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Tausende Sumpfkrebse fressen den See leer – und werden deshalb mit Hilfe von Aalen gejagt.

Offenbach

Offenbach: Rettung für den Schultheisweiher

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Die Stadt Offenbach nimmt viel Geld in die Hand, um die Wasserqualität des Schultheisweihers endlich in den Griff zu kriegen.

Ausgerechnet in einer Stadt, deren einziges Freibad im Sommer oft übervoll ist, musste in diesem Jahr mit dem Schultheisweiher auch der einzige Badesee gesperrt werden – an 28 Tagen. Im vergangenen Jahr waren es sogar 43 Tage. Grund ist die Wasserqualität der ehemaligen Kiesgrube, die sich laut Stadt in den letzten beiden Jahren „extrem verschlechtert“ hat.

Eine Anlage zur „Phosphat-Elimination“, die Offenbach nun bauen lassen will, gilt als letzte Rettung für den See, der nicht nur Badegästen und Anglern wichtig ist, sondern auch geschützte Tierarten beherbergt. Für diese ist rund die Hälfte des Sees als Schutzzone ausgewiesen. Zudem ist der Weiher im Mainbogen ein beliebter Rastplatz für Sumpf- und Wasservögel, die auf dem Weg zwischen ihren nordeuropäischen Brutgebieten und Winterquartieren im Süden sind.

Eine Übersicht über die seit 2008 von der Stadt am Schultheisweiher durchgeführten Wasseruntersuchungen sieht, wer in den Internetbrowser folgenden Link eintippt: bit.ly/2lmOsvB

Ein Erklärvideo der Stadt zum Thema Phosphat im Schultheisweiher gibt es hier: youtu.be/rzfNviiTOzU. fab

Für all diese Tiere und Menschen hat es Folgen, sollte der See kippen. Und die Liste der Dinge, die der Wasserqualität dort zusetzen, ist lang: Da wären zum einen Tausende Amerikanische Sumpfkrebse, die den See leer fressen, dann Blaualgen, die das Wasser ständig mit neuer Biomasse verstopfen und Sauerstoff produzierenden Wasserpflanzen die Lebensgrundlage entziehen. Und nicht zuletzt lange sonnige Trockenperioden, die dafür sorgen, dass der im Schnitt nur 2,50 Meter tiefe See noch flacher wird.

Die Krebse werden mit Aalen bejagt – 1000 solcher Fische, die wohl gern Krebse verspeisen, hat die Stadt 2017 ausgesetzt. Testfänge deuten darauf hin, dass die Taktik aufgeht: Während im September 2017 mit einer Reuse noch 191 Krebse aus dem Wasser geholt wurden, waren es 2018 nur 49 Exemplare. Die Ergebnisse der gestrigen Befischung lagen zu Redaktionsschluss noch nicht vor.

Das Umweltamt hat 20 Möglichkeiten untersucht, um die Wasserqualität zu verbessern. Jetzt hat das Amt die vielleicht letzte Rettung für den See als Ort für Tiere und Badende vorgestellt: eine mit Strom betriebene Anlage zur Phosphatentnahme. 600 000 Euro lässt sich die Stadt die Gerätschaft kosten, die in einen schallgedämmten Container eingebaut wird, damit sie nicht zu sehr stört. Die Stadtverordneten haben der Investition in der vergangenen Woche bereits zugestimmt.

Sergej Justus, Fachreferent in der Unteren Wasserbehörde, erklärt den Mechanismus des Geräts: Es entnimmt dem See Wasser und versetzt es mit dem „Fällungsmittel“ Eisensulfat. Dabei fällt Klärschlamm an, der abtransportiert wird. Das vom Phosphat gereinigte Wasser wird zurück in den See geleitet, was dem stehenden Gewässer auch etwas Zirkulation verschafft und den Fischen bessere Sicht und somit bessere Jagdbedingungen – auch im Kampf gegen die Krebse. Umweltdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) hofft, dass man so auch in Zeiten des Klimawandels das „ökologische Gleichgewicht“ im Schultheisweiher wiederherstellen kann.

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