Die Anthologie „Offenbacher Einladung“.

Offenbach

Offenbach: Lob der Vielfalt und Kontraste

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Die Anthologie „Offenbacher Einladung“ ist eine Hommage an eine Stadt mit Ecken und Kanten.

Offenbach hat einen Ruf. Leider nicht den besten. Die kleine Großstadt galt lange als schmuddelige Nachbarin von Frankfurt. Sie ist zwar multikulti. Und arm, aber nicht sexy wie Berlin. Macht nichts. Offenbach ist vielleicht nicht schön, aber kreativ und facettenreich, laut und gesellig, mit Ecken und Kanten. Dieses Bild vermittelt die Anthologie „Offenbacher Einladung“, in der 28 Autorinnen und Autoren Einblicke in „ihr“ Offenbach geben.

Ebenso wie die beiden Herausgeberinnen Katharina Eismann und Ingrid Walter sind fast alle Erzählerinnen und Erzähler „Eingeplackte“ oder Menschen, die die Stadt von Berufs wegen bestens kennen. Nur drei sind Ur-Offenbacher. Dies hat vielleicht einen unvoreingenommenen Blick auf die Stadt ermöglicht, weil die „Neuen“ weder Minderwertigkeitsgefühle gegenüber dem „großen“ Nachbarn oder alte Rivalitäten plagen.

Katharina Eismann , Mitherausgeberin, ist Lyrikerin, Autorin, Künstlerin und Mitglied im Exil-P.E.N. Privat

„Sie fühle sich wohl hier, versicherte sie ihm. Sie schätze die Vielfalt der Kulturen, das internationale Flair des Hotels, die Ehrlichkeit der Stadt und ihrer Menschen, die sich kaum hinter andernorts üblichen Fassaden versteckten“, heißt es in der Erzählung „Big Love“ von Frank Geißler, der seit der Gründung 2005 gemeinsam mit Sarah Baumann das Theater T-Raum leitet.

Die Wortschöpfer des Sammelbandes stromern am Friedrichsweiher entlang, flanieren über den Grüngürtel zum Buchrainweg, durch das Westend und den Büsingpark hin zum Aliceplatz, einem eher trostlosen Ort aus Asphalt, zu dem sich Francisco Cienfuegos, Sohn spanischer Gastarbeiter, dennoch poetisch inspirieren ließ. Er wundert sich zwar, warum dieser Platz Alice heißt. „Denn er hat so wenig von Alice/Er schmeckt nicht danach.“ Also erfindet er Alice für sich, „an diesem Platz und nicht im Wunderland“. Das passt, findet Cienfuegos. Denn dieser Platz sei wie Alice, „schnörkellos/offen“.

Der Verlag

Der Größenwahn-Verlagwurde 2009 in Frankfurt gegründet. Seinen Namen verdankt er dem bekannten, gleichnamigen Café, in dem Verleger Sewastos Sampsounis Mitinhaber ist. Pro Jahr erscheinen rund 20 neue Bücher.

Seit Jahresanfanggehört der Verlag zu Bedey Media. Durch die Übernahme sollen die Sparten Lyrik, queere Literatur und Migrationsgeschichten ausgebaut werden. Sampsounis ist weiter für den Verlag und das Programm verantwortlich. ags

Die Verfasserinnen und Verfasser haben sich von geliebten oder gehassten Orten, Straßen und Plätzen zu Erzählungen und Gedichten anregen lassen. Bernhard Bauser, gebürtiger Kölner, verlor seinen Humor auch dann nicht, als er viel Zeit in einem markanten Offenbacher Hochhaus verbrachte, „wie ich es mir hässlicher kaum vorstellen könnte“. Liebevoll spricht er vom „das Breitmaulnashorn auf der Berliner Straße“.

Die stilisierte „Flamme“ des Künstlers Bernd Rosenheim zur Erinnerung an die Pogromnacht weckte bei Mona Phoenics poetische Assoziationen an „ein Herz aus Stahl“ mit Lamellen im Innern des Mahnmals „für die Aufrechten dieser Stadt“. Drei Museumsleiter berichten von Lieblingsstücken in ihren Häusern.

Die „Offenbacher Einladung“ sei eine Reise in die „Eingeweide“ der Stadt. In den Texten spüre man den Freigeist, der in Offenbach lebendig und dafür verantwortlich sei, „dass sich die Stadt nicht in irgendein Korsett zwängen lässt“, meint Herausgeberin Walter. Ihre Mitstreiterin Eismann, in Rumänien geboren, sagt, das Projekt habe sie mit Offenbach „beheimatet“.

Ingrid Walter, Mitherausgeberin, ist Texterin, PR-Fachfrau, Journalistin und Autorin.

Dass die Beschäftigung mit Hausnummern spannend sein kann, beweist der Leiter des Offenbacher Jobcenters, Matthias Schulze-Böing. Seine erste Wohnung lag am Buchrainweg. Der Vermieter hatte ihn vom Vorzug der Unterkunft im dritten Stock überzeugt. Hier könne man „den Millionären auf den Kopf schauen“. Das war zwar übertrieben, aber die Aussicht nett. Das Besondere am Buchrainweg war der erste Abschnitt. Dort befanden sich auf der rechten Seite mit den ungeraden Nummern villenartige Gebäude, auf der linken eher einfache Häuser. Schulze-Böing wohnte damals übrigens auf der linken Seite.

Ihm gefiel’s dort, auch weil sich „Arm und Reich nicht voneinander abwenden, sondern ins Fenster schauen“. Das sei Ausdruck der Sozialstruktur mit einer sehr „offenbacherischen“ Brechung. Statt für Segregation stehe der Buchrainweg für eine „Mischung der sozialen Kreise“.

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