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In der Offenbacher Heyne-Fabrik arbeiten viele Kreative. 

Offenbach

Offenbach profitiert vom Image als Kreativstandort

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Eine bekannte Frankfurter Werbeagentur ist ins Offenbacher Nordend gezogen. Die Anzahl der Arbeitsplätze hält mit dem Bevölkerungswachstum Offenbachs aber nicht Schritt.

Die Kreativen der Agentur Kastner betreuen die Werbeaktivitäten großer Unternehmen: Etwa der Getränkefirma Red Bull oder des Pharmakonzerns Stada. Es ist also kein ganz kleiner Fisch, der da von Frankfurt nach Offenbach übergesiedelt ist: Seit 2019 arbeiten die rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Frankfurter Büros in der Heyne-Fabrik – einer alten Schraubenproduktionsstätte in der Nähe des Hafens, wo zwischen Backsteinwänden und Sichtbeton schon viele andere Kreative arbeiten. Keine Frage: In Zeiten des Fachkräftemangels nimmt die Bedeutung attraktiver Arbeitsbedingungen und Büroflächen zu.

Sorgen, dass der Stadt wegen vieler Abrisse infolge des Wohnungsbaus die alten Industriehallen ausgehen, hat der Leiter des Offenbacher Amts für Wirtschaftsförderung, Jürgen Amberger, aber nicht: „Die Kreativen wollen ein Ökosystem“, sagte er gestern bei der Vorstellung des Jahresberichts 2019 der Wirtschaftsförderung. Neue Büros müssten also nicht in einer hippen Fabrikhalle sein, wenn das Viertel stimme. Als Beispiel führt Amberger den entstehenden Neubau der Werbeagentur Taste am Hafenbecken an – nicht weit von der Heyne-Fabrik entfernt.

Hoffnung auf Clariant

Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) bezeichnet die Kreativwirtschaft als einen „weiterhin wichtigen Schwerpunkt unserer Wirtschaftspolitik“. Man hört es ihm an: Der OB, der auch der Wirtschaftsförderung vorsteht, hätte sich noch ganz andere Nachrichten für 2019 gewünscht als den Zuzug einer mittelgroßen Werbeagentur. Denn während die Stadt für 2019 die Neuansiedlung von 79 Unternehmen mit 360 Arbeitsplätzen verkündet, zieht gleichzeitig Siemens Hunderte Angestellte aus Offenbach ab. Um nur ein Beispiel zu nennen.

Schwenke und Amberger sind dennoch zuversichtlich: So liefen Gespräche mit mehreren Firmen, die sich am Kaiserlei niederlassen wollten – es ist ein massiver Ausbau des Büroviertels unter anderem mit Hochhäusern geplant. Außerdem habe man sich 2019 mit der Firma Clariant auf den Kauf einer 35 Hektar großen Brache im Osten der Stadt geeinigt, auf der nach Beseitigung der Altlasten langfristig ein Gewerbegebiet entstehen soll. Das 2010 stillgelegte Industriegelände ist nach Schwenkes Worten die größte zusammenhängende Gewerbefläche in Rhein-Main. „Das ist ein historischer Erfolg“, sagte er gestern mit Blick auf den dadurch zu erwartenden Anstieg der Gewerbesteuereinnahmen. Dauerhaft arbeite man daran, die „Kunden- und Serviceorientierung“ der Verwaltung zu verbessern.

Zuversichtlich blickt Schwenke auch auf die Entwicklung der Innenstadt: Das vom Hamburger Planungsbüro Urbanista erstellte „Zukunftskonzept“ sei fertig – soll aber erst dann vorgestellt werden, wenn mit der Koalition aus CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern geklärt wurde, welche Vorschläge man umsetzen will und kann und welche nicht. Die derzeitige Entwicklung der City ist uneinheitlich: Etliche Läden haben 2019 zugemacht – zum Beispiel die einzige Offenbacher Filiale der Kaffeehauskette Starbucks im Einkaufszentrum Komm. Dafür ist die Modekette New Yorker mit ihrer neuen Filiale – ebenfalls im Komm – wieder nach Offenbach zurückgekehrt.

Positiv bewertet die Wirtschaftsförderung auch, dass 2019 neun Unternehmen mit Vergrößerungswunsch im Stadtgebiet neue Flächen und Räume gefunden haben – einige davon mit intensiver Unterstützung der Stadt, wie Amberger betont. So wird etwa Danfoss, ein dänisches Unternehmen für Wärme- und Kältetechnik, seinen Deutschlandsitz vom Offenbacher Stadtteil Bieber-Waldhof an den Kaiserlei verlegen: in einen Neubau am Main.

Bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gab es einen Anstieg: Die Zahl stieg zwischen 2017 und 2018 um 1164 Personen auf 48 764 – mit dem Bevölkerungswachstum der Stadt kann die Entwicklung aber nicht Schritt halten.

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