Offenbachs größte Baustelle macht Anliegern zu schaffen: 837 Wohnungen entstehen hier, plus Büros, Hotel, Schwimmbad und Kita. Foto: Rolf Oeser

Offenbach

Bauprojekt „Quartier Kaiserlei“: Großinvestor stellt sich den Fragen der Nachbarn

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Nach Kritik am großen Umbauprojekt der ehemaligen Siemens-Hochhäuser spricht Investor Gröner mit den Anwohnern. Die Bürgerinitiative „Wowireg“ aber bleibt weiterhin skeptisch.

Es kommt nicht alle Tage vor, dass sich ein millionenschwerer Projektentwickler persönlich mit kritischen Anwohnerinnen und Anwohnern konfrontiert, die sein Bauprojekt am liebsten kräftig eindampfen würden. Zu einer solchen Begegnung kam es am Donnerstag in Offenbach: Christoph Gröner, Firmengründer, Namensgeber und Vorstandsvorsitzender der CG-Gruppe, einer von Deutschlands Superreichen, stellte sich in einem kleinen Gemeindesaal neben seiner Großbaustelle den Fragen der Nachbarn.

Kern der Kritik am Bauprojekt „Quartier Kaiserlei“, das den Umbau der ehemaligen Siemens-Hochhäuser zwischen A661 und Goethering sowie einen Kranz an sechs- bis siebengeschossigen Neubauten rund um die beiden Türme umfasst: Baulärm, Setzrisse an Wohnhäusern in den Nebenstraßen sowie die Sorge, dass die in Tiefgarage und Parkhaus geplanten 571 Parkplätze nicht ausreichen. Denn auf Offenbachs größter Baustelle entstehen nicht nur 837 Wohnungen, sondern auch 50.000 Quadratmeter Bürofläche, Läden und Restaurants, ein Fitnessclub mit Schwimmbad, eine Kita – und ein Hotel.

Offenbach: Anwohnerinitiative „Wowireg“ bleibt skeptisch

„Die Leute werden in der ganzen Gegend nach Parkplätzen suchen“, fasste ein Anwohner seine Bedenken zusammen. Dabei sei das Viertel durch die Autobahn und die Flugzeuge schon jetzt stark belastet. Frank Präder von der Anwohnerinitiative „Wowireg“ blieb auch bei weiteren Themen skeptisch: So müsse etwa die Kanalisation ausgebaut werden, da schon jetzt bei Starkregen „bei 50 Prozent der Anwohner hier der Keller vollläuft“, wie Präder sagte.

Am Kaiserlei will die Stadt zwei neue Bebauungspläne beschließen. Einer legt für das Areal zwischen Strahlenbergerstraße und Main westlich der Autobahn fest, dass dort auch künftig Gewerbe und Dienstleistungen Platz finden. Auch Hotels sind erlaubt.

Für das „Quartier Kaiserlei“ der CG-Gruppe, das den Straßenblock um die ehemaligen Siemens-Türme an der Berliner Straße umfasst, gibt es einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan.

Der Vorentwurf für den Plan samt Fachgutachten ist bis 19. September im Stadthaus, Berliner Straße 60, 14. OG, einzusehen. Infos gibt es auch im Netz unter www.offenbach.de/auslage (fab)

In den Türmen, die schon seit einer Weile entkernt und umgebaut werden, finden 632 Appartements Platz. Dazu kommen 205 Wohnungen – 40 davon gefördert – sowie die weiteren geplanten Nutzungen in den Neubauten. In der Mitte des Ensembles entsteht ein öffentlich zugänglicher Platz. Der Bebauungsplan ist im Entwurfsstadium – die Stadt stellte ihn am Donnerstag vor. Darin wird auch die Anzahl der Stellplätze geregelt, die sich an der Stellplatzsatzung orientiert, laut Entwurf aber etwas reduziert wurde. Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) äußerte sich dazu am Donnerstag ungewohnt undiplomatisch: „Wer direkt an der S-Bahn-Station Kaiserlei wohnt und mit dem Auto nach Frankfurt fährt, ist selber schuld.“

Beim Thema Setzrisse war es Investor Gröner, der geschmeidig abwiegelte. Man habe so sorgfältig gebaut, dass man „nicht Auslöser der Setzrisse“ sein könne – das gelte auch für die Bohrungen für die große Geothermieanlage, die unter dem CG-Komplex entsteht. Eher habe der Hitzesommer damit zu tun. Gröner machte ein „nachbarschaftliches Angebot“: Er könne den Betroffenen günstig Handwerker vorbeischicken. Beim Thema Lärmschutz versicherte er: „Alles, was technisch machbar ist, machen wir“ – die lautesten Arbeiten sollen Ende Dezember vorbei sein.

Offenbach: Weitere Pläne wurden konkretisiert

Konkret geht es dabei um Beton, der mit scharfen Wasserstrahlen von den Stahlträgern entfernt wird. Die Bauaufsicht hatte im August nach Beschwerden Schallmessungen durchgeführt und einen Teil der Arbeiten gestoppt. Die CG-Gruppe sagte, man habe die Arbeiten nicht unterbrochen, sondern mit einem Schallschutzgutachter und der Bauaufsicht einen „Maßnahmenplan“ entwickelt, um künftigen Lärm „zu minimalisieren“ – etwa durch Holzeinhausungen und Lärmschutzmatten.

Weitere Pläne wurden konkretisiert: Auf dem Platz sollen größere Bäume gepflanzt werden, nachts bleibe er geschlossen. Man wolle ihn „von Menschen freihalten, die dort schlafen wollen“, so Gröner. Zwölf Geschäfte, vier Gastrobetriebe sind geplant – und eine Bar im 22. Stock. Das in ein Fitnesscenter integrierte Schwimmbad mit Cabrio-Dach könne vormittags von Schulen genutzt werden. Gröner stellte auch Vergünstigungen für Anwohner in Aussicht. „Als Entschädigung für den Lärm“, murmelte eine von ihnen.

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