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Was hätte wohl ein Gestaltungsbeirat zu dieser Architektur gesagt? Neubaufassaden zwischen Offenbacher Hafen und Nordend. 

Offenbach

Offenbach: Neuer Gestaltungsbeirat soll die Stadt schöner machen

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Die Offenbacher Stadtverordneten beschließen am Donnerstag die Geschäftsordnung für den neuen Gestaltungsbeirat. Ab 2020 soll er Stadt und Investoren beraten.

Kaum eine Stadt in der Region verändert ihr Gesicht derzeit so rasant wie Offenbach. Die Bebauung vieler ehemaliger Industriekomplexe in der Innenstadt sorgt dafür, dass Neubauten in manchen Vierteln langsam, aber sicher das Stadtbild bestimmen – nicht immer im positiven Sinne, wie manch’ Offenbacherin und Offenbacher findet. Zu oft seien etwa die Fassaden der Wohnblocks zu eintönig, heißt es – Ausnahmen bestätigen die Regel.

Um städtebaulichen und architektonischen Fehlentwicklungen entgegenwirken zu können, haben die Offenbacher Stadtverordneten vor zwei Jahren die Einrichtung eines unabhängigen Gestaltungsbeirates beschlossen. Heute stimmt das Stadtparlament über die Satzung dieses neuen Gremiums ab. Die Zusammensetzung der fünfköpfigen Gruppe aus Fachleuten wird noch erarbeitet – und muss den Stadtverordneten noch einmal vorgelegt werden. Die Expertinnen und Experten sollen nicht aus Offenbach kommen, damit sie einen frischen und möglichst unvoreingenommenen Blick auf die bauliche Entwicklung der Stadt haben. Im Frühjahr soll der Beirat das erste Mal zusammentreffen.

Offenbach bekommt einen Gestaltungsbeirat

„Wir erwarten uns von der Arbeit des Gestaltungsbeirats positive Impulse für das Stadtbild“, sagt der Referent von Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP), Jürgen Weil. In der Geschäftsordnung des neuen Gremiums, das viermal im Jahr tagen soll, heißt es, dieses trete vor allem bei „stadtbildprägenden“ Bauvorhaben in Aktion – als Mittler zwischen Investoren und Verwaltung. Die Stadt richtet zur Unterstützung eine Geschäftsstelle ein und stellt jährlich 25 000 Euro bereit.

Feinfühlig strukturiert oder monoton? Fassaden an der Offenbacher Hafenallee.

Erste Erfahrungen mit einem Gestaltungsbeirat hat Offenbach Anfang des Jahres bei der Umgestaltung des City-Centers gemacht – einem unansehnlichen Büroblock am Marktplatz, der zum Hotel umgebaut werden soll. Wegen der besonderen Lage des Gebäudes hatte die Stadt einen temporären Beirat einberufen, der Veränderungen bei der Fassade und sogar der Form des Gebäudes erwirkte. So empfahl er die Erhöhung des Baus um zwei Stockwerke, um eine einheitliche Höhe mit Nachbarbauten zu erreichen.

Als „sehr konstruktiv“ bezeichnet die Darmstädter Architektin Petra Hahn die Arbeit des temporären Gremiums, dem sie beiwohnte. „Die Stadt wollte eigentlich nicht, dass das Gebäude erhöht wird“, sagt Hahn. Doch der Beirat setzte sich durch – obwohl seine Empfehlungen nicht bindend sind. Referent Weil betont, dass mit dem finalen Entwurf nun „alle rundum zufrieden“ seien. Auch der Investor, dem der Beirat eine Art „kostenlose Beratung“ geliefert habe.

In der Region hat zum Beispiel Darmstadt einen Gestaltungsbeirat: Wichtige Bauvorhaben werden dort nach einer Ortsbegehung und Beratung des Gremiums oft – teils deutlich – überarbeitet. „Gestaltungsbeiräte sind gelebte Baukultur“, sagt der Vizepräsident der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen, Holger Zimmer – der selbst im Marburger Gestaltungsbeirat sitzt. Einen Vorteil der Gremien sieht Zimmer in deren Ortsunabhängigkeit: „Der Blick von außen“ helfe bei „der differenzierten Diskussion exponierter Vorhaben“.

Freiwillige Leistung

Die Einrichtung eines Gestaltungsbeirats geschieht auf freiwilliger Basis. Einige Kommunen in der Region lassen sich derzeit von einem solchen Gremium in Architekturfragen beraten – darunter Darmstadt und Wiesbaden. In Frankfurt gibt es einen Städtebaubeirat – ein richtiger Gestaltungsbeirat war in letzter Zeit nur bei der Entwicklung der neuen Altstadt involviert. 

Die Offenbacher Stadtverordneten tagen am heutigen Donnerstag, 19. Dezember, im großen Rathaus-Saal, Berliner Str. 100. Beginn ist wegen der Haushaltsdebatte schon um 15 Uhr. 

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