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Stehen viel herum: Stadtweit sind 20 E-Fahrräder unterwegs. 

Konzept

Offenbach: Nur wenige wollen E-Bikes oder E-Autos ausleihen

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Die Offenbacher SPD kritisiert das Kosten-Nutzen-Verhältnis städtischer Mobilitätsstationen. Dezernentin Sabine Groß (Grüne) hält aber am Konzept fest.

Die futuristisch anmutende Verleihstation für E-Autos und E-Fahrräder am Offenbacher Marktplatz fällt Passanten, die dort zum ersten Mal vorbeikommen, sofort ins Auge. Eine große Rolle im Straßenverkehr aber spielen die an der bunt beleuchteten Station mietbaren Fahrzeuge auch sieben Jahre nach dem Beginn des Projekts noch nicht: Nur 1369 Verleihvorgänge gab es im Jahr 2018 an den mittlerweile sechs „eMobil“-Stationen im Stadtgebiet – 590-mal wurde ein Pedelec entliehen und 779-mal ein E-Auto.

Diese Zahlen hat die SPD öffentlich gemacht und dabei gleich zur grundlegenden Kritik an dem von Land und Stadt finanzierten Vermietsystem ausgeholt: Da im Jahr 2018 rund 250 000 Euro in das System gesteckt wurden, habe die öffentliche Hand die Mobilitätsstationen mit rund 170 Euro pro Verleihvorgang subventioniert, rechnet die SPD vor. Nehme man nur den städtischen Anteil von 180 000 Euro, lägen die Kosten pro Verleihvorgang immer noch bei fast 120 Euro. Erträge aus dem Verleih in Höhe von 16 755 Euro sind in der Berechnung enthalten. „Offenbach muss andere Prioritäten setzen“, schlussfolgert der Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokraten, Martin Wilhelm.

Ganz anders sieht das Offenbachs Mobilitätsdezernentin Sabine Groß (Grüne). Mit den Zahlen konfrontiert, sagt sie, „eMobil“ sei ein „innovatives und nachhaltiges Verkehrsangebot“, das in Offenbach klassische öffentliche Verkehrsmittel wie Bus und Bahn ergänze und einen Anreiz schaffe, das eigene Auto stehen zu lassen. Die noch geringen Nutzerzahlen lägen daran, dass „Verhaltensänderungen nicht von heute auf morgen zu bewirken“ seien. Diese setzten aber voraus, dass überhaupt „attraktive Alternativangebote bestehen“. Deshalb seien keine Änderungen bei den Stationen geplant – alles bleibt wie gehabt.

Betrieben werden die Mietstationen von den zu den Stadtwerken gehörenden Offenbacher Verkehrsbetrieben (OVB) und dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV). Die erste Station wurde 2011 am Marktplatz eingeweiht, 2017 folgten die Stationen am Hafen und in Bieber sowie 2018 als letzte Ausbaustufe Stationen in Rumpenheim, Tempelsee und im Neubaugebiet „An den Eichen“. Insgesamt zwanzig E-Fahrräder und sechs E-Autos stehen derzeit nach einem kurzen Registriervorgang zur kostenpflichtigen Ausleihe bereit.

Ökologischer Verkehrsclub fordert mehr Stationen

Kritik kommt auch vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) – aber aus einem ganz anderen Grund: Dessen Offenbacher Sprecher Henning Kühl schätzt den E-Verleih nämlich als „gute Möglichkeit, die Verknüpfung von verschiedenen Verkehrsmitteln zu fördern, und als einen Beitrag zu einer nachhaltigen Mobilitätskultur“. Er empfiehlt den Ausbau des Stationsnetzes und die Vereinfachung des Anwendungssystems, um die Nutzungszahlen zu erhöhen. Kühl kritisiert, die Stationen würden von der Lokalpolitik „nicht mehr stark beachtet“. Das erkenne man auch daran, dass noch nicht feststehe, wie die Station am Marktplatz in den dort geplanten Wohnungs- und Büroneubau integriert werden solle. „Die Gespräche hierzu werden demnächst beginnen“, informiert Jürgen Weil, Referent von Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP).

Wie gut ein vor Ort entwickeltes stationsgebundenes Fahrradvermietsystem laufen kann, zeigt ein Blick ins westliche Rhein-Main-Gebiet: Das dortige Verleihsystem der Mainzer Verkehrsgesellschaft wird mittlerweile auch in den benachbarten Städten Wiesbaden und Ingelheim genutzt. In Mainz stehen an 126 Stationen derzeit rund 720 Räder zur Verfügung. 2018 registrierte man dort laut einem Sprecher der Mainzer Stadtwerke rund 370 000 Vermietvorgänge. Die Einführung von Pedelecs werde derzeit geprüft.

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