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Bald können am Offenbacher Busbetriebshof auch Busse mit Strom betankt werden.  

Offenbach

Offenbach: Weiter Streit über E-Busse

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Mobilitätsdezernentin Sabine Groß verteidigt die Ausbaupläne der Koalition in Offenbach. Kritik kommt weiterhin von der SPD.

Durch den geplanten Bau zweier Ladestationen an den Offenbacher Bus-Endhaltestellen „Kaiserlei“ und „An den Eichen“ und den dort geplanten täglichen und nächtlichen Ladestopps künftiger E-Busse entsteht kein kostspieliger Mehrbedarf an Bussen oder Busfahrern. Das stellte Offenbachs Mobilitätsdezernentin Sabine Groß (Grüne) auf Nachfrage der FR klar. Sie reagiert damit auf eine Reihe kritischer Nachfragen, die die SPD-Fraktion in den vergangenen Wochen an den Magistrat gestellt hatte.

Die Elektrifizierung der Offenbacher Busflotte ist derzeit Streitthema Nummer eins zwischen der Koalition aus CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern und der oppositionellen SPD. Die Koalition hält unter der Ägide der grünen Dezernentin – nach der Beilegung interner Unstimmigkeiten – am geplanten Teilumbau der Dieselbusflotte hin zu E-Bussen fest: Bis 2023 sollen in Offenbach von 87 Bussen 36 elektrisch betrieben werden. Dafür sind Umbauten am Betriebshof in der Hebestraße notwendig, zudem werden besagte Zwischenladestationen gebaut, an denen Busse aufladen können. Die ersten sieben E-Busse, deren Anschaffung bereits ausgeschrieben wurde, sollen im Herbst 2020 durch die Stadt fahren.

Ladestationen senken Kosten

43 Millionen Euro kostet der Teilumbau der Busflotte bis 2024. Nach Abzug von Fördergeld und Kosten für nicht mehr benötigte Dieselbusse bleiben 17,8 Millionen, die die städtischen Busbetriebe aufbringen müssen. Die Ladestationen an den Endhaltestellen, die im Fokus der jüngsten Diskussionen standen, schlagen nach Abzug der Förderung mit rund 1,6 Millionen zu Buche. Dazu kommen 90 000 Euro Betriebskosten im Jahr.

Dezernentin Groß rechtfertigt die Investitionen: „Diese Kosten sind immer noch geringer als die Kosten, die entstehen würden, wenn auf die Zwischenladung an den Wendeanlagen verzichtet und zusätzliche Fahrzeuge und Fahrer benötigt würden.“ Das sei in einer Machbarkeitsstudie festgestellt worden.

Die SPD-Fraktion hat derweil eine neue Anfrage an den Magistrat gerichtet. Unter anderem will sie wissen, warum in der Ausschreibung nicht gefordert wurde, die neuen Busse müssten ohne Zwischenladung auskommen.

Viele Kommunen stellen ihre Busflotten derzeit auf E-Busse um. In Offenbach bezeichnet Groß den Umstieg unter anderem als „Baustein zur Verhinderung von Fahrverboten“. Denn die Deutsche Umwelthilfe klagt auch im Fall Offenbachs, wo vielerorts die Grenzwerte des giftigen Gases Stickstoffdioxid überschritten werden, gegen das Land Hessen.

Die kritische Haltung der SPD ist vor dem Hintergrund einer gehörigen Fehlkalkulation zu verstehen, die Groß im Sommer eingeräumt hatte: Die Kosten für den Busverkehr einer kommunalen Tochterfirma waren von 600 000 auf 2,8 Millionen Euro gestiegen. Grund war ein unerwartet hoher Mehrbedarf an Busfahrern durch ein verbessertes Busangebot – statt zusätzlich 40 bis 50 Fahrern wurden 74 eingestellt. Auch wurden Zahlungen an Leiharbeitsfirmen fällig. Zudem ist unklar, wie das aus mehreren Gründen wachsende Minus der Verkehrsbetriebe bezahlt werden soll; die Koalition ist nicht gewillt, alles mit Haushaltsmitteln auszugleichen. Das könnte Kürzungen des Busangebots zur Folge haben.

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