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Die HfG hat neue Markierungen für Offenbachs Fahrradstraßen entworfen.

Radfahrer

Offenbach: Vorrang für Fahrräder

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Die Stadt baut ein ganzes Netz aus Fahrradstraßen und geht damit einen Sonderweg. Forschungsergebnisse zu dem Verkehrsprojekt - etwa neue Entwürfe für Fahrbahnmarkierungen - fließen in künftige Planungen ein.

Wenn es um Fahrradstraßen geht, kocht in Deutschland bislang jede Kommune ihr eigenes Süppchen: Mal werden nur ein paar Markierungen geändert, mal Autos verbannt und mal sind die Fahrradstraßen Teil eines stadtweiten Mobilitätskonzeptes. Letzteres ist in Offenbach der Fall, wo mit Fördermitteln des Bundes bis 2021 nach und nach ein rund 33 Kilometer langes Netz aus Fahrradrouten entsteht.

Auf weiten Teilen dieses Netzes entstehen jedoch keine klassischen Radwege oder -streifen, sondern Fahrradstraßen: Straßen also, wo Fahrräder Vorrang vor Autos haben und – in Offenbach – nur Anlieger Auto fahren dürfen. Es gibt nicht viele Städte, die sich beim Ausbau der Radinfrastruktur für diesen Weg entscheiden. „Offenbach nimmt da eine sehr spannende Vorreiterrolle ein“, sagt Mobilitätsforscherin Annika Busch-Geertsema von der Frankfurter Goethe-Universität. Sie hat mit ihrem Team und Studierenden im Auftrag der Stadt die Einstellungen von 704 Offenbacherinnen und Offenbachern zur ersten Fahrradstraße untersucht.

„Bike Offenbach“ heißt das Fahrradstraßenkonzept der Stadt. Rund 5 Millionen Euro werden bis 2021 investiert.

Ein Netz aus Fahrradstraßen soll künftig das Offenbacher Stadtzentrum mit fast allen Stadtteilen und Neu-Isenburg verbinden. Im Fokus steht dabei auch die gute Anbindung von Schulen.

Für eine Radtour entlang der künftigen Fahrradachse Westend–Rumpenheim kann man sich noch anmelden – per E-Mail an BikeOffenbach@opg-of.de. Treffpunkt ist am 21. August ab 18 Uhr an der Endhaltestelle der Tram.

Zentrales Ergebnis: Die Menschen nehmen die 2018 zur Fahrradstraße ummarkierte Senefelderstraße zwar als solche wahr – fühlen sich dort wegen der vielen Autos aber nicht sicher. Hier kommt ein weiteres Forschungsteam ins Spiel. Eine Gruppe um Mobilitätsdesigner Peter Eckart von der Hochschule für Gestaltung (HfG) hat Markierungs- und Umbauvarianten erstellt, die den Befragten vorgelegt wurden. Die Forschenden kamen zu dem Schluss, dass eine neuartige blaue Schraffur zur Warnung vor sich öffnenden Autotüren gewünscht wird – und großflächige rote Markierungen an Kreuzungen. Beides wird an der Senefelder- und an künftigen Radstraßen realisiert.

Eckart betont die Besonderheit des Vorgehens: Zum ersten Mal sei hierzulande ein solches Forschungsprojekt unter Mitarbeit einer Kunsthochschule durchgeführt worden. Das sei sinnvoll, da Gestaltung Einfluss auf das Mobilitätsverhalten habe. Und in Bezug auf Fahrradstraßen gebe es eine „große Forschungslücke“, sagt Busch-Geertsema, die die Ergebnisse publizieren will. Der Projektmanager für das Fahrradstraßenprojekt, Ulrich Lemke, sieht Offenbach bei Konzept und Design der Radstraßen als „Trendsetter“ und glaubt, dass andere Städte dem Beispiel folgen werden.

Noch 2019 werden die Von-Behring-Straße in Bürgel und die Taunusstraße im Nordend zu Fahrradstraßen ummarkiert – dazu kommt ein neuer Radweg an der Kreuzung zur Berliner Straße, um einen Schotterparkplatz zu überwinden. An das heiße Eisen Autoparkplätze wagt sich die Stadt sonst aber nicht heran: Nur im „Einzelfall“ sei an eine Reduzierung zugunsten des Radverkehrs gedacht, stellt Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) klar. Denn das Projekt müsse von allen Seiten akzeptiert werden. Man wolle aber verstärkt Autos kontrollieren. Die HfG hatte weitreichendere Vorschläge gemacht, um die Auto-Dominanz in den Fahrradstraßen zu beenden: auch den Abbau von Parkplätzen.

Mehr Infos gibt es im Internet auf der Projektseite bikeoffenbach.de. Ein Interview mit Peter Eckart zum Thema Mobilitätsdesign gibt es hier: www.fr.de/rhein-main/offenbach/mobilitaet-zukunft-10991699.html  

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