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Die Trauerhalle auf dem Neuen Friedhof wurde mit Glasarbeiten von Bernd Rosenheim gestaltet.

Offenbach

SPD fürchtet höhere Gebühren für Trauerfeiern

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Überlegungen zum Abriss der Trauerhalle verärgern Künstler Bernd Rosenheim.

Drohen den Offenbachern bald für Trauerfeiern auf dem Neuen Friedhof höhere Gebühren? Zumindest die SPD befürchtet das. Hintergrund sind die vom Eigenbetrieb ESO in einem Arbeitskreis vorgestellten Pläne zum Abriss und Neubau von Gebäuden auf dem Friedhof, darunter auch der Trauerhalle. Um die Kosten von rund 4,6 Millionen Euro auszugleichen, sollen nach SPD-Informationen die Nutzungsgebühren deutlich steigen: Statt 194 Euro würden dann für eine halbstündige Nutzung der neugebauten Trauerhalle 250 Euro fällig.

Während die SPD für die Sitzung der Stadtverordneten am Donnerstag einen Antrag einbrachte, um den Abriss und die Gebührenerhöhung zu verhindern, betont Stadtsprecher Fabian El-Cheikh, dass sich die Überlegungen noch in einem frühen Stadium befänden. Anders als von der SPD befürchtet, können weder ESO noch der Magistrat den Abriss eigenhändig anordnen, ein Beschluss der Stadtverordneten sei dafür notwendig. Dass der Bauantrag für Abriss und Neubau bereits für diesen August vorgesehen wäre, wie es in einer SPD-Mitteilung heißt, sei unrealistisch, da für die letzte Sitzung der Stadtverordneten vor der Sommerpause kein entsprechender Antrag von der Viererkoalition vorbereitet sei.

Eine Begehung des Friedhofs durch die Stadtverordneten Anfang April habe ergeben, dass sich die Wirtschaftsgebäude in einem schlechten Zustand befänden und dringend saniert werden müssten, sagt Ulla Peppler von der SPD-Fraktion. „Die Trauerhalle sieht aber augenscheinlich gut aus und könnte erhalten werden“, sagt sie. Aus der Stadt heißt es, dass eine Sanierung unwirtschaftlich sei, genaue Zahlen sollen am heutigen Mittwoch präsentiert werden. Peppler ärgert auch, dass der Künstler Bernd Rosenheim, der 1967/68 die Fenster für die Trauerhalle entwarf, nicht in die Überlegungen der Stadt einbezogen wurde. „Die Trauerhalle ist als Gesamtkunstwerk zu sehen – damals hat die Stadt noch viel Geld in die Hand genommen, um Kunst an öffentlichen Gebäuden zu schaffen“, sagt sie.

Der Künstler, der sich momentan im Tessin aufhält, war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Allerdings hatte Rosenheim zuvor in einem offenen Brief mit juristischen Konsequenzen gedroht, sollte die Halle abgerissen werden. Das plastisch gestaltete Portal mit den Glasfenstern bezeichnet er als eines seiner Hauptwerke. Zudem sei die Planung angesichts der Finanzlage der Stadt ein „Schlag ins Gesicht des Steuerzahlers“, schreibt er.

Dass Rosenheim die Abriss-Überlegungen nicht kalt lassen, hätte man bei der Stadt wissen können: Vor exakt zehn Jahren gab es in Dreieich eine ähnliche Situation, als dort Rosenheims „Schneckenbrunnen“ statt einer Sanierung abgerissen werden sollte. Der Künstler drohte mit Widerstand, eine Bürgerinitiative wurde aktiv – der Brunnen musste dann entgegen aller Sparpläne der Stadt doch saniert werden.

Bei der Stadt ist man um Schadensbegrenzung bemüht: Nach aktuellem Planungsstand sollen die Rosenheim-Fenster ausgebaut und eingelagert werden, denkmalgeschützt sei die Halle nicht. Allerdings bleibt das Problem, dass durch Abriss und Neubau für die seit vielen Jahren nicht sanierten Gebäude für die Bürger Kosten entstehen. Wie die Stadt diese auffangen will und ob sich eine Gebührenerhöhung vermeiden lässt, bleibt eine Herausforderung.

Bernd Rosenheim

Bernd Günther Rosenheim wurde am 11. September 1931 in Offenbach geboren und studierte unter anderem Illustration, Glasmalerei und Kunsterziehung.

1993 gründete er die „Bernd und Gisela Rosenheim-Stiftung“ zur Förderung der zeitgenössischen bildenden Kunst. Alle zwei Jahre wird ein mit 5000 Euro dotierte Kunstpreis verliehen.

Sein Museum in der Villa Jäger im Dreieichpark bestand lediglich von 2008 bis 2011, dann musste es aus finanziellen Gründen schließen.

Zu seinen Werken in der Region zählen etwa die „Flamme“ vor dem Offenbacher Rathaus, der „Phönix“ am DBV-Winterthur-Gelände (ehemals vor dem Hauptpostamt) oder der „Schneckenbrunnen“ in Dreieich-Buchschlag. som

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