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Rückansicht des Toys’R’Us-Gebäudes: Der sogenannte „Feldherrenhügel“ darf bebaut werden.

Stadtentwicklung

Stillstand bei Offenbacher Toys’R’Us-Komplex

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Der Abriss des Gebäudes in Offenbach lässt auf sich warten. Nach der Pleite läuft die Suche nach einem neuen Ankermieter.

Eines der wichtigsten städtebaulichen Projekte in Offenbach verzögert sich: Das aus den 70er Jahren stammende Toys’R’Us-Gebäude an der Berliner Straße, ein hässlicher Betonklotz mit 130 Meter langem Parkhaus, sollte ansehnlichen Neubauten mit Läden, Büros, einer Kita, 162 Wohnungen und einem von außen nicht sichtbaren Parkhaus weichen.

Der frühere Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) hatte 2017 bei der Vorstellung der Pläne von einem „großen Wurf für die Innenstadt“ gesprochen. Für das damals mit 80 bis 100 Millionen Euro veranschlagte Projekt hatte der Investor Michael Dietrich den Frankfurter Architekten Christoph Mäckler gewinnen können. Die Lokalzeitung hatte schon 2016 das Ende einer „städtebaulichen Sünde“ bejubelt und einen Abriss für Mitte 2017 in Aussicht gestellt.

Doch bislang sind keine Bagger zu sehen. Und daran sind nicht die Fledermäuse schuld, die im und um das Parkhaus nachgewiesen wurden. Die Tiere und ihre Quartiere stehen unter Schutz. Ein Abriss sollte deshalb ursprünglich nur von Anfang März bis Anfang April oder September bis Oktober möglich sein. Wie Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) mitteilte, konnte der Investor jedoch für die bedrohte Tierart Ersatzplätze schaffen; er dürfe jetzt jederzeit abreißen.

Dennoch tut sich nichts auf dem zentral gelegenen Areal, obwohl die letzten Billigläden das Haus längst verlassen haben. Grund für die aktuelle Verzögerung sind Umplanungen, um die Dietrich gebeten hat. Denn ihm ist nach der Pleite von Toys’R’Us der Ankermieter verlorengegangen. Das Unternehmen sollte auch in dem Neubau auf 1900 Quadratmetern zuzüglich Lagerfläche Platz finden. In dem zweiten Neubaugebäude ist die Nutzung im Erd- und Obergeschoss wohl ebenfalls unklar, wie dem Bebauungsplan zu entnehmen ist.

Offenbach: Suche nach möglichen Mietern gestaltet sich schwierig

Die Frage der Nutzung und die Suche nach möglichen Mietern ist einer der Gründe, weshalb das Projekt ins Stocken geraten ist. Hinzu kommt, dass im Innern der Gebäude die Wegebeziehungen wohl teilweise neu geordnet werden müssen. In den Komplex mit seinem nach innen verlegten Parkhaus und der Tiefgarage sind unter anderem eine Kita, ein Fahrradparkhaus im Untergeschoss, Läden und Büros und ein 14-geschossiges Wohnhochhaus vorgesehen. Außerdem ist noch der Zugang zur S-Bahn-Station zu integrieren und auf die Berliner Straße zu führen.

Die Verzögerung verhinderte bislang eine Abstimmung der Stadtverordneten über den Satzungsbeschluss für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan. „Es macht keinen Sinn, etwas zu beschließen, was doch wieder geändert werden muss“, so Weiß. Dietrich bestätigte, „dass wir am Evaluieren von Alternativen für Toys’R’Us sind“. Man sei aber auch mit dem neuen Besitzer Smyths Toys im Gespräch.

Dietrich und sein Geschäftspartner Uwe Reichel hatten den Gewerbe- und Parkhauskomplex Mitte 2016 dem Immobilienvermarkter Publity abgekauft, der Preis ist nicht bekannt. Das Toys’R’Us-Gebäude war einst im Erbbaurecht errichtet worden. Die Investoren wollen das Grundstück erwerben, haben dies aber nach Angaben des Planungsdezernenten bislang noch nicht getan,

Mit 80 bis 100 Millionen Euro sei das Projekt „knapp kalkuliert“, meinte ein Insider. Ob sich durch die Verzögerungen Kostensteigerungen ergeben, ließ Dietrich offen. Klar ist aber, dass das Neubauvorhaben komplex und architektonisch anspruchsvoll ist. Das Areal liegt in einem Bombenabwurfgebiet, eine Luftbildauswertung wies auf noch vorhandene Blindgänger hin. Es liegt im potenziellen Überschwemmungsgebiet eines Extremhochwassers und teilweise auch eines 100-jährigen Hochwasserereignisses.

Weil die Stadt von den Neubauten eine enorme Aufwertung und ein positives Image für die Innenstadt erwartet, ist sie den Investoren bei der Ausnutzung des Grundstücks mit einer Geschossflächenzahl (GFZ) von 5,7 entgegengekommen.

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