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Monika Jäger (im Bild) hat die Dauerausstellung mit der Künstlerin Corinna Krebber konzipiert. 

Offenbach

Offenbach: Das Klingspor-Museum hat endlich eine Dauerausstellung

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Das Offenbacher Klingspor-Museum für Buch- und Schriftkunst hat jetzt eine Dauerausstellung. Immer mehr Menschen besuchen das Museum im Büsing-Palais.

Buch- und Schriftkunst, Kalligraphie, Grafiken, Illustrationen und künstlerisch gestaltete Plakate – was liegt bei diesen Themen näher als das Mitmachen und somit selbst ein kleines Stückchen Kunst schaffen? Genau das ist in der Dauerausstellung des Offenbacher Klingspor-Museums möglich, die am Sonntag eröffnet wird. „Man kann eine andere Art von Identifikationsebene mit Kunstwerken erreichen, wenn man Dinge selbst ausprobiert“, erklärt die Volontärin des Hauses, Monika Jäger. Sie hat in den vergangenen anderthalb Jahren die Neukonzeption gesteuert. „Und man kann jetzt etwas mit nach Hause nehmen“, sagt Museumsleiter Stefan Soltek, dem man die Freude über den Beginn der Ausstellung „Klingspor permanent“ in jedem Wort, jeder Geste anmerkt. Tatsächlich gibt es nun eine Art Computertisch, mit dessen Hilfe man Schriftkunst zusammenfügen und als Postkarte ausdrucken kann.

Aber von vorne: Das städtische Museum im Büsing-Palais, das nach dem Offenbacher Schriftgießereibesitzer Karl Klingspor benannt ist und dessen Besitz 1953 den Grundstock für die Museumssammlung bildete, hatte zuletzt nur Wechselausstellungen. Denn die Bücher und Schriftproben – 80 000 Stücke umfasst die Sammlung – vertragen nicht viel Licht. Damit die Exponate nicht zu sehr leiden, hat sich das Museumsteam für die Dauerausstellung nun einen Kniff überlegt: Zwei- bis dreimal im Jahr will es die Exponate gegen ähnliche Werke austauschen oder bei geöffneten Bücher je eine Seite umblättern, erklärt Soltek. So könne man endlich die Breite der Sammlung darstellen.

„Klingspor permanent“ heißt die neue Dauerausstellung, deren Vernissage am Sonntag, 10. November, ab 15 Uhr begangen wird – im Klingspor-Museum Offenbach, Herrnstraße 80.

Weitere Infos gibt es auf der Seite www.klingspor-museum.de. fab

Am Donnerstag ist Künstlerin Corinna Krebber in den barocken Räumen des Museums noch damit beschäftigt, letzte rote Fäden an die Wände zu malen. Die Markierungen führen durch die in Schrift, Grafik und Buch aufgeteilte Ausstellung. Soltek merkt an, dass man das Rotorange, das Krebber verwendet, in vielen ausgestellten Werken finde. Etwa in einem Heft zur Schriftart „Kabel“ des Offenbacher Gestalters Rudolf Koch. Oder in einem Buchbeitrag von Pablo Picasso.

Finanziert wurde die Neukonzeption mit 10 000 Euro Spendengeld und aus dem laufenden Budget, das von der Stadt gestellt wird. Es wurden neue Möbel entworfen und getischlert, aber auch alte umgebaut: So wurden Vitrinenbeine abgesägt, um die Ausstellung für Menschen im Rollstuhl erfahrbar zu machen – und weil das Medium Buch Zeit brauche und man diese eher im Sitzen aufbringe, wie Jäger erklärt.

Apropos Zeit: Die Naziherrschaft spielt in der Ausstellung keine Rolle, obwohl gerade das Buch „Offenbach – Kultur im Sog des Nationalsozialismus“ von Andreas Hansert erschienen ist. Der Historiker hat aufgedeckt, dass Klingspor intensiver mit den Nazis kooperiert hat als angenommen. Unter anderem hat er in seiner Fabrik, in der auch Zwangsarbeiter tätig waren, eine Schrift über „die Sippenzeichen der Ahnen des Führers“ anfertigen lassen – als Weihnachtsgeschenk von SS-Leiter Heinrich Himmler an Adolf Hitler. Und ein Pfarrer, der die örtliche Bücherverbrennung initiiert hatte, dankte der Schriftgießerei nach der Schandtat für die „besondere Unterstützung“. Soltek sagt, man überlege, Hanserts Buch im historischen Teil der Ausstellung zu zeigen.

Die Besucherzahlen des Museums wachsen übrigens stetig: Über 14 000 Leute besuchten das Haus 2017 – zehn Prozent mehr als 2016 und 62 Prozent mehr als 2012. Das liegt auch daran, dass es immer mehr Veranstaltungen im Museum gibt – seit kurzem sogar eine Konzertreihe namens „Klangspur“, bei der moderne Musik präsentiert wird, die mit Hörgewohnheiten bricht. Zudem nehmen viele Schulen und Kitas das Kursangebot im Museum wahr.

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