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Finden einfach kein Personal: Ute und Klaus Ott. 

Offenbach

Offenbach: Keine gute Gaststätte ohne gutes Personal

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„Man reibt sich wirklich auf“: Der Familienbetrieb „Speyereck“ an der Mainstraße in Offenbach schließt wegen Fachkräftemangels nach über 50 Jahren.

Es ist eine etwas absurde Situation in der Ute und Klaus Ott gerade stecken: Die Gäste kämen abends „in zunehmender Zahl“ ins „Speyereck“ an der Offenbacher Mainstraße, erzählen sie. Trotzdem macht das passionierte Gastro-Ehepaar Ende Oktober den Familienbetrieb dicht – nach 53 Jahren, 34 davon unter eigener Führung. „Wir haben einfach kein Personal mehr, das diese Arbeit schaffen könnte“, erzählt Klaus Ott mit Blick auf die nahende kalte Jahreszeit, wo gutbürgerliche Traditionsgaststätten in der Regel gut besucht seien. „Wir finden ja noch nicht einmal gute Servicemitarbeiter“, erzählen die Otts. Geschweige denn eine Köchin oder einen Koch.

Klaus Ott ist mit seiner zugleich ernsthaft und etwas verschmitzten Art der Typ Gastwirt, dem man sofort abnimmt, dass er seinen Beruf liebt. Doch wer drinnen in der Gaststube am runden Tisch unter dem Blattwerk eines künstlichen Baums mit ihm ins Plaudern kommt – der bemerkt auch Enttäuschung. „Eigentlich wollte der Sohn den Betrieb übernehmen“, erzählt Ott. Doch als der gesehen habe, wie schwierig die Personalsuche sei, habe er sich für einen Job bei einer nahen Brauerei entschieden. Seitdem versuchen die beiden verbliebenen Otts ihr kleines Team so aufzustellen, dass sie etwas kürzertreten können. Ohne Erfolg. „Wenn jemand von uns ausfällt, ist es für den anderen die Hölle“, sagt Klaus Ott rundheraus: „Man reibt sich wirklich auf.“ Deshalb nun die Schließung. Einen neuen Pächter suchen die Otts noch.

Die Zeiten, in denen das Speyereck auch mittags geöffnet hatte – etwa während des Flohmarkts am Mainufer – sind längst vorbei. Als eine langjährige Servicekraft Mutter wurde und aufhörte, konnte man das Angebot nicht mehr halten, sagt Ute Ott.

Die Gastro-Branche stöhnt schon seit längerem über den Mangel an qualifizierten Servicekräften und Küchenpersonal: In einer aktuellen Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) gaben fast 60 Prozent der Betriebe an, die Gewinnung qualifizierten Personals sei derzeit ihr größtes Problem.

Die Otts haben es überall versucht: In der Gastronomie-Zeitung, im Netz, über das Arbeitsamt. Doch während der zwei Jahre, seit denen man nach einer neuen Köchin oder einem Koch suche, kamen nur drei Interessierte zum Probearbeiten. „Wir suchen halt jemanden, der sich auskennt mit den Gerichten der deutschen Küche“, sagt Ute Ott. Mit den Schweinelenden, den Klößen und den Knoblauchbutterhähnchen also – derentwegen Darsteller des einmal in Offenbach spielenden Musicals „Tommy“ das Speyereck in „Chicken Palace“ umbenannt haben sollen.

Die Wirtschaftsförderung kann zu fehlenden Fachkräften in der Gastronomie nichts sagen – am Wilhelmsplatz scheine die Branche aber zu florieren. Morgen feiert dort das deutsch-belgische Gasthaus „Le Belge“ zehnjähriges Bestehen. Ob man Personal suche? „Na sicher!“, heißt es auch dort: „Gutes Personal zu finden ist schwieriger geworden.“

www.speyereck.de

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