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Ednaldo Silva de Vascolncelos und Stadträtin Sabine Groß.

Arbeitsmarkt

100 Prozent Lohnkostenzuschuss

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Das Jobcenter Offenbach  nutzt ein neues Förderinstrument für Langzeitarbeitslose.

Ich habe keine Ausbildung. Das war mein größter Fehler“, sagt Ednaldo Silva de Vascolncelos. Dass der 53-jährige Brasilianer trotz langer Arbeitslosigkeit wieder einen ordentlich bezahlten Job gefunden hat, verdankt er auch dem neuen Teilhabechancengesetz. Seit Jahresanfang ermöglicht der neue Paragraph 16i des Sozialgesetzbuches II eine wesentlich verbesserte Förderung von Langzeitarbeitslosen.

Das Offenbacher Jobcenter nutzt dieses Programm, um weitere Menschen in Arbeit zu bringen. 53 Arbeitssuchende konnten bereits an private und gemeinnützige Arbeitgeber vermittelt werden. Bis Jahresende sollen es mindestens 100 sein, sagte der Geschäftsführer der Main-Arbeit, Matthias Schulze-Böing.

Silva de Vascolncelos, der vor 16 Jahren nach Offenbach gekommen war, hatte wegen gesundheitlicher Probleme beruflich nicht richtig Fuß fassen können. Seit drei Monaten ist er bei der Firma Esswerk als Fahrer angestellt. Er fährt das Essen zu den Schulen und Kindergärten in Stadt und Kreis Offenbach, bringt Menschen mit Handicaps zu ihrem Einsatzort und erledigt kleine Einkäufe. „Ich will meine Rente hier haben“, sagt er. Zweifel daran hat er nicht. „Denn ich finde die Arbeit toll, weil ich viele Kontakte mit Menschen habe.“

Offenbachs Sozialdezernentin Sabine Groß (Grüne) sieht in dem neuen Förderinstrument eine große Chance nicht nur für Menschen, die es schwer auf dem Arbeitsmarkt haben, sondern auch für Branchen wie die Gastronomie oder das Handwerk, „die händeringend Leute suchen“.

Wer einen Arbeitslosen einstellt, der mindestens 25 Jahre alt ist und sieben Jahre weitgehend ohne Beschäftigung war, erhält fünf Jahre lang Unterstützung. In den ersten beiden Jahren werden bis zu 100 Prozent der Personalkosten bezuschusst, in den folgenden drei Jahren 90, 80 und 70 Prozent. Der Zuschuss deckt auch die Arbeitgeberanteile an der Sozialversicherung ab. Es gibt keine Nachbeschäftigungspflicht nach Auslaufen der Förderung. Qualifizierungskosten werden bis zu 3000 Euro übernommen.

Schulze-Böing betonte, dass die Arbeitsverträge zwar befristet werden könnten. Es sei aber nur einmal eine Verlängerung möglich. „Es gibt keine Kettenverträge.“ Ziel der Main-Arbeit sei es, auch private Arbeitgeber anzusprechen. Denn mit dem neuen Instrument werde nicht wie früher nur zusätzliche gemeinnützige Arbeit gefördert.

Nach seinen Angaben sind die meisten Langzeitarbeitslosen, die dank Förderung einen neuen Job fanden, bei gemeinnützigen Arbeitgebern beschäftigt und dort in der Landschaftspflege, dem Verkauf, der Altenbetreuung und Hauswirtschaft tätig. Im Privatsektor reichten die Arbeitsfelder von der Gastronomie über das Handwerk bis hin zur Beschäftigung in einer Arztpraxis.

Das Potenzial sei groß und die Konjunktur günstig. 3400 Arbeitssuchende kämen „rein formal“ für die Vermittlung in eine geförderte, sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Frage.

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