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Offenbach: Aus Jugendhaus soll ein Zentrum für Familien werden

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Die Linke in Offenbach kritisiert die Neuausrichtung und sieht Probleme bei der Akzeptanz Jugendlicher, wenn deren Eltern sich im selben Umfeld bewegen.  

Das Jugendzentrum (JUZ) im dicht bebauten Stadtteil Lauterborn, das seit 2018 aus Sicherheitsgründen zum großen Teil geschlossen ist, soll im geplanten Neubau zu einem Zentrum für die ganze Familie ausgebaut werden. Während die Grünen jubeln, es sei gelungen, aus einer Hiobsbotschaft eine gute Nachricht zu machen, sieht die Linke die Neuausrichtung kritisch. Sie befürchtet, die Angliederung der Familienstätte an das JUZ im selben Gebäude könnte Jugendliche davon abhalten, das Angebot der Jugendsozialarbeit anzunehmen.

Ihr Stadtverordneter Sven Malsy meinte, Angebote eines Jugendzentrums sollten entfernt von den Eltern stattfinden. Gerade Jugendliche mit Problemen würden nicht in Einrichtungen gehen, in denen sie wahrscheinlich ihren Eltern über den Weg liefen, sagte er.

Die Bedenken sind nicht ganz von der Hand zu weisen. In Frankfurt beispielsweise existiert nach Angaben des für die offene Kinder- und Jugendarbeit zuständigen Dezernats keine Kombination zwischen einem Familienzentrum und einem Jugendhaus. Derzeit bestehen zwar 13 Kinder- und Familienzentren, teilte eine Sprecherin mit. Diese sind aber in erster Linie für Kinder und ihre Eltern gedacht. Es gibt immer eine Kooperation mit einer Kita, aber nicht mit einem Jugendzentrum.

Der Neubau

Das Jugendzentrum Lauterborn war im Herbst 2018 größtenteils gesperrt worden, weil sich das Gebäude gefährlich gesenkt hatte, Setzrisse waren die Folge. Für den dicht besiedelten Stadtteil mit seinen Hochhäusern und Bewohnern mit geringem Einkommen hat es eine wichtige soziale Funktion.

Den JUZ-Neubau fördert das Land mit 4,5 Millionen Euro. Die von den Stadtverordneten gebilligten Pläne sehen vor, aus dem JUZ ein Zentrum für Familien zu machen und künftig mit der benachbarten Grundschule und Kita zu kooperieren.

Baubeginn soll im Juli 2022 sein, Fertigstellung im November 2023. Bis dahin wird das alte JUZ genutzt; von März 2024 an wird es abgerissen. ags

In Hanau betreibt die Stadt mehrere Jugendhäuser, im Stadtteil Wolfgang auch ein Familien- und Jugendzentrum, das vielfältige Hilfen für Jugendliche anbietet. Das Zusammensein von Kindern, Jugendlichen, Familien und Senioren funktioniere aufgrund von langjährig gewachsenen Strukturen sehr gut, sagte Stadtsprecherin Ute Wolf.

Offenbachs Sozialdezernentin Sabine Groß (Grüne) teilt die Skepsis der Linken nicht. Die Zentren seien Orte der Begegnung, des Austauschs und der Vielfalt. Nach ihren Angaben lassen das geplante Raumkonzept und die unterschiedliche zeitliche Nutzung des Zentrums einen flexiblen Umgang mit den Angeboten durch unterschiedliche Zielgruppen über den Tag verteilt zu.

Grundsätzlich gelte, dass „originäre Räume der Jugendarbeit“ ausschließlich „geschützte“ Räume für Jugendliche seien. „Daher sehe ich nicht die Gefahr, dass die Jugendsozialarbeit durch das neue Angebot gefährdet wird“, meinte Groß.

Die Dezernentin hebt die Chancen hervor, die das zwischen Grundschule und Kita gelegene Familienzentrum biete, für das sich die Grünen nach eigener Darstellung seit langem stark gemacht hatten. Es soll niedrigschwellig zugänglich sein und als zentrale Anlaufstelle Hilfen „aus einer Hand“ für alle Generationen und jede Lebensphase bieten.

Die Koalition aus CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern hatte im Februar einen entsprechenden Antrag eingebracht, der mit großer Mehrheit angenommen wurde. Bereits zuvor war bekanntgeworden, dass die Stadt 4,5 Millionen Euro aus dem Förderprogramm „Investitionspakt Soziale Integration im Quartier“ des Wirtschaftsministeriums für den Neubau erhält.

In dem Magistratsantrag wird auf die Bedeutung des JUZ hingewiesen. Es habe sich in langjähriger Arbeit zu einem bedeutenden Anlaufpunkt für den gesamten Stadtteil entwickelt. Diese wichtige Arbeit werde durch die Schaffung des Zentrums für Familien weiter gestärkt, „ohne das bestehende Angebot des JUZ zu verdrängen“, heißt es in der Vorlage.

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