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Workshop im Klingspor-Museum zum Start der zweiten „Deutschsommer“-Woche.

Offenbach

Offenbach: Zehn Jahre „Deutschsommer“ - mit Spaß die Sprache lernen

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Zehn Jahre „Deutschsommer“ in Offenbach: Sprachförderung und Ferienvergnügen für Kinder.

Wir nehmen nicht die Besten, sondern die Schlechtesten.“ Dieser Satz stammt selbstverständlich nicht von einem Personalchef. Gesagt hat ihn gestern Jörg Muthorst, Projektleiter des Sprachförderprogramms „Deutschsommer“, das in diesem Jahr zum zehnten Mal in Offenbach stattfindet. Er wollte damit klarstellen, dass sich das Angebot an diejenigen richtet, die es am nötigsten brauchen.

Das sind vor allem Kinder aus bildungsfernen und teilweise erst kürzlich zugewanderten Familien. Sie erhalten nach der dritten Klasse die Chance, in den ersten drei Wochen der Sommerferien und bei einem einwöchigen „Endspurt“ in den Weihnachtsferien in zwei kleinen, von sechs Sprach-, Theater- und Sozialpädagogen und einem Praktikanten betreuten Gruppen im Schullandheim Wegscheide spielerisch ihre Sprachkenntnisse zu verbessern, die Natur zu erkunden und Spaß zu haben.

Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) betonte, in dem von vielen Nationen und Kulturen geprägten Offenbach leiste der „Deutschsommer“ einen wichtigen Beitrag zur Integration. Deshalb habe die Stadt trotz angespannter Haushaltslage die Mittel für das Projekt erhöht.

In den ersten drei Jahren hatten das Land und die Dr. Marschner-Stiftung die Finanzierung übernommen. Nach dem Wegfall der Landesförderung sicherten die Städtische Sparkasse, die Ippen-Stiftung, die Stadtwerke Offenbach und die Bürgerstiftung den Fortbestand des Programms. Seit 2016 beteiligt sich die Frankfurter Erhard-Kunert-Stiftung an der Finanzierung, sie teilt sich inzwischen mit der Stadt die Gesamtkosten von 100 000 Euro

Fast 400 Offenbacher Grundschulkinder haben seit 2010 an der Kombination aus Sprach- und Ferienprogramm teilgenommen. Die Freizeitaktivitäten sind fester Bestandteil des Tagesablaufs. Denn die Kinder sollten nicht das Gefühl haben, nachzusitzen, sagte Muthorst.

In diesem Jahr verbringen 32 Mädchen und Jungen aus 19 Nationen im Alter von neun bis elf Jahren einen Teil der Sommerferien auf der Wegscheide. An den Wochenenden sind sie wieder bei ihren Familien. Die Plätze sind begehrt. Die Schulen hatten 56 Kinder angemeldet.

„Uns ist wichtig, dass vor allem Kinder mit ausländischer Herkunft eine Zeitlang aus ihrem gewohnten sprachlichen Umfeld herauskommen und rund um die Uhr Deutsch sprechen“, betonte der Projektleiter. Nach seinen Angaben bestätigten ihm Klassenlehrer immer wieder, dass die meisten Kinder nach diesen drei Wochen mit besseren Deutschkenntnissen, aber auch selbstbewusster und motivierter in die Schule zurückkämen.

Auch die Sozialkompetenz nehme zu. Denn die Kinder müssten Heimweh bekämpfen, sich in neuer Umgebung zurechtfinden und kleine Pflichten wie das Essenholen übernehmen. Viele erlebten erstmals Natur. Gestern schwärmten Mustafa (10) und Luisa-Maria (11) davon, dass sie in einen Bach gegangen seien. Und Ibrahim (9) freute sich schon auf die Busfahrt zur Wegscheide, „denn bald werden wir draußen im Wald schlafen“.

2016 wurden das Sprachferien-Förderprogramm ausgebaut. Seitdem können 15 Kinder nach den Sommerferien als „Deutschsommer-Detektive“ an wöchentlich zwei Nachmittagen „der Sprache auf der Spur“ bleiben.

Das Projekt

Die Polytechnische Gesellschaft Frankfurt führte 2007 den ersten „Deutschsommer“ in Frankfurt durch, seit 2010 wird das Sprachförderprogramm in Offenbach angeboten. Es bietet Drittklässlern eine intensive Deutschförderung vor dem Übergang in die für die weitere Schullaufbahn wichtige vierte Klasse.

Sprachtests vor und nach den Projektwochen zeigen, dass Mädchen und Jungen ihre Sprachkenntnisse deutlich verbessern konnten. 

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