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Über 300 Bäume sind im Rumpenheimer Schlosspark vertrocknet oder krank und müssen gefällt werden.  

Offenbach

So viel vertrocknetes Grün wie noch nie

Der Offenbacher Stadtservice fällt in diesem Jahr 800 Bäume - pflanzt aber nur 200 neue Bäume nach. Neue Sorten sollen dem Klimawandel standhalten.

Beim Offenbacher Stadtservice ESO existiert eine Karte des Rumpenheimer Schlossparks, auf dem 310 der 1 500 Bäume dort blau markiert sind. Viele dieser Bäume sind tot. Alle sind todgeweiht: Denn der Stadtservice wird die markierten Bäume fällen oder fällen lassen. Der Schlosspark bleibt deshalb mindestens bis Ende des Monats geschlossen.

Zwar haben die Bäume besonders unter der Trockenheit der vergangenen beiden Sommer gelitten, weil der Park auf einer aufgeschütteten Fläche angelegt wurde. Doch ist das Problem umfassender: Etwa 800 von den 30.000 auf öffentlichen Flächen stehenden Offenbacher Bäumen müssen gefällt werden. „Noch nie sind in der Stadt so viele Bäume verdurstet wie im diesjährigen Sommer“, so der Stadtservice.

Die 200 Bäume, die in diesem Jahr in Offenbach neu gepflanzt werden, ersetzen laut Angaben der Stadt ausschließlich Bäume an Straßen. Für die vielen nötigen Nachpflanzungen im Rumpenheimer Schlosspark muss hingegen erst noch ein Konzept erarbeitet werden. Damit sich die neuen Arten in die Gesamtanlage des Parks einfügen.fab

Ein Problem ist dabei, dass nicht genug Bäume nachgepflanzt werden. Laut Johannes Irgel, bei der ESO für Grünwesen und Straßenreinigung zuständig, wurden bislang in Offenbach jedes Jahr 100 Bäume nachgepflanzt. In diesem Jahr werden es doppelt so viele sein, 100.000 Euro wurden dafür zurückgestellt. Doch reicht das nicht aus: Viele Bäume können mit den vorhandenen Mitteln nicht nachgepflanzt werden. „Da gibt es definitiv eine Kluft“, bestätigt Irgel. Immerhin: Auch in den kommenden Jahren sollen statt 100 Bäume 200 nachgepflanzt werden. Ein weiteres Problem sind die Baumarten: Manche heimische Arten halten die trockenen Sommer, von denen infolge des Klimawandels künftig noch mehr zu erwarten sind, nicht aus. Einige Sorten sind durch die Trockenheit besonders anfällig für Schädlinge.

Offenbach setzt deshalb, wie andere Städte auch, mit denen der Stadtservice im Austausch steht, auf wärmetolerantere Baumarten. Etwa die Ungarische Eiche, die in den trockenen Gegenden Südosteuropas und Süditaliens beheimatet ist. Davon würden ab November einige gepflanzt, bestätigt Irgel – wohlwissend, dass es wegen der vielen Bestellungen bei den Baumschulen bei manchen Sorten Engpässe gibt. Geplant sind auch Neupflanzungen von Amberbäumen, Silberlinden und Zürgelbäumen – um nur einige zu nennen. In einer Platanenallee aber werde man aus Gründen des Stadtbildes auch Platanen nachpflanzen, erklärt Irgel – Platanen halten Trockenheit und Hitze aber auch gut aus.

Laut der Leiterin des Offenbacher Umweltamts, Heike Hollerbach, ist eine „Durchmischung“ der Stadt mit vielen Arten angestrebt. Um die Biodiversität zu erhöhen und Bodenverdichtung vorzubeugen, würden auch zusätzliche Stauden unter Bäume am Straßenrand gepflanzt – rund 55 000 Euro kostet das. Auch soll ein zweiter Lastwagen zur Bewässerung angeschafft werden, um die Jungbäume im nächsten Sommer am Leben zu halten.

Von Fabian Scheuermann

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