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Schnell weg: Auf dem Marktplatz, der eher einer Straße gleicht, hält sich kaum jemand gerne auf. 

Offenbach

Offenbach: Stadtparlament bringt Marktplatzumbau auf den Weg

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Die Koalition hat eine kleinere Umbau-Variante beschlossen. Auch stimmten die Stadtverordneten für die Bebauung des benachbarten Toys’R’Us-Areals.

Einen kurzen Moment lang klingt Oliver Stirböck am Donnerstag etwas angenervt, ja sogar wütend. Plötzlich poltert der meist blendend gelaunte FDP-Stadtverordnete im Offenbacher Stadtparlament in Richtung Opposition: „Das ist ein guter Tag für die Stadt, den wir uns nicht schlechtreden lassen sollten!“ Es geht um den Marktplatzumbau, der nun doch kommt. In einer abgespeckten Version. Die Koalition aus CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern brachte am Donnerstag einen entsprechenden Antrag durch. Die Sozialdemokraten aber, die unter Ex-OB Horst Schneider einmal treibende Kraft des großen Umbauvorhabens waren, stimmten gegen das Großprojekt im Herzen der Stadt.

Stirböcks Ausruf vorangegangen war eine harte Abrechnung der Sozialdemokratin Ulla Peppler mit der aktuellen, kleiner ausgefalleneren Umbauplanung: „Die unendliche traurige Geschichte des Platzes“, sagte die Stadtverordnete, werde nun wohl „weitergehen“. Zum einen sei die ursprüngliche Idee, sowohl Autos als auch Busse von dem Platz zu verbannen, schon seit der Kommunalwahl 2016 und dem damit einhergehenden Machtverlust der SPD vom Tisch – die Pläne wurden daraufhin geändert. Zum anderen sollten auf dem hässlichen als Busknotenpunkt genutzten und an eine Durchfahrtsstraße erinnernden Platz am Ende der Frankfurter Straße schon lange die Bagger rollen. Doch eine Steigerung der zu erwartenden Kosten von 5,1 auf 8,5 Millionen Euro führte 2018 dazu, dass Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) das Projekt kurz vor Baubeginn stoppte.

Die nun beschlossene Planung sieht so aus: Für 5,4 Millionen Euro soll auf Basis der bestehenden Entwürfe eine Variante umgesetzt werden, die nur noch den Kernbereich des Marktplatzes zwischen Frankfurter Straße und Geleitsstraße umfasst und sich nicht mehr bis in die Bieberer Straße hinein erstreckt. Um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen, erhalten Fußgängerinnen und Fußgänger etwas mehr Platz. Die Oberflächen werden barrierefrei und Radler dürfen künftig auf einem Teilstück der „Tempo 20“-Zone in beide Richtungen fahren. Eine Haltestelle erhält zudem ein Stahldach, das an ineinander verschränkte Baumkronen erinnern soll.

Es ist vor allem die Verkleinerung des Projektgebiets, die der Fraktionsvorsitzende der SPD, Martin Wilhelm, kritisiert. Denn einen „Brückenschlag“ zwischen der kränkelnden Fußgängerzone und dem beliebten Wilhelmsplatz – ein Hauptziel des Vorhabens – erhalte man mit der abgespeckten Version nicht. „Das ist schade für die Stadt“, so Wilhelm. Und ziemlich teuer. Auch für die Anlieger, die rund ein Fünftel der Gesamtkosten tragen sollen. Beginn der zweijährigen Bauarbeiten könnte im Herbst 2020 sein – wegen weiterer Großvorhaben im Umfeld will die Stadt die Bauarbeiten auf zehn Bauphasen aufteilen.

Während die Beurteilung des Marktplatzumbaus unter den Stadtverordneten sehr ambivalent ausfällt, gab es am Donnerstag für ein weiteres Großprojekt in der Nähe deutlich mehr Rückenwind: Mit großer Mehrheit stimmte das Parlament für einen neuen Bebauungsplan, der auf dem Toys’R’Us-Areal gelten wird – jenem riesigen Grundstück an der Berliner Straße, wo sich derzeit noch ein Betonparkhaus mit leeren Geschäften befindet sowie der bekannte „Offenbach“-Schriftzug – beides soll verschwinden.

Investor Michael Dietrich will auf dem Gelände in mehreren Bauabschnitten ein siebengeschossiges Wohn- und Geschäftshaus und einen 18-geschossigen Turm errichten. Teile des Parkhauses werden saniert und um Fahrradparkplätze erweitert, aufs Dach kommt eine Kita. Die ursprünglichen Pläne des Frankfurter Architekten Christoph Mäckler sind passé, stattdessen kommt das Hamburger Büro Tchoban Voss zum Zug, das mit graubeigem Klinker und Glas plant.

Im ersten Bauabschnitt im Westen des Areals entstehen neben Läden, Gastronomie und Gewerbeflächen auch 51 Wohnungen und 54 Mikroapartments. Die Fraktionsvorsitzende der Linken, Elke Kreiß, kritisierte, dass es keine geförderte Wohnung geben wird. Mit Sozialwohnungen hätte sich der Bau für den Investor „nicht getragen“, entgegnete Sybille Schumann von den Grünen.

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