Wieder ein neues Einkaufszentrum: Die Baustelle des „Rathaus-Plaza“ in Offenbach.

Offenbach

Planer wollen Offenbacher City umkrempeln

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Vorbild Skandinavien: Die Offenbacher Innenstadt soll zum Erlebnisort werden.

Bei Klaus Enders läuft das Geschäft noch ganz gut. Gerade hat eine Frau aus Frankfurt ihre Nähmaschine zur Reparatur vorbeigebracht. Seit 1980 betreibt Enders mitten auf Offenbachs Einkaufsmeile Frankfurter Straße seinen Nähmaschinenladen. Doch in der Nachbarschaft hat seitdem ein Geschäft nach dem anderen dichtgemacht. Heute herrscht viel Leerstand, ganz gut scheinen aber Ein-Euro-Läden, Schnellimbisse und Outlet-Shops zu laufen.

Mit einem Entwicklungskonzept, an dem das Hamburger Planungsbüro Urbanista seit Herbst feilt, will die Stadtpolitik wieder zahlungsfähige Kundschaft in die City locken. Urbanista-Stadtplaner Sven Lohmeyer hat am Freitag die Leitlinien des Konzepts vorgestellt: Demnach sollen mehr Menschen in der Innenstadt wohnen, der öffentliche Raum soll attraktiver und grüner werden und es brauche zusätzliche kulturelle und gastronomische Angebote.

Dass das Stadtzentrum Potenzial hat, davon sind alle Akteure überzeugt – schließlich gelten andere Teile Offenbachs, wie der Hafen und das Nordend oder der Wilhelmsplatz als „hip“. „Die Innenstadt ist von dieser Dynamik aber abgekoppelt“, konstatiert Lohmeyer. Er zeichnet das Bild eines Donuts – ein Gebäck mit Loch in der Mitte: „Daraus soll ein Kreppel werden.“

Vorschläge, was getan werden kann, macht Urbanista viele: So könne die Stadtbibliothek in die City verlegt und nach skandinavischem Vorbild zum Begegnungsort werden – samt Räumen für Vereine und Initiativen. Zwischen Platz der Deutschen Einheit und Marktplatz könne ein Band aus Parks die zurzeit triste Abfolge von Stadträumen ersetzen – und dem aufgeheizten Stadtklima entgegenwirken. Lohmeyer erwähnt auch eine Markthalle für regionale Produkte und Designs: „Die Offenbacher Innenstadt könnte ein Experimentierfeld für eine neue Art des Urbanismus werden“.

Doch dafür braucht es eine Mehrheit der Stadtverordneten, die Vorhaben werden deshalb noch diskutiert. „Wir brauchen einen breiten politischen Konsens“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Offenbacher IHK, Markus Weinbrenner, der auch Geschäftsführer von „Offenbach Offensiv“ ist: ein Verein Geschäftstreibender, der 100 000 Euro in den Planungsprozess investiert hat – genauso viel wie die Stadt.

Nur mit einem Konsens sei sichergestellt, dass die Pläne „auch über politische Brüche hinweg“ verfolgt würden, sagt OB Felix Schwenke (SPD). Man hoffe auch, mit einem solchen Rahmen Investoren anzulocken – denn aus der Stadtkasse allein lasse sich kaum eines der Projekte finanzieren. Neben Investoren wurden in Workshops auch Bürgerinnen und Bürger in die Planungen eingebunden. Lohmeyer gibt aber zu, dass man dabei „nicht die gesamte Stadtgesellschaft erreicht“ habe – das sei in dem vorgegebenen Zeitrahmen nicht machbar gewesen.

Strukturwandel

Jahrelang wurde die Cityentwicklung in vielen Städten vom Einzelhandel her gedacht. Neue Shopping-Komplexe wie das „Komm“ am Aliceplatz im Offenbacher Stadtzentrum entstanden. Doch dieser vielerorts verfolgte Plan ist auch in Offenbach nicht aufgegangen: Heute steht das Komm teils schon wieder leer. „Deshalb brauchen wir nicht einfach ein neues Einkaufscenter, sondern einen innovativen neuen Ansatz“, betont der Hauptgeschäftsführer der Offenbacher IHK, Markus Weinbrenner.

In den Workshops konnten Offenbacherinnen und Offenbacher benennen, welche Teile der Innenstadt sich in ihren Augen in den letzten Jahren gut und welche sich schlecht entwickelt haben. Auf der Gewinnerseite standen der Wilhelmsplatz, das Mainufer und die Frankfurter Straße westlich der Kaiserstraße, wo sich viel Gastronomie befindet. Negativ entwickelt habe sich indessen fast die komplette Fußgängerzone.

In Braunschweig hat das Planungsbüro Urbanista eigenen Angaben zufolge anderthalb Jahre lang Bürgerinnen und Bürger zur Innenstadt befragt – mit dem Ziel, eine Mehrheit der Bevölkerung in den Planungsprozess einzubinden.

Strukturwandel

Strukturwandel Jahrelang wurde die Cityentwicklung in vielen Städten vom Einzelhandel her gedacht. Neue Shopping-Komplexe wie das „Komm“ am Aliceplatz im Offenbacher Stadtzentrum entstanden. Doch dieser vielerorts verfolgte Plan ist auch in Offenbach nicht aufgegangen: Heute steht das Komm teils schon wieder leer. „Deshalb brauchen wir nicht einfach ein neues Einkaufscenter, sondern einen innovativen neuen Ansatz“, betont der Hauptgeschäftsführer der Offenbacher IHK, Markus Weinbrenner. 

In den Workshops konnten Offenbacherinnen und Offenbacher benennen, welche Teile der Innenstadt sich in ihren Augen in den letzten Jahren gut und welche sich schlecht entwickelt haben. Auf der Gewinnerseite standen der Wilhelmsplatz, das Mainufer und die Frankfurter Straße westlich der Kaiserstraße, wo sich viel Gastronomie befindet. Negativ entwickelt habe sich indessen fast die komplette Fußgängerzone. 

In Braunschweig hat das Planungsbüro Urbanista eigenen Angaben zufolge anderthalb Jahre lang Bürgerinnen und Bürger zur Innenstadt befragt – mit dem Ziel, eine Mehrheit der Bevölkerung in den Planungsprozess einzubinden.

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