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Dominik Gussmann ist kommissarischer Leiter der Druckwerkstatt und hat die Werkstatt geplant und eingerichtet.
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Dominik Gussmann ist kommissarischer Leiter der Druckwerkstatt und hat die Werkstatt geplant und eingerichtet.

Offenbach

Offenbach: Selbst an der Druckerpresse arbeiten

  • Timur Tinç
    vonTimur Tinç
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Im Bernardbau bietet eine neue Werkstatt Handwerkskunst. Nach dem Lockdown sollen auch Kreative und Schulklassen die unterschiedlichen Techniken kennenlernen dürfen.

Die Etiketten sehen aus wie handbemalt. Auf ein paar kleinen Weinflaschen sind das Offenbacher Eichenlaub zu sehen und der Schriftzug „Druckwerkstatt OF“ zu lesen. Dahinter steckt tatsächlich echte Handarbeit, aber es ist keine Zeichnung, sondern ein Steindruck. „Das ist eine zweifarbige Lithographie, in diesem Fall ein Flachdruck“, erklärt Dominik Gussmann.

Der kommissarische Leiter der Druckwerkstatt Offenbach hat in den vergangenen Wochen die sieben verschiedenen Maschinen getestet. Seit Dezember ist die Werkstatt mit dem Schwerpunkt Lithographie und Hochdruck beziehungsweise Buchdruck im Bernardbau fertig eingerichtet. „Die Werkstatt ist nicht auf bestimmte Techniken beschränkt, sondern man kann alle druckgrafischen Verfahren kombinieren, wenn man das will“, erklärt Gussmann, der an der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach Visuelle Kommunikation studiert hat. „Und am Ende kann man seine Werke auch binden. Das ist ziemlich selten.“

Neben der Ausstellung historischer Druckmaschinen soll es im Bernardbau museumspädagogische Angebote für alle Altersklassen geben, die vom Haus der Stadtgeschichte und vom Klingspormuseum gemeinsam erarbeitet werden. Grundlage für die Einrichtung war eine Schenkung der Grafischen Werkstatt für Technik und Kunst Offenbach.

Die Manroland Sheetfed GmbH hat der Stadt zudem historische Druckmaschinen dauerhaft geliehen, unter anderem eine Stanhope-Presse aus dem Jahr 1840. Das erste Etikett hat Gussmann mit einer Krause-Kniehebelpresse erstellt, die der Lithograph Werner Schautz der Stadt geschenkt hat. Im Sommer ist Gussmann mit einem Sprinter an den Bodensee gefahren, hat dort die Presse in ihre Einzelteile zerlegt und in Offenbach wieder aufgebaut.

Druckwerkstatt

Die Druckwerkstatt befindet sich im Bernardbau in der Herrnstraße 61 in Offenbach. Zuvor wurden diese Räumlichkeiten als Bürgerbüro genutzt. Das Haus der Stadtgeschichte und das Klingspormuseum betreiben die Werkstatt in Kooperation mit der Internationalen Senefelderstiftung.

Die erste Ausstellung des Berliner Künstlers Philipp Hennevogl wird virtuell stattfinden müssen. Die Vernissage von „Hoch – Das Paradies lauert im Hinterhof“ wird am Sonntag, 14. Februar, live auf Youtube und Facebook auf den Kanälen des Hauses der Stadtgeschichte übertragen. Die Ausstellung geht bis zum 21. März.

Die Lithographie ist für die Stadt Offenbach sehr bedeutsam. Im Jahr 1800 hat der Musikverleger Johann Anton André das Patentrecht an der von Alois Senefelder erfundenen Drucktechnik erworben und damit die Kompositionen von Wolfgang Amadeus Mozart vervielfältigt und verbreitet. tim

Weitere Informationen gibt es unter:
www.offenbach.de

Im ersten Schritt musste der 31-Jährige zusammen mit Kuratorin Katja M. Schneider vom Haus der Stadtgeschichte vor knapp einem Jahr einen Plan für die Werkstatt erstellen. Welche Maschinen und welches Mobiliar aus der Grafischen Werkstatt können verwendet werden? Wo können die bis zu 1000 Kilogramm schweren Maschinen überhaupt stehen? „Die haben wir auf die stärksten Stahlträger gestellt“, erklärt Gussmann.

Für die Werkstatt hat die Stadt Offenbach rund 65 000 Euro zur Verfügung gestellt. Dafür wurde unter anderem ein Sinkstoffbehälter angeschafft, der unter dem Waschbecken den Schlamm der geschliffenen Steine auffängt, sowie ein Umweltschrank, in dem die Chemikalien gelagert werden. Die Dr.-Marschner-Stiftung hat das Gehalt von Gussmann bezahlt.

Zudem half bei der Konzeption die Internationale Senefelder-Stiftung mit Rat und Tat. Die Stiftung freut sich besonders darüber, dass im Jahr des 250. Geburtstags vom Erfinder der Lithographie, Alois Senefelder, die Drucktechnik ein kleines Revival erlebt.

„Corona hat uns die Suppe leider maximal versalzen“, sagt Schneider. Sie hatte sich zum Start ein schönes Fest mit vielen Druckvorführungen vorgestellt. Jetzt muss die Vernissage der ersten Ausstellung „Hoch – Das Paradies lauert im Hinterhof“ des Berliner Künstlers Philipp Hennevogl am Sonntag virtuell stattfinden. Er zeigt Linolschnitte, die auf Fotografien beruhen. Sollte der Lockdown gelockert werden, hofft Schneider darauf, dass zumindest in kleinem Rahmen etwas im Bernardbau stattfinden kann. Zuvor befand sich in den Räumen das Bürgerbüro der Stadt.

Im hinteren Bereich der Werkstatt befinden sich die Bleisätze mit den unterschiedlichen Schriftarten und Schriftgrößen. Als „nerdige Übung“ hat Gussmann einen Ausschnitt der „Göttlichen Komödie“ von Dante auf Italienisch gesetzt und auf Papier gebracht.

Die Idealvorstellung von Gussmann und Schneider ist, dass bald Schulklassen und andere große Gruppen in die Werkstatt kommen können. „Die können dann etwas zeichnen, und es wird dann von mir gedruckt“, sagt Gussmann. Zudem sind Einführungskurse für Künstler:innen in den unterschiedlichen Drucktechniken angedacht. Anschließend können sie selbstständig in der Werkstatt arbeiten und echte Handwerkskunst produzieren.

Die Kuratorin des Hauses der Stadtgeschichte in Offenbach Katja M. Schneider freut sich auf vielfältige Ausstellungen.
Aus der Grafischen Werkstatt für Technik und Kunst Offenbach kommt der gesamte Bleisatz-Bestand.
Jeder Buchstabe muss einzeln gesetzt werden, um einen Text zu drucken.
Die Vorlagen für das erste Etikett mit dem traditionellen Offenbacher Eichenlaub.

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