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Fahrzeuge im Stau.

Offenbach

Pförtnerampeln und Lkw-Verbot für Offenbach geplant 

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Gemeinsam mit der Stadt Frankfurt hat der Offenbacher Magistrat einen Masterplan zur Reduzierung von Stickstoffoxiden (NOx) vorgelegt.

Auf die Verkehrsteilnehmer im Stadtgebiet kommen in den nächsten Jahren gravierende Veränderungen zu: Für Lkws wird ein Durchfahrtsverbot gelten, mit intelligenter Verkehrssteuerung sollen zugestaute Verbindungen entlastet werden. Sogenannte Pförtnerampeln sollen an der Waldstraße und der Sprendlinger Landstraße zu Spitzenzeiten den Verkehr regulieren.

Gemeinsam mit der Stadt Frankfurt hat der Offenbacher Magistrat einen Masterplan zur Reduzierung von Stickstoffoxiden (NOx) vorgelegt. Hintergrund sind drohende Fahrverbote, die durch Gerichte auf Klage der Deutschen Umwelthilfe angeordnet werden können. Momentan wird ein Verhandlungstermin vor dem Verwaltungsgerichtshof Kassel gegen das Land vorbereitet, bei dem es um Offenbach geht, sagt Stadtrat und Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP). Da die Stadt Fahrverbote unbedingt vermeiden wolle, habe man bereits seit 2017 an entsprechenden Maßnahmen gearbeitet. „Jetzt müssen wir diese aber unter Zeitdruck bis 2020 umsetzen, dadurch entstehen uns ungeheuere Kosten“, sagt Weiß.

Über 15 Millionen Euro kostet die Umsetzung des Masterplans, selbst mit üppiger Landesförderung bleiben der Stadt Kosten von fast acht Millionen Euro - ohne Folgekosten für Wartung oder unvorhergesehene Umplanungen. Zwei Förderbescheide aus dem Bundesprogramm „Saubere Luft 2017-20“ hat die Stadt bereits erhalten, ein weiterer steht noch aus.

Offenbach könne so aber Fahrverbote vermeiden. An den drei Messstellen Untere Grenzstraße, Bieberer Straße und Mainstraße seien die Stickoxidwerte schon jetzt leicht gesunken und betragen nun zwischen 40 und 45 Mikrogramm Stickoxid pro Kubikmeter Luft. Der gesetzlich erlaubte Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm. „Damit haben wir aber im Gegensatz zu Städten wie Stuttgart immerhin die Chance, mit verschiedenen Maßnahmen die Werte so zu senken, dass wir Fahrverbote umgehen“, sagt Weiß.

Die Maßnahmen Zur Verflüssigung des Verkehrswerden 64 Ampeln umgebaut und technisch umgerüstet, die Kosten betragen 7 973 000 Euro, der Bund übernimmt 3 933 263 Euro.

Die neue Verkehrssteuerungmit dynamischer Routenempfehlung schlägt mit 6 064 000 Euro zu Buche, der Bund fördert diese mit 2 907 600 Euro.

Die LED-Beschilderungund Planung des Lkw-Durchfahrtverbots kostet 1 207 000 Euro, die erhoffte Förderung beträgt 50 Prozent der Kosten. som

Durch intelligente Verkehrssteuerung und neue Ampelanlagen, die durch Sensoren Grenzwertüberschreitungen registrieren, könne der Stickoxidwert jeweils um rund fünf Prozent gesenkt werden, sagt Ivonne Gerdts von der Verkehrsplanung. Das Lkw-Durchfahrtverbot würde die Stickoxidwerte um rund zehn Prozent senken. Für Offenbach lägen die Werte dann zwar immer noch im Bereich von rund 35 Mikrogramm, aber eben auch unter dem gesetzlich erlaubten Wert.

Angst, dass durch Pförtnerampeln und Verkehrslenkung etwa auf dem Odenwaldring dort nichts mehr gehe, müsse aber niemand haben. „Wir reden vom Einsatz der Ampeln zu den beiden Spitzenzeiten morgens und abends“, sagt Gerdts. Ziel sei ein gleichmäßiger Verkehrsfluss, da Stop-und-Go-Verkehr für eine Steigerung der Stickstoffemissionen sorge.

Bis 2020 sollen Ampeln umgerüstet, Bluetooth-Sensoren und Kontaktschleifen eingebaut und ein neues Verkehrssteuerungsprogramm installiert sein. Dass der Zeitplan recht ambitioniert ist, räumt Weiß ein. Denn allein für die Beauftragung eines Planungsbüros ist eine europaweite Ausschreibung nötig, die im Juni starten soll. Dass der Projektbeschluss bis Dezember steht und das Büro seine Arbeit aufnimmt, sei ein sportliches Unterfangen. „Wir sind schließlich nicht die einzige Kommune, die ein Planungsbüro dafür sucht“, sagt er.

„Da Frankfurt ähnliche Probleme hat, haben wir gemeinsam einen Plan entwickelt – es würde ja nichts bringen, wenn wir uns gegenseitig die Lkws über die Carl-Ulrich-Brücke hin- und herschieben würden“, sagt Umweltamtsleiterin Heike Hollerbach. Allerdings: Wenn die Lkws um Frankfurt und Offenbach herum geleitet werden, sinkt zwar die NOx-Belastung in den Stadtgebieten, steigt dafür aber auf den Bundesstraßen in den Kreiskommunen an. So etwa in Obertshausen an der Gathofkreuzung. Es wie mit dem Fluglärm, sagt Weiß, auch da helfe nur eine Verteilung, so dass nicht einzelne über Gebühr belastet würden.

„Die Stadt kann eben nur eine gewisse Menge Verkehr aufnehmen“, sagt Weiß. Auf lange Sicht helfe nur ein Mix aus Lenkungsmaßnahmen und einem Wandel im Verkehrsverhalten.

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