Offenbach

Verhärtete Fronten beim Kino-Streit in Offenbach

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Die Mitarbeiter des Cinemaxx-Kinos in Offenbach streiken seit Wochen für bessere Entlohnung. Die nächste Verhandlungen Ende April.

Seit Februar gibt es in Kinos der Cinemaxx-Gruppe immer wieder Warnstreiks für eine bessere Bezahlung. Dazu aufgerufen hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Nicht nur in Frankfurt, auch beim Offenbacher Lichtspielhaus gehen die Mitarbeiter seitdem auf die Straße - bevorzugt am Wochenende, um so die Aufmerksamkeit der Kunden für ihre Forderungen zu erhalten.

Mitarbeiter haben nun der FR berichtet, dass sich in den vergangenen Wochen der Umgangston im Unternehmen deutlich verschärft habe. „Anfangs gab es von Seiten der Theaterleitung noch Verständnis für unsere Forderungen, aber nun ist der Ton rauer geworden“, sagt Lukas Franzen. Eigentlich heißt er anders, aber aus Sorge um den Arbeitsplatz möchten er und seine Kollegen ihre wahren Namen nicht in der Zeitung lesen. „Es fing damit an, dass man nicht mehr gegrüßt wurde - der Chef nimmt den Streik sehr persönlich“, sagt er. Später sei dann den Mitarbeitern etwa die Nutzung der bisher als „Raucherecke“ genutzten Terrasse untersagt worden. Franzen ist Student und hat einen unbefristeten Arbeitsvertrag. „Von den befristet angestellten Mitarbeitern streikt keiner aus Angst“, sagt er.

Kunden, die mit den Streikenden gesprochen hätten, seien von der Theaterleitung angesprochen worden, ob sie sich belästigt fühlten, sagen Franzen und seine Kollegin Nadja. „Einem langjährigen Kunden wurde Hausverbot erteilt, nachdem er mit Streikenden sprach“, sagt sie, „als er abends mit seiner Freundin wiederkam, wurde er erneut rausgeworfen.“

Hausverbote seien keine erteilt worden, erklärt eine Sprecherin von Cinemaxx auf Nachfrage der FR. Allerdings sei an einem Tag im März ein Besucher ohne gültiges Ticket darauf hingewiesen worden, dass er Foyer und Kinosaal nur mit Ticket betreten dürfe, heißt es. Aussage steht hier gegen Aussage, der Vorfall lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Dass sich der Ton im Betrieb wegen des Streiks verschärft habe, bestreitet Cinemaxx entschieden.

„Wir bekommen überwiegend Zustimmung von den Kunden zum Streik“, sagt Franzen. Um an Wochenenden den Betrieb trotz Streiks aufrechtzuerhalten, greife die örtliche Theaterleitung auf Freunde und Familienangehörige zurück. Alles im Rahmen des Erlaubten, betont das Unternehmen.

25 Servicekräfte sind in dem Offenbacher Kinocenter beschäftigt. Auch wenn es traumhaft klinge, immer die neuesten Filme zu sehen, es stecke harte Arbeit im Job im Kinocenter. „Gerade nach Kinder- oder Superhelden-Filmen sieht es im Saal schlimm aus. Was da aufzuräumen ist, ist wirklich unappetitlich“, sagt Franzens Kollege Philipp. Auch der Getränke- und Popcornverkauf zu Stoßzeiten sei nervenaufreibend. „Aber um es deutlich zu sagen: Wir beklagen uns nicht über unsere Arbeit, wir alle machen die Arbeit wirklich gern. Nur möchten wir eben anständig dafür bezahlt werden“, sagt er.

Im Kern geht es Verdi um eine Lohnerhöhung von einigen Cent auf 9,50 Euro die Stunde. Momentan beträgt das Einstiegsgehalt 9,19 Euro die Stunde. Cinemaxx schreibt, das die Gewerkschaft „ursprünglich absolut realitätsferne Forderungen“ gestellt habe. Allerdings sei man an einer einvernehmlichen Lösung interessiert. Eine Abkehr der Niedrigpreispolitik von 5,99 Euro pro Film an der Kinokasse würde laut Cinemaxx nicht helfen, dass die Angestellten besser bezahlt werden könnten. Besucher des Offenbacher Kinos hatten danach etwa die Streikenden gefragt.

Mehrere Verhandlungsrunden sind bereits gescheitert, für Ende April ist eine neue Runde angesetzt. Der Streik wird also vorerst weitergehen.

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