Über 500 Menschen haben in Offenbach kein dauerhaftes Dach über dem Kopf.  
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Über 500 Menschen haben in Offenbach kein dauerhaftes Dach über dem Kopf.  Müller

Offenbach

Offenbach: Stadt schafft wegen hoher Nachfrage mehr Platz in Notunterkünften

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
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Die Stadt Offenbach will noch in diesem Jahr zwei neue Wohnheime für Wohnungslose eröffnen. Doch auch mit den 90 neuen Betten reichen die Kapazitäten nicht aus.  

Bis Ende des Jahres sollen in Offenbach zwei neue Gemeinschaftsunterkünfte eröffnet werden, die 90 Menschen ohne Wohnung Übernachtungsmöglichkeiten bieten. Das bestätigte Ralf Theisen, Referent für Soziale Stadtentwicklung und Sozialplanung im Offenbacher Amt für Arbeitsförderung, Statistik und Integration, auf Nachfrage der Frankfurter Rundschau. Eigentlich war die Eröffnung der Unterkünfte schon im letzten Jahr geplant – es gab aber Verzögerungen im Genehmigungsverfahren.

Mit den neuen Unterkünften will die Stadt die Abhängigkeit von angemieteten einfachen Hotels verringern, in denen viele Wohnungslose in Offenbach mangels ausreichender Wohnheimkapazitäten untergebracht werden müssen. Zuletzt waren 2017 60 neue Plätze in Gemeinschaftsunterkünften geschaffen worden. 2019 gab es rund 260 Wohnheimplätze – im Schnitt benötigten in Offenbach aber über 500 Menschen eine Unterkunft. Daher ist abzusehen, dass auch nach der Eröffnung der neuen Wohnheime weiter Menschen in Hotels untergebracht werden müssen. Die Zahlen steigen von Jahr zu Jahr, zuletzt hat sich der Anstieg etwas abgeflacht.

„Ordentlich, aber auf einfachem Standard“

Dazu, wo sich die neuen Unterkünfte befinden, könne man aus „Gründen des Datenschutzes und der Geheimhaltung“ keine Auskunft erteilen, so Theisen. Die Menschen sollen „ordentlich, aber auf einfachem Standard“ untergebracht werden, so der Leiter des kommunalen Offenbacher Jobcenters Mainarbeit, Matthias Schulze-Böing.

Vor allem die Unterbringung in Hotels ist für die Stadt teuer: Die Aufwendungen für alle Unterbringungen – Hotels und Wohnheime – erhöhten sich von 2018 auf 2019 um rund 100 000 Euro auf 3,3 Millionen Euro.

Vor allem in Hotels notuntergebrachte Familien werden „intensiv bei der Wohnungssuche unterstützt“, heißt es bei der Mainarbeit. Die Beratungen führt die damit beauftragte Beratungsstelle Carijob der Caritas durch. Doch die Vermittlung scheint angesichts des angespannten Wohnungsmarkts immer schwieriger zu werden: Während Carijob 2017 noch 49 Bedarfsgemeinschaften neuen Wohnraum vermitteln konnte, waren es 2018 32 und 2019 nur 26. In einem Bericht der Mainarbeit heißt es dazu: „Häufig verhindern Schufa-Einträge die Anmietung einer Wohnung. Besonders für Großfamilien, alleinerziehende Mütter und Väter ist es in Offenbach nicht einfach, ausreichend großen Wohnraum zu finden.“ Nicht selten müssten Familien daher „zunächst von der Notwendigkeit überzeugt werden, Offenbach zu verlassen“.

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