+
Spurensuche nach der Brandursache: Polizist im ausgebrannten Zimmer der Psychiatrie des Sana-Klinikums.

Einsatz

Mehrere Verletzte nach Brand in der Psychiatrie des Offenbacher Sana-Klinikums

  • schließen

In der Psychiatrie eines Krankenhauses in Offenbach bricht ein Feuer aus. Es gibt mehrere Verletzte. 

Das Feuer in der Psychiatrie des Offenbacher Sana-Klinikums, bei dem am Montag nach Angaben der Feuerwehr durch das Einatmen von Rauchgas vier Patienten lebensgefährlich und zwei weitere Personen schwer beziehungsweise leicht verletzt wurden, ist wohl absichtlich gelegt worden. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen von Brandstiftung aus. Noch am Tatort sei ein 39 Jahre alter Mann aus Hanau unter dringendem Tatverdacht festgenommen worden. Er soll das Feuer in seinem Zimmer im Erdgeschoss des Gebäudes absichtlich gelegt haben.

Der Mann war laut Sana-Sprecherin Marion Band erst in der Nacht zum Montag aufgenommen worden. Nach einer richterlichen Vorführung wurde der mutmaßliche Brandstifter gestern Mittag in eine Fachklinik gebracht. Bei Ausbruch des Feuers befanden sich 54 Patienten sowie sechs Pflegekräfte und eine Ärztin in dem Altbau. Die Polizei bezifferte den Schaden an dem dreigeschossigen Gebäudetrakt mit ausgebautem Dach zunächst auf 100.000 Euro. Die Sanierung könne aber auch wesentlich teurer werden, meinte ein Sprecher.

Die Zimmer sind durch Ruß und Rauchgase so stark beschädigt worden, dass sie derzeit nicht genutzt werden können. Die unverletzten Patienten wurden vorübergehend in einem Bus der Offenbacher Verkehrsbetriebe betreut, bevor sie auf zwei Stationen des Sana-Klinikums verlegt wurden. Zwei Patienten wurden gestern vermisst. Sie hatten sich nach dem Feuerausbruch vermutlich vom Klinikgelände entfernt. Nach ihnen wurde gesucht.

Dramatische Rettungsaktion in Offenbach

Um 5.09 Uhr hatten die Alarmglocken geschrillt. Die Brandmeldeanlage im Flur - auf den Zimmern gibt es wohl keine eigenen Rauchmelder - hatte ausgelöst, nachdem im Erdgeschoss der Psychiatrie das Feuer ausgebrochen war. Feuerwehren und Rettungsdienste aus Offenbach und Frankfurt sowie die Polizei waren mit einem Großaufgebot im Einsatz. Beim Eintreffen der Wehren schlugen die Flammen aus dem Zimmer, das komplett ausbrannte.

Am Fenster sind deutliche Brandspuren zu erkennen.

Die Ausbreitung des Feuers auf die benachbarten Patientenzimmer und die darüberliegenden Stockwerke konnten die etwa 100 Einsatzkräfte verhindern. Kurz nach 6 Uhr war der Brand gelöscht. Die Sprendlinger Landstraße blieb aber noch mehrere Stunden gesperrt.

In einer dramatischen Rettungsaktion verschafften sich mit Atemschutz ausgerüstete Feuerwehrleute Zugang zu den Zimmern im Erdgeschoss, schlugen dort mit einer Axt die verschlossenen Fenster ein, damit der Rauch abziehen konnte, und brachten sechs Patienten ins Freie. „Das ging ruckzuck“, sagt Uwe Sauer, Chef der Offenbacher Berufsfeuerwehr. Der mutmaßliche Brandstifter habe sich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in seinem Zimmer befunden.

Die übrigen Patienten in den oberen Etagen seien von den Krankenhausmitarbeitern geweckt und aus dem Haus gebracht worden. Sie blieben unverletzt. Anschließend wurde das gesamte Gebäude abgesucht und entraucht.

Wie der Brand gelegt wurde, ist unklar

Nach Angaben der Sana-Sprecherin gibt es in dem Gebäudetrakt keine Sprinkleranlage. Bei den drei betroffenen Stationen handle es sich um geschlossene Abteilungen. Das heißt, die Fenster in den Zimmern lassen sich nicht öffnen, nur kippen. Und die Türen zu den Abteilungen sind verschlossen. Freigänger, die laut Band auch auf diesen Stationen sind, müssen sich bei der Krankenschwester melden, wenn sie das Haus verlassen wollen.

Wie der Brand gelegt wurde, ist unklar. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen übernommen. Band teilte auf Anfrage mit, Patienten würden bei der Aufnahme nicht kontrolliert. Nur bei begründetem Verdacht werde das Gepäck auf gefährliche Gegenstände durchsucht.

Sie warnte davor, Psychiatrie-Patienten als gemeingefährlich hinzustellen. Das sei ein Vorurteil. In der Regel handle es sich um Menschen mit Suchtproblemen, Psychosen oder schweren Depressionen.

Lesen Sie auch

Waldbrand in Münster: Noch keine Entwarnung - immer wieder Explosionen 

Tagelang hält ein Waldbrand die Gemeinde Münster (Darmstadt-Dieburg) in Atem. Am Dienstagvormittag wird ein erneuter Löschversuch gestartet.

Im Main verschwundener Mann weiterhin vermisst

Die Offenbacher Feuerwehr sucht vergeblich nach einem Mann, der zuletzt in Höhe der Offenbacher Hafenspitze gesehen wurde. Er bleibt verschwunden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare