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Elegante Landmarke oder Klotz ohne Maß? Offenbach diskutiert über Architektur.

Offenbach

Architekt spricht über Büroturm am Offenbacher Hafen

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Nach Kritik am geplanten Büroturm am Offenbacher Hafen hat die FR mit Architekt Florian Schlüter über seinen Entwurf gesprochen.

Acht neue Hochhäuser sollen in den nächsten Jahren in Offenbach entstehen: fünf am Kaiserlei und drei am Hafen. Zu Letzteren gibt es bereits konkrete Pläne. Entstehen soll etwa ein 70 Meter hoher Büroturm am Hafenplatz. Viele FR-Leserinnen und -Leser kritisieren den Entwurf. Wir nehmen das zum Anlass, mit dem Architekten des Baus, Florian Schlüter, zu sprechen.

Einen Turm am Hafenplatz können sich viele nicht vorstellen: „Zu mächtig“, „ohne menschliche Dimension“, lauten die Vorwürfe, die auf unseren Social-Media-Kanälen geäußert wurden. Wie kommt es, dass Hochhäuser außerhalb Frankfurts so einen schweren Stand haben?
In einer Stadt mit relativ wenigen Hochhäusern wie Offenbach wird jedes neue Hochhaus einzeln auf den Prüfstand gestellt. Dort entsprechen Hochhäuser nicht dem gewohnten Maßstab. Um zu überzeugen, muss ein Hochhaus in diesen Fällen seiner besonderen Bedeutung dadurch gerecht werden, dass es städtebaulich an der richtigen Stelle steht und in irgendeiner Form die städtische Gemeinschaft bereichert.

Inwiefern treffen diese Kriterien denn bei Ihrem Entwurf zu?
Das geplante Bürohochhaus liegt an einer städtebaulich besonderen Stelle: Es ist ein wichtiges Scharnier zwischen Main und Hafenbecken und dem Hafenplatz. Im Erdgeschoss wird es Gastronomie und somit eine öffentliche Nutzung geben. Im Übrigen ist der Turm sehr schlank, und man kann aus jedem Blickwinkel eine neue Silhouette wahrnehmen. Wir denken, dass er so als Orientierungspunkt im Stadtgefüge und auch als öffentlicher Ort sehr gut funktionieren wird. Wenn der Turm steht, werden die Offenbacher ihn lieben.

Florian Schlüter (59) ist Architekt und leitet mit Claudia Meixner und Martin Wendt das Büro „Meixner Schlüter Wendt Architekten“ in Frankfurt.

Bekannte Bauwerke des Büros in der Region sind der neue Henninger Turm in Frankfurt-Sachsenhausen und das Ordnungsamt im Gallus.

Mehr Infos unter: www.meixner-schlueter-wendt.de. fab

In Frankfurt gibt es zwar auch Kritik an Hochhäusern – vor allem an hohen Wohnungspreisen darin –, trotzdem sind die Reaktionen oft positiver. Warum?
Je mehr Hochhäuser dazu kommen, umso weniger bedeutsam wird das einzelne. Aus diesem Grund werden Hochhäuser in einer Stadt wie Frankfurt, mit einer richtigen Skyline, nicht mehr infrage gestellt. Im Gegenteil: In Frankfurt lösen Hochhäuser inzwischen eher Begeisterung aus. Wir haben dort den Henninger-Turm und das Wohnhochhaus „Axis“ im Europaviertel gebaut. Bei den Bewohnern dieser beiden Hochhäuser hat sich gezeigt, dass für sie die Aussicht auf die Skyline das Wichtigste ist. Sie bietet ein positiv besetztes Gegenüber. Hochhäuser sind in Frankfurt auch immer Zeichen für urbane Dichte und suggerieren eine großstädtische Aura.

Manche feiern auch die neue Urbanität am Offenbacher Hafen, andere finden die teuren Wohnblocks dort eintönig. Wie beurteilen Sie die Architektur im Offenbacher Hafenviertel?
Die Hafeninsel ist ein für die Region sehr erfreuliches Projekt. Dies gilt sowohl für die städtebauliche Anlage am Wasser wie auch für die Architekturqualität. Dabei spielen öffentliche Gebäude wie die Schule und auch die künftigen Hochhausstandorte im Westen und Osten der Halbinsel eine besondere Rolle. Eine weitere Bereicherung des Hafens wäre ein Neubau der Hochschule für Gestaltung, der dort ja geplant ist. 

Es ist auffällig, dass moderne Architektur häufig kritisiert wird, während Historisierendes oft gut ankommt – siehe neue Frankfurter Altstadt. Warum ist es so schwer, die Menschen für andere Formensprachen zu begeistern?
Natürlich gibt es eine große Anzahl grauenhafter moderner Bauten. Wir machen bei unserer Arbeit jedoch nicht die Erfahrung, dass es schwer ist, Menschen für moderne Formensprachen zu begeistern. Das funktioniert vor allem dann gut, wenn sich die Planung mit dem Ort auseinandersetzt und der Nutzung und Aufgabe gerecht wird. Dafür gibt es viele zeitgenössische Beispiele, die dies erfüllen und die sehr geschätzt werden. Besonders deutlich wird das bei Meilenstein-Projekten wie der Elbphilharmonie in Hamburg oder der Oper in Oslo.

Interview: Fabian Scheuermann

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