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Mehr Einkaufs- und Büroflächen mitten in der Stadt: Das Rathaus-Plaza soll 2020 fertig sein. 

Offenbach

Offenbach: Neues Einkaufszentrum „Rathaus-Plaza“ wird zum Zankapfel

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Der Entwickler des Offenbacher Rathaus-Plazas kritisiert die Zusammenarbeit mit der Stadt. Planungsdezernent Weiß ist darüber„sehr verwundert“.

Es würde uns freuen, wenn von der Stadt mehr Support käme“, sagt Andreas Blaschkowski. Und: „Da setzt sich keiner für uns ein.“ Es sind ungewöhnlich deutliche Worte, mit denen der Immobilienentwickler aus Frankfurt mit der Stadt Offenbach ins Gericht geht. Mit seinem Unternehmen Real Equity errichtet er gerade an Offenbachs Einkaufsmeile Frankfurter Straße das Einkaufszentrum „Rathaus Plaza“. Bis 2020 soll der viergeschossige Bau mit der 60 Meter langen Schaufensterfront und der roten Klinkerfassade fertig sein. Blaschkowskis Kritik überrascht, weil sich die Stadt gegenüber den Interessen von Investoren als offen darstellt, vor allem, wenn es um die Innenstadt geht.

Blaschkowski übt zum einen Kritik daran, dass auf der Frankfurter Straße nicht mehr Flächen für Außengastronomie genehmigt worden seien. Mehrere Mietinteressenten – darunter eine deutschlandweit aktive Kaffeehauskette – hätten sich deshalb gegen die Anmietung von Flächen in dem Einkaufszentrum entschieden. Der Projektentwickler ärgert sich außerdem darüber, dass Baufahrzeuge nur an drei Tagen in der Woche frühmorgens durch die Fußgängerzone zur Baustelle fahren dürften: „Warum ist das nicht täglich möglich“, fragt Blaschkowski. Die Einschränkung behindere den zügigen Ablauf der Bauarbeiten.

So sah die City-Passage im Jahr 2011 aus.  

„Allergrößte Verwunderung“ lösen die Vorwürfe des Projektentwicklers bei Offenbachs Planungsdezernenten Paul-Gerhard Weiß (FDP) aus. Man habe Real Equity „intensive Betreuung zuteil werden lassen“, sagt Weiß. Und nur selten gehe man seitens der Bauverwaltung so kulant vor wie bei diesem Projekt: So habe man mittlerweile die fünfte Teilbaugenehmigung erteilt – weil es immer wieder Änderungswünsche gegeben habe. Und eine Baustellenandienung über die Fußgängerzone lasse man nur zu, weil dies am Platz der Deutschen Einheit wegen eines Dissens mit einem weiteren Bauträger derzeit nicht möglich sei. „Wir müssen auch die Geschäftsinteressen der Nachbarn im Auge behalten“, gibt Weiß zu bedenken. Mit Blick auf die Erreichbarkeit der Baustelle durch die Fußgängerzone sagt er: „Eigentlich dachte ich, wir werden gelobt, dass wir das ermöglicht haben.“ Und beim Thema Außengastronomie halte man sich an die entsprechende Satzung – man müsse da alle gleich behandeln, so Weiß.

Offenbachs Chefwirtschaftsförderer Jürgen Amberger hält sich mit Kritik am Projektentwickler zurück. Das Rathaus-Plaza sei „eines der wichtigsten Projekte in der Innenstadt“, sagt er. „Mit großem Elan“ warte man auf die Fertigstellung – weil der langjährige Leerstand der ehemaligen City-Passage sowie der anschließende Abriss und die Bauarbeiten die umliegenden Geschäfte in Mitleidenschaft gezogen hätten.

Über siebzig Prozent des Rathaus-Plazas seien bereits vermietet, heißt es bei Real Equity: Als Mieter konnte man bisher unter anderem ein Fitnessstudio und einen Discounter gewinnen – sowie die Sparkasse und eine Wurstbraterei. Besonders glücklich sei man über die Anmietung zweier Stockwerke durch den Büroraumanbieter Regus. Für die Nutzer dessen „Co-Working“-Angebots werde eine eigene Lobby im Erdgeschoss eingerichtet, ein begrünter Innenhof sowie eine Terrasse auf dem Dach des neuen Einkaufszentrums. Den Zuschnitt der oberen Geschosse habe man wegen dieser Pläne in einem neuen Bauantrag ergänzen müssen, erläutert der Projektentwickler. Im Keller des Zentrums sei ein barrierefreier Anschluss an die Tiefgarage des Rathauses geplant. Der dafür benötigte Tunnel soll ab September gegraben werden.

Chronik

Die City-Passage aus den 1970er Jahren hatte einen langen Niedergang hinter sich, bevor sie vor zwei Jahren abgerissen wurde, um Platz für den Neubau des Einkaufszentrums „Rathaus-Plaza“ zu machen. 

2016 war in dem Komplex an der Frankfurter Straße nur noch eine Spielhalle übrig – der Rest stand leer, nachdem 2013 die Kaffeerösterei Tchibo und 2014 die Metzgerei Zeiss die Passage verlassen hatten. Als die Spielhalle auszog, kaufte das Frankfurter Unternehmen Real Equity den Komplex und entwickelte das Konzept des „Rathaus Plaza“. 

Dem Wunsch der Stadt , Wohnen in der Innenstadt zu ermöglichen, wollte man nicht nachkommen. Stattdessen vermietet Real Equity die oberen zwei Stockwerke an den Büroraumanbieter Regus. Geplant ist eine offene Raumgestaltung mit viel Glas und schwarzen Decken. „Das wird ein stylishes Ding“, sagt der Projektentwickler. 

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