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Berufsschule heute: offene Lernräume statt Klassenzimmer. 

Offenbach

Offenbach: Schulfach für Erzieherinnen und Erzieher

Der Schwerpunkt Erziehungswissenschaft an beruflichen Gymnasien soll mehr Leute dazu bringen, einen Bildungsberuf zu wählen. Die Theodor-Heuss-Schule macht mit.

In manchen für viel Geld neu errichteten Kitas können nicht alle Plätze belegt werden, weil es an Erzieherinnen und Erziehern fehlt. Und niemand weiß, woher die geschätzt mehr als 100 000 neuen Grundschullehrkräfte kommen sollen, die bis Ende 2025 einer Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung zufolge bundesweit neu eingestellt werden müssten, um den Bedarf zu decken. Das sind nur zwei von vielen Beispielen, die den Fachkräftemangel im Bildungsbereich verdeutlichen. Das neue Schwerpunktfach Erziehungswissenschaft an beruflichen Gymnasien soll in Hessen ab nächstem Jahr flächendeckend dafür sorgen, dass sich mehr junge Menschen nach ihrem Abitur für eine berufliche Laufbahn im Erziehungswesen entscheiden.

Eine der Schulen, die Erziehungswissenschaft von 2020 an als Schwerpunktfach anbieten will, ist die Theodor-Heuss-Schule (THS) in Offenbach. Rund 2000 Schülerinnen und Schüler besuchen das berufliche Schulzent-rum auf dem Buchhügel, dessen gymnasialer Zweig sich bislang auf die Schwerpunkte Wirtschaft und Gesundheit konzentriert hat. Die Erziehungswissenschaften kommen nun mit dem Nebenfach Psychologie hinzu – zunächst auf eine Schulklasse beschränkt.

Information vor Ort
Einen Tag der offenen Tür veranstaltet die Offenbacher Theodor-Heuss-Schule, Buchhügelallee 86, am heutigen Freitag, 22. November. Zwischen 11 und 14 Uhr kann man an Schau- und Mitmachunterricht sowie an Führungen teilnehmen. Es wird über die Schwerpunkte Erziehungswissenschaften, Wirtschaft und Gesundheit informiert. Mehr Infos auf der Seite ths.schulen-offenbach.de.

Die Klingerschule in Frankfurt , Hermesweg 10, veranstaltet am 15. Januar 2020 ab 19 Uhr in Kooperation mit der Berta-Jourdan-Schule einen Infoabend zur neuen Fachrichtung Erziehungswissenschaft. Mehr zum Thema auf www.klingerschule.de. 

Der Leiter des beruflichen Gymnasiums an der THS, Alexander Koch, vermutet, dass es eine große Nachfrage nach dem neuen Fach und sogar Wartelisten geben wird. Obwohl für die Anmeldungen noch bis zum Frühjahr Zeit sei, habe man schon jetzt Anfragen von interessierten Schülerinnen und Schülern erhalten. Einer internen Umfrage zufolge gab rund ein Viertel derer, die an der THS Abitur machen, an, dass sie auf Lehramt studieren wollen, erzählt Koch. Man stoße mit dem neuen Schwerpunkt also „anscheinend in die richtige Richtung“. Seiner Meinung nach ist das Lehramtsstudium zudem bei denjenigen besonders beliebt, die aus nichtakademischen Familien stammen. Und das seien am Gymnasialzweig der Schule in Offenbach 80 bis 90 Prozent.

Dem hessischen Kultusministerium zufolge hat das Land 2012 an fünf Pilotschulen den „Schulversuch Pädagogik“ gestartet. 2014 kam eine weitere Schule hinzu. 2020 nehme man mit hessenweit neun weiteren beruflichen Gymnasien das Regelangebot in Erziehungswissenschaft auf. Im Rhein-Main-Gebiet sind neben der Offenbacher THS unter anderem die Klingerschule in Frankfurt und die Kaufmännische Schulen Hanau neu mit dabei, außerdem Schulen in Rüsselsheim, Usingen und Dieburg – Schulen, die bisher schon den Fachbereich Gesundheit angeboten haben. Schon seit einigen Jahren als Pilotschulen mit an Bord sind die Hofheimer Brühlwiesenschule sowie die Pädagogische Akademie Elisabethenstift in Darmstadt. Sie führen das Angebot nun weiter.

Zur Personalgewinnung hat die THS mit der benachbarten Käthe-Kollwitz-Berufsschule eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen. An dieser Fachschule für Sozialwesen gibt es Lehrkräfte, die den Unterricht der Erziehungswissenschaft übernehmen können. „Sonst hätten wir intensiv Personal suchen müssen“, sagt Horst Schade, der Schulleiter der Theodor-Heuss-Schule. Zudem sei es Wunsch der Stadt, dass die beiden Nachbarschulen verstärkt kooperieren.

Über die Grenzen Offenbachs hinaus bekannt wurde die Theodor-Heuss-Schule wegen des gemeinsamen Religionsunterrichts, der dort seit vielen Jahren praktiziert wird: Muslime, Christen, Juden und Atheisten werden gemeinsam von einem vierköpfigen Team unterrichtet, das sich beim Unterricht abwechselt – Debatten sind erwünscht.

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