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Wie ist das Offenbacher Klima in 2030? Prognosen wurden im Garten des Hafen 2 eingebuddelt.  

Offenbach

Klima in Offenbach künftig wie in Kroatien

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Bei der Offenbacher Klimaschutzkonferenz im Hafen 2 haben die Jungen Druck auf die lokale Politik gemacht.

Ende des Jahrhunderts hat Offenbach ein Klima wie heute Rijeka an der kroatischen Mittelmeerküste, wie Montélimar in Südfrankreich oder wie die italienische Metropole Mailand. So zumindest lauten die Prognosen des Klimaexperten Andreas Walter vom Deutschen Wetterdienst. Er hat sie am Freitag im Hafen 2 vorgestellt, wohin das Offenbacher Umweltamt zur Klimaschutzkonferenz geladen hatte. Rund 70 Personen waren dem Aufruf gefolgt und verbrachten ihren Abend nicht draußen in der warmen Abendsonne, sondern drinnen im Kulturzentrum.

Zielgruppe des Diskussions- und Aktionsabends waren die Unter-20-Jährigen, also diejenigen, die im Rahmen der Fridays-for-Future-Bewegung gerade überall Druck machen auf die Politik. Das Umweltamt hatte im Vorfeld auch an Schulen für die Konferenz geworben. Prominent im Raum stand am Freitag die Frage, warum beim Klimaschutz auch auf lokaler Ebene vieles so lange dauere: Warum zum Beispiel nicht schneller mehr Grün in der Stadt gepflanzt werde, wollte Julia Endres von der Offenbacher Fridays-Gruppe wissen. Die Aktivistin Nora Lohmiller fragte, wann endlich Trinkwasserspender in der City aufgestellt werden – dazu gibt es immerhin seit über einem Jahr einen Beschluss des Stadtparlaments.

Antworten bekamen die Aktivistinnen – moderiert von Umweltamtamtsleiterin Heike Hollerbach – von Stadtverordneten verschiedener Parteien. Als Klimasünder wollte sich vor einem derart politisierten Publikum freilich niemand outen: Bekenntnisse zum Verzicht auf Auto, Fleisch oder Flugreisen standen im Vordergrund. Doch auch Änderungen, die es in Offenbach geben soll, wurden konkret benannt: „Wir müssen auch hier von der Kohle wegkommen“, sagte etwa Umweltdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) mit Blick auf das benachbarte Kraftwerk im Nordend. „Alle Autos in der Innenstadt verbieten“, forderte aus den Reihen der Opposition Agnes Stoffels (Linke).

Kontakt und Diskussion
Wer Fridays for Future kontaktieren will, schreibt eine Mail an endresjulia(at)yahoo.de oder nora.lohmiller(at)gmx.de. Eine Diskussion zur Fridays-Bewegung gibt es heute um 18:30 Uhr beim Politischen Salon von AWO und VHS im Else-Hermann-Saal, Goerdelerstr. 1.

Ein ganz konkretes Versprechen, schnell mehr Grün zu schaffen oder Trinkwasserspender aufzustellen, gab aber niemand. Nur die Information, dass man Fördergelder des Landes anzapfen wolle und dass Geschäftstreibende dazu angeregt werden sollen, Trinkwasser bereitzustellen. Die jungen Aktivistinnen gaben sich denn zum Schluss auch ein wenig enttäuscht – auch wenn sie das interaktive Format mit vielen Aktions-Ständen lobten: „Viele Antworten waren zu schwammig“, resümierte Nora Lohmiller. Julia Endres sagte, die Fridays-Bewegung wolle noch einmal persönliche Gespräche mit den Offenbacher Fraktionen führen. Die nächste konkrete Aktion in Offenbach ist im September mit dem Jugendparlament geplant: Ein Parkplatz in der Schloßgrabengasse soll in ein „parkendes Klassenzimmer“ (O-Ton Endres) verwandelt werden.

Froh waren am Freitag auf jeden Fall fünf Jungs vom Jugendzentrum Nordend, dass sie ihr Anliegen loswerden konnten: Sie wünschen sich einen autofreien Platz vor dem JUZ in der Johannes-Morhart-Straße. „Wegen der parkenden Autos können wir nicht richtig Fußball spielen“, erzählte einer. An einer Pinnwand, wo Zukunftswünsche für Offenbach angebracht werden konnten, landete auch dieser Wunsch. Das Umweltamt will die Ideen an die Politik weiterleiten.

Bei der ARD Talkrunde "Hart aber fair" wird das Thema Klimaschutz heftig diskutiert. Der Moderator Frank Plasberg scheint darüber selbst überrascht. 

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