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Martina Chane wird bei der Rettung von Gänsen oft behindert.

Offenbach

Offenbach: Schwierige Gänserettung

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Das Offenbacher Ordnungsamt verbietet der Tierschützerin Martina Chane das Anlocken verletzter Vögel mit Futter. Sie gerät regelmäßig mit Gänsehassern aneinander.

Martina Chane ist verzweifelt: Ein Jahr lang durfte die Tierschützerin aus Frankfurt im Offenbacher Stadtgebiet kranke Wasservögel mit Essen anlocken, um sie dann einzufangen und auf eigene Kosten in eine Tierarztpraxis zu bringen. Dieses Vorgehen hat ihr das Offenbacher Ordnungsamt nun untersagt – unter Bezugnahme auf ein allgemeines Fütterungsverbot für Wasservögel und unter Androhung eines Bußgelds von bis zu 500 Euro im Fall eines Verstoßes. „Aber den Tieren nicht zu helfen“, beschwert sich Chane nun bei der FR – und ohne Anfüttern sei den Vögeln eben oft nicht zu helfen –, das sei in ihren Augen schlicht „Tierquälerei“.

Pascal Becker, kommissarischer Abteilungsleiter bei der Offenbacher Stadtpolizei, erklärt das Verbot folgendermaßen: Aus dem Anfüttern kranker Tiere, das man Chane im August letzten Jahres erlaubt habe, sei „ein Füttern der Tiere im großen Stil“ geworden. Das locke nicht nur Wasservögel, sondern auch Ratten ans Mainufer. Und es animiere Nachahmer. Deshalb habe man nun ein Verbot ausgesprochen. Ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen Chane wurde indes fallengelassen – wohl weil der Tierschützerin bisher ja eine schriftliche Erlaubnis zum Anfüttern von Offenbachs Sauberkeitsbeautragtem Christian Broos vorlag. Der sagt nun: Das Austeilen „größerer Mengen Futter“ am Mainufer stehe „im Widerspruch zu unseren Bemühungen, eine weitere Ausbreitung der Nilgänse dort einzudämmen“.

Tiernothilfe
Wer in Offenbach oder Frankfurt  verletzte Wasservögel sichtet, der oder die kann die Aktivistin Martina Chane unter projekt.oase@gmail.com oder unter der Telefonnummer 0176 / 728 123 84 informieren.

Informationen  zu Chanes Verein „Projekt Oase – Mensch und Tier im Einklang“ gibt es im Internet auf der Seite projekt-oase.com. 

Chane sagt, sie höre die Vorwürfe „zum ersten Mal“. Auch habe sie nie Personal der Stadtpolizei beim Anfüttern getroffen – es seien Passanten gewesen, die die Stadtpolizei informiert hätten – die äußerte sich bis Redaktionsschluss nicht zu diesem Punkt. Die 39-jährige Tierschützerin ist entsetzt. Der Gedanke, dass sie in Offenbach verletzten Wasservögeln kaum noch helfen dürfe, bereitet ihr Kummer. „Es geht doch um die Tiere“, sagt sie mehrfach. Und sie erwähnt, das Anfüttern in Frankfurt sei kein Problem – auch dazu lag bis Redaktionsschluss keine Bestätigung vor.

Die Tierschützerin kritisiert platte Berichterstattung

Chane ist Gründerin des Vereins „Projekt Oase – Mensch und Tier im Einklang“. Stets gehe es ihr auch um Aufklärung, betont sie. So seien die vielgeschmähten Nilgänse gar kein so großes Problem – wie oft behauptet. Der Kot der Gänse zum Beispiel sei nicht gefährlicher als der anderer Vögel – was das Offenbacher Umweltamt bestätigt. Nach Ansicht Chanes trage die oft undifferenzierte Berichterstattung mancher Medien dazu bei, dass Menschen negativ oder gewalttätig auf die Vögel und sie selbst reagierten.

Offenbach: Brutale Angriffe auf Wasservögel

Fast täglich gehen bei der Nachhilfelehrerin aus Oberrad, die im Namen des Tierschutzes viel in Offenbach und Frankfurt unterwegs ist, Anrufe von Passanten ein, die sie über verletzte Gänse, Enten oder Schwäne informieren – meist am Mainufer. Oft seien die Tiere von Menschen verletzt worden, erzählt Chane. Sie hat viele Beispiele parat: Von Enten, deren Beine von Jugendlichen zusammengebunden wurden. Von Schwänen, in deren Rachen Angelhaken stecken. Von Nilgänsen, die von Passanten heftig getreten oder mit Steinen beworfen wurden. Oft bringt Chane solche Fälle zur Anzeige. Auch jenen Fall, bei dem sie kürzlich ein Rentner in Offenbach mit Gewalt am Anfüttern eines kranken Schwans hindern wollte. „Der Mann wollte mich in den Main schmeißen“, erzählt Chane. Seine Frau habe dabei mit dem Handy gefilmt.

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