Offenbach

Offenbach: Hohe Dunkelziffer an Coronafällen vermutet

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
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In Offenbach hielt sich die Zahl der Coronafälle lange Zeit in Grenzen. Die Stadt vermutet eine hohe Dunkelziffer an Infizierten.

Für manche ist es längst ein schauriges – oder in letzter Zeit sogar ein beruhigendes – Ritual geworden: der tägliche Blick auf die Entwicklung der bestätigten Coronainfektionen. Dabei fällt seit Beginn der Pandemie ein regionaler Unterschied ins Auge, der sich beharrlich zu halten scheint: Die Stadt Offenbach hat eine deutlich niedrigere Infektionsquote als Frankfurt und die benachbarten Landkreise. Pro 100 000 Menschen gibt es in der Stadt weniger gemeldete Infizierte als im Großteil Hessens. Doch seit etwa zwei Wochen steigen die Zahlen in Offenbach nun überdurchschnittlich an.

Zur Ausgangslage: Am 20. März, als es in Offenbach gerade einmal fünf gemeldete Coronainfektionen gab – in Frankfurt aber schon 122 –, versuchte sich der Leiter des Offenbacher Gesundheitsamts, Bernhard Bornhofen, an einer Erklärung für die niedrigen Zahlen. Womöglich seien einfach nicht so viele Leute aus der Stadt zum Skifahren gewesen, so die Vermutung des Amtsleiters. Tatsächlich hatten sich die Menschen in den Nachbarkommunen zu Beginn der Pandemie vor allem beim Wintersporturlaub in Österreich und Italien infiziert.

Viele junge Leute in der Stadt

Dass es aus dem vergleichsweise armen Offenbach eher wenige Menschen in den Skiurlaub zieht, klingt einleuchtend. Aber warum konnten sich die niedrigen Fallzahlen trotz der Nähe zu Städten mit höheren Infektionsraten wochenlang halten? Liegt es daran, dass es in der Stadt kein Testzentrum gibt und die Leute den Weg in die auch für Offenbach zuständigen Frankfurter Testzentren scheuen? Die Stadt Offenbach vermutet eher, dass die Sozial- und Altersstruktur mitverantwortlich für die anfangs so niedrigen Zahlen war: Da die Infektion bei jungen Menschen oft symptomfrei oder -arm abläuft und es in Offenbach überdurchschnittlich viele junge Menschen gibt, sei die Dunkelziffer der unerkannten Infektionen „möglicherweise recht hoch“, heißt es bei der Stadt. Gemeint ist damit: höher als andernorts, wo vielleicht mehr Infektionen erkannt wurden.

Eine wirklich stichhaltige Erklärung für die bisher so unterschiedlichen Entwicklungen in Offenbach und Frankfurt gibt es allerdings nicht. Denn auch Frankfurt hat eine junge Bevölkerung. Kaum erklären lässt sich auch, dass das Offenbacher Gesundheitsamt seit Ende April überdurchschnittlich viele Neuinfektionen registriert. In der Stadt steigt sogar die Anzahl der aktiven Infektionen. Stand 11. Mai gab es in Offenbach inklusive Genesener und Gestorbener 131 bestätigte Coronafälle – das entspricht 101 gemeldete Infektionen pro 100 000 Menschen. In Frankfurt liegt dieser Wert – die kumulative Inzidenz – bei 180, im Landkreis Offenbach bei 150, in ganz Hessen bei 144. Noch vor zwei Wochen lag der Wert hessenweit zwar schon bei 128, in Offenbach aber erst bei 65. Jetzt nähert sich die Stadt dem Landesschnitt an.

Fabian Scheuermann

Was ist eigentlich ein R-Wert? Wie viele Menschen sind wirklich mit dem Coronavirus infiziert? Die Corona-Zahlen bergen viel Potenzial für Verwirrung und falsche Eindrücke, schreibt FR-Kolumnist Dr. Bernd Hontschik.

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