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André Ploch (2. v. l.) leitet die Maker-AG, Auch Judith Schulz (rechts daneben) schafft gerne Neues. 

Offenbach

Offenbach: Schülerinnen und Schüler beraten Unternehmen

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Innovativ: Die Mitglieder einer Arbeitsgruppe der Offenbacher August-Bebel-Schule arbeiten mit 3D-Druck und Lasercutter.

Donnerstagfrüh, ein Klassenraum der August-Bebel-Schule in Offenbach. Das hartnäckige Rauschen einer Lüftung erfüllt den Unterrichtsraum. Und die Augen der Anwesenden richten sich auf ein Gerät, dessen Inneres sich unter dickem Glas plötzlich mit Rauch füllt – der aber sogleich durch ein Lüftungsrohr auf den Schulhof geblasen wird. „Das ist unser neuer Lasercutter“, erklärt Lehrer André Ploch stolz. Ein Gerät, das einen so starken Laserstrahl generiert, dass das Teile des getroffenen Materials sofort verdampfen.

Das extra aus den USA importierte, rund 3000 Euro teure hochsichere Gerät ist die jüngste Anschaffung der Maker-AG (engl. Macher) an der August-Bebel-Berufsschule. Diese Arbeitsgruppe besteht aus 18 Schülerinnen und Schülern, die sich einmal pro Woche nachmittags treffen, um mit modernster Technik Dinge zu erschaffen: Mal unter Anleitung des AG-Leiters Ploch oder anderer Lehrer – mal ziemlich selbstbestimmt.

Die „Maker“ erstellen zum Beispiel mit 3D-Druckern Ersatzteile für den Physikunterricht. Gerade fertig geworden sind funktionsfähige Radios, deren Vorderseiten mit Hilfe des Lasercutters ein 50er-Jahre-Retro-Design verliehen bekommen haben. Und für die Kinder umliegender Kitas haben die Berufsschülerinnen und -schüler ein Ausmalbuch entworfen – auf die Rückseiten benutzter Seiten gedruckt und mit Holzleim gebunden.

Die „Maker“-Szene

Maker(Englisch für „Macher“) sind Leute, die Objekte konstruieren oder vorhandene Sachen umbauen oder upcyceln. Dabei kommt oft die neueste Technik zum Einsatz, etwa 3D-Drucker.

Allerortenentstehen „Makerspaces“, wo sich Maker treffen, um gemeinsam zu basteln und an – technisch oft anspruchsvollen – Problemlösugen zu arbeiten. In Offenbach gibt es das Commons-Café (commonscafe.de).

Mehr Infoszur Maker-AG der August-Bebel-Schule hier: makerag.de. 

„Die Schüler sind irgendwann weiter als man selber“, sagt Ploch und lacht. Ihm bereitet das gemeinsame Ausprobieren, Entwerfen und Problemlösen merklich Spaß. So geht es auch Judith Schulz. Die Berufsschülerin mit den grünen Strähnen in den Haaren besucht den Gestaltungsbereich des Beruflichen Gymnasiums. Und bringt ihre Kreativität jetzt in der AG ein. „Hier kann ich mein technisches Interesse ausleben“, erzählt sie.

Reste verwerten und etwas Neues daraus machen: Maker-Projekte haben oft einen nachhaltigen Aspekt. Das gilt auch für mit dem 3D-Drucker hergestellte Ersatzteile: Sie sorgen dafür, dass Objekte und Geräte wieder funktionieren, die man sonst vielleicht weggeworfen hätte.

Das Offenbacher Beispiel zeigt: Der weltweite Trend zur Eröffnung von Makerspaces – Orten, wo sich Maker treffen und gemeinsam mit modernster Technik basteln und bauen – erreicht auch die Schulen. Allerdings nur langsam, wie Ploch erzählt. AGs wie jene in Offenbach seien immer noch selten. Und das Know-how, das sich die Schülerinnen und Schüler dort aneignen wohl auch. Das legt zumindest die Anfrage eines Unternehmens aus der Nähe Offenbachs nahe: Die Firma habe sich einen 3D-Drucker gekauft, erzählt Ploch – und die Mitglieder der Maker-AG sollen mit ihm nun den Ausbildungsleiter des Unternehmens schulen. „Die wollen wissen, wie man von der Idee zum 3D-Druck kommt“, erzählt Ploch. Seine Maker können das wohl gut erklären.

Unterstützt wird die AG finanziell durch den Förderverein der Schule – manchmal gibt es auch Materialspenden von Unternehmen. Die wohl größte Spende kam allerdings gerade von einem ehemaligen Elektrotechnikschüler der August-Bebel-Schule: Mehrere Tausend Euro hatte der Mann bei der Feier seines 55sten Geburtstags von den Gästen für die Spende eingesammelt. Und Ploch hat von diesem Geld für die Maker-Gruppe den dampfenden Lasercutter gekauft.

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