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Dieser Bau in der Frankfurter Straße soll abgerissen werden. Ein Investor plant dort wieder Geschäfte – und 19 Wohnungen. 

Einwohnerzahl wächst

Koalition will Nachverdichtung in Offenbach erleichtern

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DIe Offenbacher Stadtverwaltung soll Investoren, die Gebäude aufstocken und Wohnraum schaffen wollen, stärker unterstützen.

In den vergangenen zehn Jahren ist die Bevölkerung Offenbachs um 22 131 Menschen gewachsen – das ist mehr als die Einwohnerzahl Eschborns. Gleichzeitig schränken Fluglärm-„Schutzzonen“ und Wälder weiteres Wachstum der Stadt in der Fläche stark ein. Und dort, wo doch aufs Feld gebaut werden darf und auch soll – in Waldhof-West –, will eine Anwohnerinitiative das Vorhaben verhindern. Die Koalition aus CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern will dem Wohnungsmangel deshalb auf noch ganz anderem Wege begegnen: Sie möchte Investoren, die Gebäude aufstocken und damit Wohnraum schaffen wollen, stärker unterstützen.

Hier ist ein Wohn- und Geschäftshaus mit altersgerechten Wohnungen geplant. 

Konkret soll das unter anderem so aussehen: Die Verwaltung soll aktiv auf Eigentümerinnen und Eigentümer niedriger Gewerbebauten zugehen und ihnen die Aufstockung mit Wohnungen vorschlagen. Ähnliches soll bei Gebäuden geschehen, deren Dachgeschosse im Krieg zerstört und seitdem nicht wieder aufgebaut wurden. Bestehende alte Bauakten sollen in solchen Fällen zur Verfügung gestellt und ein Wiederaufbau gemäß alter, bereits bewilligter Anträge erleichtert werden. „Neben der Schaffung von Wohnraum kann auf diese Weise auch Stadtreparatur betrieben werden“, sagt Roland Walter, der Fraktionsvorsitzende der Offenbacher CDU, auf die der Antrag zurückgeht.

Eine Hürde bei der Umsetzung könnte sein, dass in der Bauverwaltung viele Stellen unbesetzt sind. Eine weitere Hürde bei Aufstockungsvorhaben kann in den erforderlich werdenden Parkplätzen bestehen, die im Bestand oft kaum bereitzustellen sind. In der Stellplatzsatzung enthaltene Ausnahmeregelungen sollen deshalb großzügig angewendet werden. Die Stadtverordneten müssen all dem noch zustimmen.

In der Frankfurter Straße ist noch Luft nach oben. 

Die Koalition vollziehe mit ihrem Vorhaben ein Stück weit eine Kehrtwende, urteilt der Fraktionsvorsitzende der oppositionellen SPD, Martin Wilhelm. Denn der Antrag kopiere „in wesentlichen Teilen“ einen SPD-Antrag vom Mai vorigen Jahres – den die Koalition abgelehnt hatte. Die Sozialdemokraten hatten unter anderem gefordert, „bei den Eigentümern für eine Nachverdichtung der Fläche beziehungsweise Aufstockung der Gebäude zu werben“. Man werde den Antrag daher unterstützen. Ähnlich sieht das die Linke: „Die Koalition erkennt endlich an, dass kreative Wege gefunden werden müssen, um die Wohnungsnot zu bekämpfen“, sagt deren Stadtverordneter Sven Malsy. Er fordert aber, auch leerstehende Büroflächen in Wohnraum umzuwandeln. Das jedoch möchte die Wirtschaftsförderung unter Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) auf keinen Fall – weil die Stadtkasse auf die Ansiedlung neuer Unternehmen angewiesen sei.

Die Koalition war beim Thema Nachverdichtung bislang eher vorsichtig. So wollte das FDP-geführte Planungsdezernat 2018 Rewe nicht mit der Forderung behelligen, auf einem neuen Supermarkt in einem Wohngebiet Wohnungen zu bauen – aus Sorge, dass dann gar nicht gebaut werde. Gleichzeitig werden überall in der Stadt in Baulücken oder auf Fabrikarealen Wohnungen gebaut. Gleich zwei niedrige Bauten sind etwa in der Frankfurter Straße in den Blick von Investoren geraten. Auf einer Straßenseite soll zwischen Kaiser- und Luisenstraße ein zweigeschossiger Bau einem deutlich höheren Haus mit Geschäften und 19 Wohnungen weichen. Gegenüber ist anstelle eines Haushaltsdiscounters ein Wohn- und Geschäftshaus mit altersgerechten Wohnungen geplant.

Paragraf 34

Das Baugesetzbuch enthält auch Regeln zur Nachverdichtung. 

Bauvorhaben in Gebieten ohne Bebauungsplan sind laut Paragraf 34 des Gesetzbuches zulässig, wenn sie sich „nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügen“. Weiter heißt es: „Die Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse müssen gewahrt bleiben“. Und: „Das Ortsbild darf nicht beeinträchtigt werden“.

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