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Rattenplage im Offenbacher Nordend.

Ratten in Offenbach

Rattenplage mitten im Wohngebiet in Offenbach

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Bewohner sind wütend über die Zustände in einem Mietshaus der Nassauischen Heimstätte. Insgesamt zählt die Stadt deutlich mehr Einsätze gegen die Nager.

Es ist ein ekliger Anblick. Ratten flitzen massenweise zwischen Hauswand, Gebüsch und Mülltonnen herum, strecken sich und vergrößern undichte Stellen im Boden der Behälter. Der Tonnenplatz in der Johannes-Morhart-Straße 1 im Nordend ist mit Rattenlöchern übersät. Die Nager sind wenig ängstlich und tauchen auch auf der Straße und unter den parkenden Autos auf. 

„Es wird immer schlimmer“, sagt Juraj Poplawski, der regelmäßig seine Großeltern besucht, die gegenüber in der Goethestraße wohnen. Er hat sich wegen der Rattenplage an die Stadt und die Presse gewandt, nachdem ihm beim Öffnen der Motorhaube jüngst zwei Ratten entgegengesprungen waren. Nach seinen Angaben wimmelt es auf dem Gelände nur so von Ratten. 50 Tiere habe er in fünf Minuten gesehen. 

Juraj Poplawski hält die Situation für untragbar. Auch deshalb, weil sich in der Straße ein Jugendzentrum und ein Kindergarten befänden. Viele Kinder spielten auf dem Bürgersteig. Die Gefahr, sich mit Krankheitserregern anzustecken, sei hoch. Die Stadt müsse handeln. 

Ein Bewohner des Mietshauses, das der Naussauischen Heimstätte gehört, sagte, das Rattenproblem bestehe schon länger. Seit vergangenem Sommer sei es bekannt, „und trotz ständiger Beschwerden passiert nichts“. Zwar seien Büsche weggeschnitten und Köder ausgelegt worden. Aber das habe nichts gebracht. Die Tiere hätten sich rasant vermehrt. 

Rattenbefall in Offenbach hat sich gegenüber den Vorjahren verdoppelt

Nach Angaben des Ordnungsamtes hat sich der Rattenbefall in Offenbach gegenüber den Vorjahren mehr als verdoppelt. 2018 wurden 70 Fälle dokumentiert. Allerdings ist die Dunkelziffer hoch. Ende Januar 2019 gingen zwei Beschwerden wegen der Ratten vor dem Haus der Heimstätte ein. Der ESO Stadtservice sei informiert worden, um mit dem Eigentümer eine großflächige Rattenbekämpfung durchzuführen. 

Nach Angaben des Ordnungsamtes hat sich der Rattenbefall in Offenbach gegenüber den Vorjahren mehr als verdoppelt.

Nach der Beschwerde von Juraj Poplawski wurde erneut kontrolliert und die Wohnungsbaugesellschaft aufgefordert, einen Nachweis über die aktuelle Schädlingsbekämpfung zu erbringen.

Der ESO soll gegen die Ratten in der Kanalisation ausrücken. Laut Ordnungsamt gab es in der Kita an der Johannes-Morhart-Straße keine Hinweise auf Rattenbefall. Der ESO erklärte, eine Rattenplage sei ihm „nicht direkt bekannt“. Für das Problem macht der städtische Eigenbetrieb hauptsächlich die Bewohner verantwortlich. Es sei Müll, der die Ratten anziehe. Die Nager kämen in der Regel nur dann aus der Kanalisation, wenn es überirdisch leckere Dinge zu fressen gebe. 

Zu den Löchern an der Unterseite der Tonnen meinte der ESO, diese könnten entstehen, wenn der Verschluss zum Ablassen des Reinigungswassers fehle oder dieser schlecht aufgeschraubt sei. Die Öffnung vergrößern die Ratten und gelangen so an die Abfälle. 

Falsche Müllentsorgung ist ein großes Problem

Auch die Nassauische Heimstätte führt die Rattenplage auf die unsachgemäße Entsorgung der Abfälle durch einzelne Mieter zurück. Müllsäcke mit Essensresten würden unverschlossen neben die Container gestellt, „wenn diese kurz vor den Abholterminen voll sind“. Sprecher Jens Duffner sagte, es werde für diese Liegenschaft eine Dauerbekämpfung geprüft. Mieter sollen in Rundschreiben auf die richtige Müllentsorgung hingewiesen werden. 

Auch andere Stadtteilen haben mit Ratten zu kämpfen. Im März wurde ein Rattenbefall rund um die Hochhäuser in Bieber-Waldhof gemeldet. Auch dort ist die Nassauische Heimstätte der Eigentümer. Im Mai 2018 sorgte eine Rattenplage auf dem Gelände eines Mehrfamilienhauses auf der Rosenhöhe für Aufregung. 

Dem Leiter der neuen Stabsstelle Sauberes Offenbach, Christian Broos, war die aktuelle Problematik nicht bekannt. 2018 seien Ratten aber immer wieder ein Thema gewesen, sagte er. Die Tiere hätten sich im trockenen Sommer stark vermehrt. Er warnte davor, Essensreste ins Klo oder den Abfluss zu werfen. Denn so gelangten sie in die Kanalisation. Auch überfüllte oder nicht richtig verschlossene Behälter lockten die Nager an. Zunehmende Resistenzen gegen Rattengifte dürften das Problem weiter verschärfen.

Ratten:

Die Wanderratte ist in Deutschland die am häufigsten vorkommende Art. Sie ist wesentlich aggressiver als die Hausratte, die auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Arten steht. Geschlechtsreif ist die Wanderratte mit zwei bis drei Monaten. Sie kann bis zu 22 Neugeborene zur Welt bringen, im Durchschnitt sind es acht bis neun bei vier bis sieben Würfen pro Jahr.

Ratten sind Allesfresser. Sie nehmen tierische und pflanzliche Nahrung zu sich, Wanderratten auch Stoffe wie Pelze, Seife , Papier und Bienenwachs. Krankheitserreger werden durch die Nager verbreitet. Wer in Kontakt mit Kot und Urin von infizierten Tieren kommt, kann sich anstecken.

Schätzungen zufolge gibt es in Großstädten so viele Wanderratten wie Menschen. Die Nager sind scheu und nachtaktiv. Tauchen sie tagsüber auf, ist das ein Zeichen für einen größeren Befall.In der Kanalisation halten sich die Ratten auf, weil im Abwasser Lebensmittel sind, die Menschen ins Klo oder in den Abfluss geschüttet haben. (ags)

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