly/2lFnHm7.

Das Besondere des Areals ist die Lage: Zum einen fließt der Main direkt daran vorbei, dessen Ufer zwischen „Robert Johnson“ und Autobahnbrücke umgestaltet werden soll. Des Weiteren sind sowohl die Autobahn als auch die S-Bahn nicht weit entfernt. „Was wir hier machen, ist Flächenrecycling, wir revitalisieren eine Brache und durch die Höhe der Gebäude wirken wir weiterer Versiegelung entgegen“, lobt Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) das Konzept, das so ähnlich auch im Masterplan, an dem sich die Stadtentwicklung orientiert, vorgesehen ist. Von den einmal angedachten Kletterhallen ist allerdings nicht mehr die Rede. Planungsdezernent Weiß schätzt, dass der Bebauungsplan im Frühjahr 2021 steht – ab dann könnte gebaut werden.

Kritisch stehen die Offenbacher Linken dem Vorhaben gegenüber. Deren Fraktion stimmte im Stadtparlament als einzige gegen das städtebauliche Konzept. „Was bitte wollen wir mit noch mehr Büroflächen?“, fragte der Stadtverordnete Sven Malsy mit Blick auf Leerstände in prominenten Offenbacher Büroimmobilien wie dem City Tower. Die Linke hätte sich für das Nordkap-Areal eine Wohnnutzung gewünscht. Tatsächlich werden 300 Meter weiter südlich derzeit auch viele Wohnungen gebaut – allerdings nicht direkt an der Autobahn, sondern hinter Bürobauten, die als Lärmschutz dienen sollen – so zumindest ist es geplant.

Doch die Stadt schielt bei der Entwicklung der Flächen rund um den im Rückbau befindlichen Kaiserlei-Kreisel fast ausschließlich auf Büronutzung, um die Einnahmen aus der Gewerbesteuer zu erhöhen. „Wir müssen auch wegen bezahlbaren Wohnens dort Büroraum entwickeln“, antwortet OB Schwenke auf die Kritik der Linken. Wenn die Gewerbesteuer nicht fließe, fehlten der Stadt Gelder, um günstigen Wohnraum zu schaffen. Das ist derzeit der Fall.

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