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Die Moscheegemeinde in der Offenbacher Waldstraße hat einen Sicherheitsdienst engagiert. 

Blick nach Offenbach

Offenbach: Muslime fordern mehr Polizeipräsenz bei Freitagsgebeten

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Migrantinnen und Migranten aus Offenbach äußern im Ausländerbeirat im Beisein von Polizeipräsident Roland Ullmann Ängste und Kritik. Und es gibt Forderungen nach mehr Schutz.

Bei den Gebetszeiten haben wir Angst“, sagt Abderrahman Chaoui El Goure vom Marokkanisch-Islamischen Kulturzentrum in der Offenbacher Waldstraße. Und: „Ich verlange von der Polizei, bei den Gebetszeiten am Freitag und an Ramadan präsent zu sein.“ Chaoui El Goure ist einer von mehreren Dutzend Mitgliedern migrantischer Organisationen aus Offenbach, die der dortige Ausländerbeirat am Mittwoch zu seiner aktuellen Sitzung ins Rathaus eingeladen hatte. Thema: Hanau. Es kamen auch Vertreter der Stadt und des Polizeipräsidiums Südosthessen, das für Stadt und Kreis Offenbach sowie für den Main-Kinzig-Kreis und somit auch für Hanau zuständig ist.

Der Abend zeigte, wie die Verunsicherung vieler migrantischer Communitys in Offenbach nach dem Anschlag von Hanau gewachsen ist. „Die Taten haben Ängste hervorgerufen“, sagte der Vorsitzende des Ausländerbeirats, Abdelkader Rafoud. Noch nie seien so viele Leute mit ihren Fragen zu einer Sitzung des Beirats gekommen wie an diesem Mittwoch. Schon wenn man ab und zu einen Polizeiwagen an der Moschee vorbeifahren sehe, könne das den Mitgliedern seiner Gemeinde ein Gefühl von mehr Sicherheit vermitteln, hofft Chaoui El Goure. Der Muslim, der selbst einmal bei der Offenbacher Stadtpolizei gearbeitet hat, erzählt, dass man in den letzten Jahren vor der Moschee bereits Kameras installiert und zudem einen privaten Sicherheitsdienst engagiert habe, der Besucher bei Großveranstaltungen kontrolliere. Doch er wünscht sich mehr Polizei. Beiratsmitglied Milorad Milenkovic forderte ein durchdachtes Sicherheitskonzept bei städtischen Festen, an denen auch viele Migrantenvereine teilnehmen.

Ullmann  sieht „keine verstärkte Gefahrenlage“

Polizeipräsident Roland Ullmann war bemüht, die Gemüter zu beruhigen. Er betonte, dass es derzeit „keine verstärkte Gefahrenlage“ gebe. Man nehme aber seit Hanau „religiöse Einrichtungen und Orte, wo sich verstärkt Migranten aufhalten, mehr in den Blick“ – auch in Offenbach. Wie genau das in einer Großstadt, wo rund zwei Drittel der Menschen Migrationsgeschichte haben und schätzungsweise 17 000 Muslime leben, in der Fläche gewährleistet werden soll, blieb offen. Elyas Mirza von Offenbachs jesidischer Gemeinde betonte, dass sich nicht nur Muslime bedroht fühlten, sondern auch andere Migranten.

Offenbachs Ordnungsdezernent Peter Freier (CDU) versicherte, dass die Stadt bei Veranstaltungen wie dem Kulturfest der Nationen ein „besonderes Augenmerk auf die Sicherheit“ legen werde. Ullmann schloss seine Ausführungen mit dem Wunsch: „Wir wollen, dass Sie hier rausgehen und das Gefühl haben, dass wir an Ihrer Seite stehen.“

Nicht alle gehen zufrieden

Chaoui El Goure lobte den Besuch der Beamten im Ausländerbeirat. Kritischer äußerte sich Noora El Sayed: Die 24-jährige Psychologiestudentin ist in Offenbach aufgewachsen und verspürt seit Hanau das erste Mal in ihrem Leben ein allgemeines Gefühl von Unsicherheit. „Im Beirat sind vor allem ältere Leute, deshalb dachte ich, es sei wichtig, da selbst aufzukreuzen“, erzählt sie. „Hanau“ sei in ihrem Freundeskreis, mit dem sie oft in Shishabars gehe, Gesprächsthema Nummer eins. Dass es laut Polizei keine erhöhte Gefahrenlage gebe, stellt die Studentin infrage: „Ich frage mich, was soll denn noch passieren, damit wir echte Unterstützung bekommen – und nicht nur Anteilnahme?“

Eher unzufrieden verließ auch Mahshid Najafi am Mittwoch das Rathaus. Die Offenbacherin, die sich im Seniorenrat engagiert, hatte den Eindruck, Polizeipräsident Ullmann sei ihren Fragen „irgendwie ausgewichen“. Die Frage etwa, warum die Internetbeiträge des mutmaßlichen Täters von Hanau der Polizei nicht aufgefallen seien, wurde nicht beantwortet. Nur dass man die Beiträge nicht bemerkt habe, wurde bestätigt. Najafi findet: „Wenn man sensibler gegenüber Rechtsradikalen wäre, würde man so etwas mitbekommen.“

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