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Plakate an der gesperrten Offenbacher Hafentreppe wollen für die Gefahren durch das Coronavirus sensibilisieren.

Offenbach

Offenbach: Plätze abgesperrt, Sitzbänke abmontiert

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Die Stadt Offenbach schränkt den öffentlichen Raum stärker ein als andere Kommunen. In den sozialen Netzwerken und von Seiten der Opposition gibt es dafür Kritik.

Die beliebte Hafentreppe im Offenbacher Hafenviertel ist seit letzter Woche abgesperrt, der Martin-Luther-Park im Stadtzentrum auch – beides Orte, an denen sich meist junge Leute aus den angrenzenden dicht bebauten Stadtvierteln aufhalten. Jetzt hindern Zäune die Menschen am Betreten der Plätze: An den Absperrungen hat die Stadt Banner ihrer neuen Kampagne befestigt: Zu sehen sind Slogans, die junge Leute für die Gefahren des Coronavirus sensibilisieren sollen. „Deine Party“ steht auf einem Plakat, daneben ist ein Grabstein mit der Aufschrift „Deine Mudda“ zu sehen.

„In Offenbach werden Örtlichkeiten dann gesperrt, wenn wiederholt und massiv gegen das bestehende Kontaktverbot verstoßen wird“, so die Stadt zu den Absperrungen des öffentlichen Raums. Alleine am Samstag vor Ostern seien rund 75 Personen des Hafengeländes verwiesen worden, weil sie sich zu nah beieinander aufgehalten hätten, erklärt Pressesprecher Fabian El Cheikh. Aus dem gleichen Grund habe die Stadt Sitzbänke am Wilhelmsplatz abmontieren lassen. Es hätten zu viele Menschen ohne den nötigen Sicherheitsabstand Platz genommen. Man handele im Einklang mit der Gesetzeslage.

In Offenbach werden die Absperrungen, die massiver ausfallen als etwa in Darmstadt oder Frankfurt, unterschiedlich beurteilt. Ein Twitter-Nutzer kritisierte, dass es „wie Schikane“ wirke, wenn man nun Bänke abmontiere, auf denen sich oft Ältere und Wohnungslose aufhielten. „Ältere sollten sich derzeit am wenigsten draußen aufhalten“, antwortete ein anderer Nutzer darauf.

Überzeugung gefordert

„Mit der Sperrung kompletter öffentlicher Plätzen macht es sich der Magistrat zu einfach“, kritisiert die Fraktionsvorsitzende der Offenbacher Linken, Elke Kreiß, die Maßnahmen. Gerade mit Blick auf den zu erwartenden Anstieg häuslicher Gewalt müssten auch „Bewohner der Innenstadt die Möglichkeit haben, an die frische Luft zu gehen und sich dort aufzuhalten“. Das Ordnungsamt solle lieber „Überzeugungsarbeit leisten und an die Verantwortung jedes Einzelnen appellieren“. Plätze abzusperren und Sitzbänke abzumontieren, gehe „zu weit“.

Kritische Töne kommen auch von der FDP. Der Stadtverordnete und Landtagsabgeordnete Oliver Stirböck sagt, die Maßnahmen seien nur verhältnismäßig, wenn „die erforderlichen Abstände regelmäßig und teils kontinuierlich nicht eingehalten würden“. „Überzogen“ wären sie, wenn man nur verhindern wolle, „dass sich Menschen niederlassen“.

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