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In dieser Siedlung regt sich Widerstand gegen ein neues Baugebiet. 

Offenbach

Offenbach: Stadtplanung will mit Baugebietsgegnern diskutieren

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Der Offenbacher Planungsdezernent verspricht im Streit um ein neues Baugebiet in Bieber-Waldhof einen intensiveren Dialog mit Anwohnerinnen und Anwohnern.

Die Schutzbaumstraße trennt die 70er-Jahre-Siedlung Waldhof grob gesagt in zwei Teile: einen östlichen, von Wohnhochhäusern, Parkplätzen und Lagerhallen geprägten – und einen westlichen Teil mit Einfamilien- und Reihenhäusern direkt am Feldrand. Seit die Planungen der Stadt Offenbach, auf diesen Feldern ein neues Quartier mit rund 600 Wohnungen bauen zu wollen, konkreter werden, formiert sich unter den Anwohnerinnen und Anwohnern Protest: Sie haben eine Bürgerinitiative und jüngst einen Verein gegründet, um den Bau von „Waldhof-West“ zu verhindern. Zur Not mit Klagen. Um die Wogen zu glätten, will die Stadt im Sommer einen mehrteiligen Bürgerdialog zu dem Baugebiet veranstalten. Das kündigte Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) im Gespräch mit der FR an.

In der Dialogreihe sollen nach und nach verschiedene thematische Schwerpunkte diskutiert werden. Zum Beispiel der Schutz bestehender Grünflächen im künftigen Quartier. „Waldhof-West“ soll mit Blick auf den Übergang von bebauten zu unbebauten Bereichen nämlich zum Modellviertel werden. Die Ergebnisse eines städtebaulichen und landschaftsplanerischen Ideenwettbewerbs vom Herbst deuten darauf hin, dass das gelingen könnte: Im – nicht verbindlichen – Gewinnerentwurf des Düsseldorfer Büros „Rheinflügel Severin“ ragen die Neubauten wie Finger in die Grünflächen hinein. So gelinge eine „Verzahnung mit der Landschaft“, schreiben die Planenden. Tatsächlich soll der deutlich größere Teil des Areals nicht bebaut werden, sondern Platz für Frei- und Grünflächen bieten.

Der BI „Natürlich-Bieber-Waldhof“ geht das nicht weit genug: Laut Sprecherin Andrea Rupp will sie verhindern, dass „eines der letzten Kaltluftentstehungsgebiete“ der Stadt einer Bebauung zum Opfer falle. Offenbach sei „voll“ und könne nicht mehr baulich erweitert werden. Tatsächlich heißt es in einer Erklärung zur Klimafunktionskarte der Stadt, Frisch- und Kaltluftentstehungsgebiete wie jenes bei Waldhof sollten „grundsätzlich von jeglicher Bebauung freigehalten werden“. Im regionalen Flächennutzungsplan indes ist das Areal schon lange als Baugebiet ausgewiesen.

Informieren

Nähere Informationen zum Baugebiet„Waldhof-West“ hat die Stadt im Internet gebündelt zusammengestellt – unter anderem eine Präsentation zum Ideenwettbewerb sowie einen Lageplan. Aufrufen kann die Seite, wer folgenden Link eintippt: bit.ly/2U6tEHJ.

Auch die Bürgerinitiative„Natürlich-Bieber-Waldhof“ hat jetzt einen Internetauftritt: www.natuerlich-bieber-waldhof.de

Planungsdezernent Weiß kritisiert das Festhalten der BI-Mitglieder an einem totalen Planungsstopp: Es sei schwierig, einen konstruktiven Dialog zu führen, „wenn man eine Bebauung dort grundsätzlich ablehnt“. Deshalb richte sich das Dialogangebot der Stadt „vor allem an Leute, die an der Planung mitwirken wollen“, erläutert Weiß. An Leute wie den ehemaligen Offenbacher SPD-Oberbürgermeister Wolfgang Reuter also, der auch im Westen des bestehenden Waldhof-Viertels lebt. Reuter begrüßt das städtische Dialogangebot und hofft, im weiteren Verfahren noch möglichst viel in puncto Naturschutz herausholen zu können. Den Standpunkt der BI, man solle in Offenbach gar kein neues Baugebiet jenseits der vorhandenen Siedlungsstrukturen mehr ausweisen, halte er angesichts des hohen Wohnungsbedarfs in der Region für „ein bisschen egoistisch“.

Baudezernent Weiß betont, auch bei der weiteren Planung werde man viel Wert darauf legen, das Mikroklima durch das neue Viertel möglichst wenig zu belasten. „Darauf muss ein starkes Augenmerk gelegt werden“, sagt er. Deshalb sei auch ein Landschaftsplaner Teil der Jury gewesen, deren Mitglieder die Wettbewerbsergebnisse zu „Waldhof-West“ beurteilt haben.

Die Bürgerinitiative „Natürlich-Bieber-Waldhof“ plant indes in nächster Zeit mehrere eigene Veranstaltungen. Unter anderem will sie Flyer auch in der Innenstadt verteilen und am Fastnachtsumzug im Stadtteil Bieber am 22. Februar teilnehmen.

Zudem sei beabsichtigt, im Frühjahr die Fraktionen aus dem Rathaus nach Waldhof einzuladen, über die zu bebauenden Felder zu führen und dabei über „Waldhof-West“ zu diskutieren. Rund 200 Mitglieder hat die BI derzeit laut Andrea Rupp – etwa 50 davon seien aktiv an der Arbeit der Gruppe beteiligt.

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