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Es wird an der Gebührschraube gedreht: Restmüll und Bioabfall werden teurer.

Mehr Kosten, kaum noch Rücklagen

Offenbach erhöht Gebühren für Restmüll und Bioabfall

Die Offenbacher müssen tiefer in die Tasche greifen. Die Stadt erhöht die Gebühren für Restmüll und Bioabfall.

Offenbach – Die Offenbacher müssen sich auf höhere Müllgebühren einstellen. Zum 1. Januar des nächsten Jahres wird der Restmüll um 6,9% teurer, die Gebühren für Bio-Abfall steigen um 11%. Papier- und Gelbe Tonne bleiben weiter kostenlos.

Geschuldet sei die Anpassung sinkenden Erlösen beim Altpapier bei gleichzeitig steigenden Entsorgungskosten für Sperrmüll, Bio-Abfälle, Bauschutt und Grünschnitt sowie dem Umstand, dass die städtischen Rücklagen im Bereich der Entsorgung aufgebraucht seien, begründet Abfalldezernent und Bürgermeister Peter Freier gestern den Gebührenanstieg. „Das ist kein erfreuliches, aber ein unausweichliches Thema“, bedauert er. Gemäß dem Kommunalabgabengesetz müssten die Gebühren kostendeckend sein und kämen alle zwei Jahre auf den Prüfstand.

Offenbach erhöht Gebühren: Beispielrechnungen 

Wie sich der Dreh an der Gebührenschraube im einzelnen auswirkt, macht Freier an Beispielen deutlich:

  • So steigen für einen Vier-Personen-Haushalt, der seine 80-Liter-Restmülltonne und seine 60-Liter-Biotonne 14-tägig im Vollservice leeren lässt, die Kosten um 15,60 Euro im Jahr.
  • Ein Zwei-Personen-Haushalt muss bei gleicher Serviceleistung 13,69 Euro mehr bezahlen.

Für Mehrfamilienhäuser wird folgende beispielhafte Rechnung aufgemacht:

  • Wohnungseigentümergemeinschaft (15 bis 20 Personen) mit zwei Restmülltonnen à 240 Liter plus Biomüll 240 Liter bei wöchentlicher Leerung im Vollservice = 126,72 Euro mehr im Jahr.
  • GBO-Wohneinheit (rund 60 Personen), mit 1100-Liter- Restmüll-Container und zwei Biomülltonnen (120 und 240 Liter) bei wöchentlicher Leerung im Vollservice = ein Plus von 291,96 Euro im Jahr.

Offenbach erhöht Gebühren für Restmüll und Bioabfall: Keine Rücklagen mehr da 

In den zurückliegenden Jahren, betont Freier, seien die steigenden Kosten aus der Rücklage beglichen worden, so dass man sie nicht an den Bürger habe weitergeben müssen. Diese belief sich nach Angaben des Dezernenten 2014 noch auf 4,3 Millionen Euro, zum 1. Januar dieses Jahres war sie auf rund 25 000 Euro abgeschmolzen. Freier: „Für 2020 reicht es nicht mehr.“

Das „Leistungsportfolio“, verspricht Freier, werde nicht angetastet. Dazu gehören außer der Müllabfuhr zwei kostenlose Sperrmülltermine pro Jahr und Haushalt, die Bereitstellung von öffentlichen Abfallkörben, die kostenlose Abnahme von wöchentlich bis zu einem Kubikmeter Grünschnitt oder Bauschutt und die Entsorgung von Sonderabfällen.

Gebühren für Restmüll und Bioabfall in Offenbach niedriger als in Frankfurt

Trotz der Anhebung braucht Offenbach den Vergleich mit Frankfurt nicht zu scheuen: Während man beim beispielhaften Vier-Personen-Haushalt mit 1,32 Euro pro Jahr vernachlässigbar günstiger ist, spart der genannte Zwei-Personen-Haushalt in Offenbach gegenüber einem Frankfurter 30,84 Euro.

Christian Loose, Vize-Chef des ESO-Stadtservice, weist darauf hin, dass die Wertstofferlöse, also das, was die Stadt aus dem Verkauf verwertbaren Abfalls erzielen kann, dramatisch zurückgegangen sind. Konnte man 2017 daraus noch jährliche Einnahmen von rund 750. 000 Euro verbuchen, werden es 2021 voraussichtlich nur noch etwa 150 000 Euro sein. Den größten Preisverfall gibt es laut Loose beim Altpapier. Der Markt in den bisherigen Hauptabnehmerländern im asiatischen Raum, insbesondere in China, sei praktisch zusammengebrochen, begründet er die Entwicklung.

Biomüll in Offenbach klappt nicht: Menschen trennen schlecht

Ein Bereich, in dem die Rechnung des ESO nach wie vor nicht aufgeht, ist der Biomüll. Die Trennmoral der Offenbacher bleibt auch fünf Jahre nach Einführung der braunen Tonne weit hinter den Erwartungen zurück. Wie Loose berichtet, sei man bei einer Analyse vor Einführung der Biotonne zu dem Ergebnis gekommen, dass pro Jahr rund 5000 Tonnen Biomüll möglich wären. Derzeit sei man aber nur bei rund 3000 Tonnen. Über die Gründe kann Loose nur spekulieren: „Das ist wohl – freundlich formuliert – Nachlässigkeit“, sagt er. Dezernent Freier wird da schon deutlicher, schreibt es der „Bequemlichkeit“ zu, dass Biomüll oft nicht getrennt wird. „Wir würden uns da deutlich mehr wünschen“, räumt er ein.

Festgeschrieben sind die geplanten Anhebungen in der neuen Abfallgebührensatzung, die mit der neu gefassten Abfallsatzung von der Stadtverordnetenversammlung in der Sitzung am 14. November beschlossen werden muss.

Von Matthias Dahmer

An der Großwohnanlage Mainpark in Offenbach folgt künftig der Entrümpelung die vorübergehende Käfighaltung: eine Folge der jahrelangen Blockade von Bürgersteigen in diesem Viertel durch Sperrmüll, berichtet op-online.de*.

In einem Feld in Offenbach wurden 200 Altreifen einfach weggeworfen. Das Ordnungsamt ist ratlos und befürchtet weitere illegale Entsorgungen.

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