Offenbach

Schuften ohne Lohn in Offenbach

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Die Gaststätten-Gewerkschaft kritisiert unbezahlte Überstunden.

Rund zwei Millionen Arbeitsstunden haben die Beschäftigten in Offenbach rechnerisch im vergangenen Jahr geleistet, davon mehr als die Hälfte ohne Bezahlung - das geht aus dem „Überstunden-Monitor“ hervor, den das Pestel-Institut im Auftrag der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) verfasst hat. Danach hätten die Beschäftigten den Offenbacher Unternehmen 28 Millionen Euro „geschenkt“.

Allein in Hotels und Gaststätten hätten die Beschäftigten hier im vergangenen Jahr rund 45 000 Überstunden geleistet.

Grundlage der Studie sind Daten des Mikrozensus. Die Wissenschaftler seien von bundesweiten Durchschnittswerten ausgegangen. Demnach waren 44 Prozent aller geleisteten Überstunden im Gastgewerbe unbezahlt.

Für 2018 bedeute das bei 12 Euro Lohnkosten pro Stunde für den Arbeitgeber ein „Geschenk“ von 238 000 Euro. „Wer im Gastgewerbe arbeitet, ist auf jeden Euro angewiesen. Dabei sind 40 Prozent dieser Arbeitsplätze in Offenbach Minijobs“, sagt NGG-Geschäftsführer Peter-Martin Cox. Das Problem der 450-Euro-Kräfte: Sie dürfen keinen Euro hinzuverdienen. „Also werden die Überstunden entweder gar nicht oder schwarz bezahlt“. Statt Minijobber mit 450 Euro abzuspeisen, sollte das Gastgewerbe endlich mehr Menschen regulär beschäftigen und ordentlich bezahlen, fordert Cox.

Die NGG will mit der Kampagne “#fairdient“ darauf aufmerksam machen. Den Beschäftigten drohe – über den verlorenen Lohn hinaus – noch ein anderes Problem: Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) dränge die Bundesregierung, die Arbeitszeiten „flexibler“ zu machen. Ziel der Arbeitgebervertretung sei es, die Höchstarbeitszeit auf bis zu 13 Stunden pro Tag auszuweiten. jon

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