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So üppig wie in der Tulpenhofstraße im Offenbacher Westend wachsen die Bäume vielerorts in der Stadt nicht mehr. 

Offenbach

Mehr als 900 tote Bäume in Offenbach

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Anwohnerinnen und Anwohner in Offenbach kritisieren, dass zu wenig nachgepflanzt wird.

In Offenbach mussten 2019 deutlich mehr Bäume gefällt werden als noch vor einigen Wochen angenommen. Wie die Stadtwerke auf Nachfrage der FR berichten, wurden im vergangenen Jahr auf öffentlichen Flächen – also am Straßenrand, in Parks und auf städtischen Grundstücken – nicht 500, sondern rund 800 Bäume gefällt. Das sei vor allem eine Folge der Trockenheit der vergangenen Jahre, die viele Bäume geschwächt habe, heißt es. Inzwischen sei klar, dass zusätzlich noch 120 Ahorne gefällt werden müssen, die 2019 der Rußrindenkrankheit zum Opfer gefallen sind – die wird durch einen Pilz verursacht, der Bäume infiziert, die durch Wassermangel oder Hitze geschwächt sind. „Mir ist wichtig, dass diese Informationen an die Bürger gegeben werden, um die Klimaveränderung bildhaft zu machen“, sagt der Leiter des Bereichs Grünwesen beim Stadtservice der Stadtwerke, Johannes Irgel.

Die Stadt ist sich des Problems bewusst und versucht, mehr Bäume nachzupflanzen als in den vergangenen Jahren. 500 000 Euro zusätzlich haben die Stadtverordneten dafür im aktuellen Haushalt bewilligt, auch neue Stauden sollen damit gepflanzt werden. 2019 reichte das Geld für 200 neue Bäume, im laufenden Jahr sollen es nun 300 werden. „Auch in den kommenden Jahren möchte der Stadtservice mehr Bäume pflanzen, um das Defizit an Bäumen im Stadtgebiet möglichst bald auszugleichen“, heißt es. Vor 2018 habe der Baumbestand laut Stadt noch leicht zugenommen – auf zuletzt 22 469. Damals habe man pro Jahr etwa 100 neue Bäume gepflanzt.

Kritik an der Stadt

Dass dabei oft nicht am Standort der Fällung nachgepflanzt wurde, führt in Offenbach schon lange zu Kritik von Anwohnerinnen und Anwohnern ehemals stark begrünter Straßenzüge. Ein Anwohner der Spießstraße im eigentlich ziemlich grünen Buchhügel-Quartier hat der FR eine lange bebilderte Liste von Flächen am Straßenrand geschickt, wo gefällte Bäume ihm zufolge teils seit vielen Jahren nicht nachgepflanzt wurden. Die leeren Flächen dienten nun zum Teil als wilde Autoparkplätze. Auf jeden Fall aber seien die Straßenzüge in vielen Offenbacher Vierteln bei weitem nicht mehr so grün, wie sie es einmal waren.

Bei der Stadt heißt es, dass viele alte Baumscheiben oder -streifen am Straßenrand unter heutigen Gesichtspunkten schlichtweg zu klein seien, um dort Bäume nachzupflanzen. So hätten die Wurzeln bei diesen kleinen Baumstandorten oft angrenzende Gehwege oder unterirdische Leitungen beschädigt. Die stark verdichteten Böden dort sorgten außerdem dafür, dass die Bäume nicht mehr genügend Nährstoffe aufnehmen können und absterben. Daher müsse man eine Straße oft erst teuer umbauen, bevor neue Bäume gepflanzt werden können.

In der Weikertsblochstraße im Musikerviertel ist nun genau das geplant: Stimmen die Stadtverordneten dem Vorhaben zu, sollen dort noch in diesem Jahr größere Baumscheiben mit einem Substratvolumen von bis zu 16 Kubikmetern gebaut werden. Pflanzen will man dort „der Klimaentwicklung angepasste Stadtbäume“, deren Wachstum unter anderem durch Tiefenbelüftung sowie durch Nährstoffanalysen überwacht und unterstützt werden soll. Wie teuer der Umbau wird, steht noch nicht fest, es fließen aber in jedem Fall Fördermittel aus dem Programm „Zukunft Stadtgrün“ des Bundesbauministeriums, für die sich die Stadt beworben hatte.

Klar ist, dass eine solche grundhafte Sanierung aufgrund der Kosten in Offenbach wohl nicht flächendeckend umgesetzt werden kann. Der besagte Anwohner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, kritisiert deshalb, dass die Stadt derweil nicht zumindest standortnah Bäume nachpflanze. Zwar beteuerte eine Mitarbeiterin des Stadtplanungsamts gegenüber der FR, dass man versuche, genau das zu tun. Doch im Stadtbild schlage sich das nicht nieder, kritisiert der Anwohner mit Blick auf die von ihm angefertigte Auflistung fehlender Bäume. Er verweist auf Offenbachs Grünschutzsatzung, in der steht, dass gefällte Bäume ab einer gewissen Größe möglichst wieder in der Nähe gepflanzt werden sollen. Die Stadt ist aber nicht an die eigene Grünschutzsatzung gebunden – sondern regelt Neupflanzungen durch eine „verwaltungsinterne Dienstanweisung“.

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