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Kräne und Baufahrzeuge stehen auf der Baustelle am Kaiserlei.

Offenbach

Kaiserlei-Umbau dauert bis Herbst 2021

Die Stadt Offenbach rechnet mit einer weiteren Kostensteigerung. Aufwendige Arbeiten werden als Begründung angeführt.

Wer durch den ehemaligen Kaiserleikreisel will, braucht Geduld – und zwar noch lange Zeit. Nach Schätzungen der Stadt verzögert sich die Fertigstellung des Umbaus nämlich erheblich: Statt Mitte 2020 gehen die Stadtplaner nun von Herbst 2021 aus.

Auch mit einer Kostensteigerung sei zu rechnen, sagten Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) und die zuständige Verkehrsplanerin Sigrid Pietzsch. „Momentan liegen wir noch im Budget, aber wir müssen von einer Erhöhung ausgehen“, sagt Weiß. Die ursprüngliche Planung unter Leitung des damaligen Oberbürgermeisters Horst Schneider (SPD) sah 2015 Kosten von 37,28 Millionen Euro und die Fertigstellung Ende dieses Jahres vor. Dass diese Planung eher unrealistisch war und hauptsächlich auf die Wahrung von Fristen für Fördergeld zielte, räumt Pietzsch ein. Bereits vergangenes Jahr wurde das Budget für den Umbau auf 41 Millionen Euro erhöht. Schon damals wurden Stimmen in der Koalition laut, die eine weitere Kostensteigerung befürchteten. Wie hoch diese erneute Steigerung ausfällt, darüber möchte das Planungsamt aufgrund fehlender Zahlen sich nicht äußern.

Gründe für die Bauzeitverzögerung und Kostensteigerung sind vielfältig

„Ich gehe aber von einem Millionenbetrag aus, der hoffentlich nicht zweistellig wird“, sagt Weiß. Immerhin gebe es die „protokollarisch festgehaltene“ Zusage von Bund und Land, die Förderung für das Bauprojekt auch über den ursprünglich angesetzten Termin hinaus zu gewähren. Bisher war geplant, dass das Land knapp 15,6 Millionen Euro zahlt, der Bund rund 8,8 Millionen Euro. Frankfurt steuert 8,7 Millionen Euro bei, Offenbach übernimmt rund 4,9 Millionen Euro. „Der Frankfurter Beitrag ist freiwillig und einmalig, an dem wird sich nichts ändern“, betont Weiß.

Der Kaiserleikreisel war 1965 mit 250 Metern Durchmesser der größte Kreisverkehr Europas. Aus dem Kreisverkehr sollen Kreuzungen mit Anschlüssen zur Autobahn 661 werden, auf den gewonnenen Flächen soll hauptsächlich Gewerbe angesiedelt werden. Bis Ende Juli wird es immer wieder zu Sperrungen von Fahrspuren kommen.  

www.kaiserlei-umbau.de

Die Gründe für die Bauzeitverzögerung und Kostensteigerung sind vielfältig: Die Kampfmittelsuche sei erheblich aufwendiger als zunächst angenommen, sagt Pietzsch. „Bisher wurden drei Brandbomben entdeckt“, sagt sie. Außerdem seien teils mehrere Betonschichten im Boden entdeckt worden, was weitere Verzögerungen mit sich brachte. Eine planerische Herausforderung sei auch das Verlegen von Versorgungsleitungen: Gas-, Wasser-, Strom- und Fernwärmeleitungen mussten für die künftige Nutzung als Gewerbe- und Wohnstandort verlegt werden. Auch hätten Unternehmen, die bereits ihre Zusage zur Ansiedlung gaben, erhöhte Bedarfe angemeldet. So mussten etwa 48 Hochspannungsleitungen nachträglich eingeplant werden. Da der Boden zwischen den ganzen Leitungsrohren sich nicht verdichten ließ, musste teils mit Flüssigboden gearbeitet werden. Auch dies habe die Bauzeit verlängert.

Auch Altlasten, etwa eine 350 Meter lange, asbestbelastete Fernwärmeleitung, mussten durch Spezialfirmen entsorgt werden. „Am Anfang ging es da pro Tag nur zwei Meter weiter“, sagt Pietzsch.

Zur Verzögerung und Kostensteigerung beigetragen habe auch das uneinsichtige Verhalten von Verkehrsteilnehmern: So hätteten sich Fußgänger und Radfahrer nicht an Absperrungen gehalten und hätten die Baustelle zu queren versucht oder Lastwagenfahrer hätten nicht auf Durchfahrtshöhen geachtet und wären an Schilder- und Kabelbrücken hängengeblieben. Als Folge hat die Stadt Sicherheitsposten aufgestellt, die zu hohe Lastwagen aus dem Verkehr auf eine Umleitung lotsen.

Einen guten Ausblick gebe es aber immerhin, sagt Weiß. Die hinzugewonnenen Gewerbeflächen seien begehrt, die Aussicht auf Neuansiedlung von Unternehmen und damit auf dringend benötigte zusätzliche Steuereinnahmen also sehr gut.

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