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Ein breiter Durchgang soll auf Höhe des Schlosses die Barrierewirkung des Maindeichs reduzieren. 

Offenbach

Offenbach: Stadt rückt näher an den Main

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Die Stadt Offenbach hat ein neues Konzept für die Deichsanierung vorgestellt - das nun hoffentlich vom Regierungspräsidium genehmigt wird. 135 Bäume müssen weichen.

Das Zentrum Offenbachs rückt ein Stück näher an den Main heran. Diesen Eindruck gewinnt, wer die überarbeiteten Pläne zur Maindeichsanierung betrachtet, die die Stadt am Mittwoch vorgestellt hat. Statt einer Deichabsenkung auf voller Breite des Isenburger Schlosses, die das Regierungspräsidium Darmstadt (RP) im letzten Jahr aus Sicherheitsgründen abgelehnt hatte, peilt Offenbach nun eine kleinere Lösung an: Der gegenüber vom Schloss bestehende Durchgang vom Mainufer zur Innenstadt soll von 5,50 auf 15 Meter verbreitert werden und zudem statt 2,20 künftig 2,50 Meter hoch sein. Eine Rampe schafft einen barrierefreien Zugang zum Fußweg auf der Deichkrone – zudem sind am Durchgang öffentliche Toiletten geplant.

Eine weitere Neuerung ist auf Höhe der Herrnstraße vorgesehen: Hier ist eine barrierefreie Fuß- und Fahrradachse über den Deich geplant, die auf der Mainseite flach als Mischung aus Treppe und Rampe abfällt – mit Sitzgelegenheiten. „Wir sind sehr glücklich über diese Lösung“, sagt Sigrid Pietzsch vom Offenbacher Stadtplanungsamt. Froh sei man auch über den Kostenvoranschlag der Planung für die zu sanierenden 2,5 Deichkilometer: Zwar steigt der Gesamtbetrag wegen höherer Kosten im Baugewerbe von 12,1 auf 18,8 Millionen Euro – doch wächst der Eigenanteil der Stadt wegen höherer Zuschüsse „nur“ um 130 000 Euro.

Mehr Grün wagen

Die neue Planung zur Maindeich-Sanierung ist ein guter Kompromiss aus Wünschenswertem und Praktikabilität. Die Verbindung zwischen Innenstadt und Mainufer und der Zugang zur Deichpromenade werden an zwei zentralen Stellen verbessert und barrierefrei. Doch das Thema ist komplex: So fällt der sanierte Deich zum Beispiel dort, wo man die doppelte Baumreihe auf der Deichkrone erhält, künftig deutlich breiter aus – eine schlechte Nachricht für das beliebte und ohnehin schon schmale Mainufer, das dadurch schrumpft. Damit genug Erholungsraum erhalten bleibt, sollte die Stadt daher nach den Bauarbeiten am Deich auch direkt die Umwandlung des Parkplatzes nahe der Carl-Ulrich-Brücke zu einem Park angehen.

Klar: Eine solche Idee polarisiert. Und es müssen Lösungen für zumindest einen Teil der Parkplätze gefunden werden und für die Feste, die auf dem Areal stattfinden. Aber: Während der drei Jahre währenden Bauarbeiten am Deich müssen dafür auch schon Lösungen vorliegen – dann nämlich wird der Parkplatz teils als Baustelleneinrichtungsfläche genutzt. Ein guter Zeitpunkt, um sich ernsthafte Gedanken über die Zukunft des Parkplatzes zu machen. Oder nicht?

Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) spricht von einem „städtebaulich vernünftigen Vorschlag, der allen Seiten gerecht wird“. Die Magistratsvorlage wandert nun zu den Stadtverordneten, die die Planung in zwei Wochen auf den Weg bringen sollen. Danach prüft das RP die Pläne. Die Behörde hatte an der ursprünglichen Planung bemängelt, dass die große Deichöffnung vor dem Schloss im Fall eines Jahrhunderthochwassers nicht genügend Sicherheit biete, da die mobilen Schutzwände bei Starkregen womöglich nicht schnell genug aufgebaut werden könnten. Am Schloss befindet sich der tiefste Punkt der City, wo sich das Wasser sammelt. Auch vor der nun geplanten Öffnung muss die Wasserwehr bei Hochwasser zwar eine Wand aufbauen – doch eine deutlich kürzere. Die Pläne seien mit dem RP abgestimmt, betont Pietzsch: „Wir rechnen mit einer Zustimmung.“ Baubeginn soll 2021 sein, Fertigstellung 2024.

Die Sanierung des ab 1893 erbauten Deichs ist nötig, um die Hochwassersicherheit wiederherzustellen. Dafür wird eine Spundwand in das Bauwerk eingezogen, auf der Stadtseite ergänzt durch eine Stützmauer aus Beton mit Sandsteinverkleidung. Auch die Deichpromenade wird ausgebessert, 135 der 250 teils schwer geschädigten Bäume dort werden gefällt – und nach den Arbeiten großteils neu gepflanzt. Doch nicht nur Bäume verschwinden – ebenso ein kleiner Teil des Mainufers. Denn an drei Stellen, wo beide Baumreihen auf dem Deich erhalten bleiben, fällt das Bauwerk künftig fünf Meter breiter aus als bisher – zulasten des Grünzugs am Main. Barbara Levi-Wach von der Lokalen Agenda 21 schlägt deshalb vor, den angrenzenden Parkplatz in einen Park umzuwandeln: „Das wäre ein großer Gewinn für die Stadt.“ Dezernent Weiß winkt ab: Die „Erholungsfunktion“ des Mainufers sei auch so gegeben. Grundsätzlich sind die Aktiven der Lokalen Agenda mit den Plänen zufrieden. Vor allem der Übergang an der Herrnstraße sei reizvoll, da er Kultureinrichtungen wie Stadtbibliothek und Klingspormuseum besser an das Mainufer anbinde.

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