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Die alten Läden in der B-Ebene am Marktplatz sind seit Anfang des Jahres weg: Wo bisher Simits verkauft wurden, gibt es bald Brezeln.  

Offenbach

Offenbach: Sesamringe machen Platz für Brezeln

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Projekt „Zukunftsbahnhof“ in Offenbach: Filialisten ersetzen in der S-Bahn-Station Marktplatz die migrantischen Geschäftstreibenden.

Ditsch du Snitch, wo sind meine Simits?“, hat jemand auf die Glasscheibe eines im Umbau befindlichen Ladens in der S-Bahn-Station Offenbach-Marktplatz gesprüht. Der Satz, der die Bahnfahrenden in der B-Ebene von Offenbachs meistfrequentiertem S-Bahn-Halt begrüßt, ist als Anklage gegen die gefühlte Konformität deutscher Bahnhöfe zu verstehen. 

Denn wo in Offenbach jahrzehntelang migrantische Geschäftstreibende ihre – im Vergleich zu anderen Bahnhöfen – recht individuellen Waren anboten, gibt es bald wohl das, was man überall bekommt. Statt Simits – türkische Sesamringe – Brezeln, welche die Bäckereikette Ditsch künftig an der Marktplatz-Station verkaufen wird. Und in dem Minisupermarkt, wo Asjad Hussain Shah seit 1995 bis spät in die Nacht hinein für die Hungrigen pakistanische Gemüsetaschen aufgewärmt hat, entsteht ein „Service Store“ der Deutschen Bahn – so wie man sie bereits an mehr als 150 anderen Bahnhöfen im Land findet. „Snitch“ ist übrigens Englisch und bedeutet so etwas wie stibitzen.

Bahn: Änderungen gewünscht

Bei der Bahn heißt es, diese Änderungen seien von den Nutzerinnen und Nutzern gewünscht: „Wir wollen das Einkaufsangebot am Bahnhof attraktiver gestalten, da sich viele Menschen vor Ort hochwertigere Einkaufsmöglichkeiten wünschen.“ Die Läden sollen laut einer Sprecherin, so Corona will, im Sommer öffnen.

Der Austausch der Läden in der B-Ebene am Marktplatz ist Teil dessen, was die Deutsche Bahn als Umbau hin zum „Zukunftsbahnhof“ bezeichnet. An bundesweit 16 Stationen sollen unter diesem Titel neue Nutzungskonzepte und Gestaltungselemente ausprobiert werden. Ziel des Projekts ist es laut Bahn, bis Ende 2020 „herauszufinden, welche Konzepte, Maßnahmen und Angebote an den unterschiedlichen Bahnhofstypen umsetzbar sind und angenommen werden“. Was gut ankommt, soll künftig auch an anderen Bahnhöfen realisiert werden.

Offenbach-Marktplatz ist unter den ausgewählten Halten die einzige S-Bahn-Station, 500 000 Euro werden dort investiert. Ähnliche Umbauten sind in Hofheim am Taunus geplant, wo ebenfalls zusätzliches Geld in den Bahnhof und sein direktes Umfeld fließt.

Kostenloses WLAN

Wie weit ist die Bahn in Offenbach mit dem Umbau zum Vorzeigehalt? Laut einer Sprecherin wurden gerade Grundreinigungsarbeiten durchgeführt – unter anderem an den Lichtbändern, den Treppen und am Bahnsteig. Moderne Sitz- und Anlehnmöbel, die die Bahn in der Station ausprobieren will, seien bestellt. Zudem werde gerade an den Stromanschlüssen gearbeitet, da auch die Beleuchtung der Station modernisiert wird. Viel ist also noch nicht zu sehen. Doch die Bahnsprecherin versichert: „Im Hintergrund geht es voran“. Bald soll in der Station auch kostenloses WLAN angeboten werden.

Bei der Stadt Offenbach freut man sich indes darüber, dass die „Zukunftsbahnhof“-Initiative vermutlich Entwicklungen beschleunige, die sonst deutlich länger dauern würden. Immerhin ist die Station am Marktplatz für viele Menschen das Erste, was sie von der Stadt Offenbach sehen: Rund 36 000 Menschen frequentieren den Halt jeden Tag. Auf Twitter indes gibt es zu dem Umbau der Station auch augenzwinkernd-kritische Kommentare. Zum Beispiel diesen hier: „Alle wären ja schon zufrieden gewesen, wenn die Rolltreppen nach zwei Wochen instand gesetzt werden.“ Auch darauf gibt es bei der Bahn eine Antwort: „Unser Wartungs- und Reparaturteam ist hierfür rund um die Uhr im Einsatz. Ein Unterschied zwischen den einzelnen Anlagen wird hierbei nicht gemacht. Die Offenbacher Fahrtreppen werden genauso schnell angefahren, wie die Frankfurter.“

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