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Viele Kinder und Jugendliche in Offenbach leben beengt. 

Offenbach

Offenbach: Offene Angebote für Jugendliche fehlen noch

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Das Offenbacher Jugendamt hat Beratungen im Freien gestartet. Das Familienleben in engen Wohnungen führt zu Problemen. Wann es wieder Gruppenangebote gibt, ist noch unklar.

In einer Stadt wie Offenbach, wo viele Familien in beengten Wohnverhältnissen leben, sind die Angebote des Jugendamts für Kinder und Jugendliche besonders wichtig: offene Jugendtreffs ebenso wie die offenen Ohren der Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter. Doch während der vergangenen Wochen waren derlei Angebote – wie in anderen Städten auch – stark eingeschränkt. Eigentlich sollte in Offenbach nun am Montag die Arbeit in den Jugendzentren, zumindest in Kleingruppen, wieder starten. Doch ob das klappt, ist noch unklar: Das entsprechende Hygienekonzept liege noch beim Gesundheitsamt, heißt es beim Jugendamt – und dort habe man ja gerade sehr viel zu tun.

Der Leiter der Abteilung Kinder- und Jugendarbeit im Offenbacher Jugendamt, Patrick Probst, kann es indes kaum erwarten, zumindest wieder mit drei oder fünf Personen zu arbeiten. Sein Konzept sieht eine stufenweise Öffnung der Einrichtungen vor – unter Einhaltung sämtlicher Hygiene- und Abstandsregeln. Man merkt schnell, dass es seinem Team dabei nicht an Kreativität mangelt: So könne man nach dem Start mit Kleingruppen die Jugendhäuser vielleicht auch so öffnen wie derzeit die Geschäfte – wenn der Raum voll ist, müsse man eben etwas draußen warten.

Derzeit ist das nur eine Idee. Die Herangehensweise der letzten Wochen zeigt aber, dass man im Amt gewillt ist, trotz Corona möglichst nah zu den Kindern und Jugendlichen vorzudringen – so gab es etwa telefonische Hausaufgabenbetreuung, ein digitales Rapmusik-Projekt und die Verteilung von Anti-Langeweile-Päckchen.

Beratungsspaziergänge

Auch Beratungsspaziergänge gibt es. Denn der Beratungsbedarf nach mehreren Wochen zu Hause sei sehr groß: „Manche haben massive Ängste, wie es nun weitergeht mit der Schule“, erzählt Probst. Gleichzeitig versuche man, auch die Eltern zu kontaktieren. Denn man wisse, dass es „sehr ängstliche Eltern“ gebe, die ihren Kindern wegen der Corona-Pandemie „den Schritt vor die Tür verbieten“. Probst betont diesen Punkt; „Es gibt wirklich Kinder, die seit Wochen das Sonnenlicht nicht gesehen haben.“ Hier müsse man unbedingt Aufklärungsarbeit betreiben.

Auch das Projekt Scout, in dem elf Offenbacher Schülerinnen und Schüler außerhalb der Schule in einem Gebäude des Jugendamts betreut werden – mit dem Ziel, dass sie nach einem Jahr wieder am Regelunterricht teilnehmen können – wird seit zwei Wochen mit einer Sondergenehmigung weitergeführt. Offenbachs Kinder- und Jugenddezernentin Sabine Groß (Grüne) sagt, dass die Gefahr, im Bildungssystem abgehängt zu werden, wegen der Corona-Krise „noch zunehme“. Deshalb versuche man, bewährte Angebote „so schnell wie möglich wieder hochzufahren“.

Dabei ist klar, dass sich nicht alle mit Spaziergängen und Anrufen erreichen lassen. „Was wir nicht machen können derzeit, ist das, was uns eigentlich auszeichnet“, sagt Probst: „Die Tür aufmachen und alle können kommen.“ In solch offenen Runden entstünden oft Situationen, mit denen man pädagogisch besonders gut arbeiten könne, in denen man sich mit den Jugendlichen auch mal „reiben“ und so andere Perspektiven aufzeigen könne. „Das geht im Moment komplett verloren.“

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