+
Um das erweiterte Busangebot stemmen zu können, sind viel mehr Fahrer nötig als geplant.

Millionenschwere Fehlkalkulation zieht Kreise

Finanzdebakel bei Stadtwerke-Tochter: Druck wächst 

Das Finanzdebakel bei der Stadtwerke-Tochter Main Mobil Offenbach (MMO) zieht die erwarteten politischen Kreise.

Offenbach – Die oppositionelle SPD fordert gestern angesichts der voraussichtlichen Überschreitung des Busfahrer-Budgets um 2,2 Millionen Euro lückenlose Aufklärung und nutzt die Fehlkalkulation als Steilvorlage, um die Tansania-Koalition zu attackieren. Die zuständige grüne Mobilitätsdezernentin Sabine Groß versucht sich in Schadensbegrenzung, und bei der Stadtwerke Offenbach Holding (SOH) wird fieberhaft gerechnet.

Seriöse Zahlen dazu, wie hoch der verbleibende Zuschussbedarf der SOH ist und ob der städtische Haushalt tangiert sein wird, sollen in etwa einer Woche vorliegen, heißt es gestern aus der Pressestelle der Offenbacher Verkehrsbetriebe (OVB). Schließlich solle hier nicht nur ein kurzzeitiger Einspareffekt, sondern eine tragfähige Lösung gefunden werden.

Finanzdebakel in Offenbach: SPD-Fraktion ist „erschüttert“

Sicher ist, dass die Gewinnausschüttung der EVO, zuletzt 5,6 Millionen Euro, längst nicht mehr zur Quersubventionierung der Mobilitätssparte der SOH ausreicht. Wie ebenfalls bekannt wurde, haben die Mitglieder des SOH-Aufsichtsrats den brisanten Revisionsbericht der Main Mobil bis gestern nicht erhalten. Das wird als gemeinsamer Versuch von Sabine Groß und Main-Mobil-Geschäftsführerin Anja Georgi gewertet, die Kommunikation zu dem finanziellen Desaster alleine zu steuern.

Die SPD-Fraktion jedenfalls ist „erschüttert“ über das Finanzdebakel, wie Fraktionschef Martin Wilhelm in einer Pressemitteilung schreibt. „Erst die Grundsteuer von CDU-Kämmerer Freier, jetzt die Mehrkosten im Busverkehr von Grünen-Dezernentin Groß: Immer wieder Millionenlöcher – und am Ende zahlen Bürgerinnen und Bürger“, schimpft der Fraktionsvorsitzende.

Finanzdebakel in Offenbach: Was passiert mit dem Geld?

Die SPD werde dafür sorgen, dass das nicht unter den Teppich gekehrt werde. Die Öffentlichkeit habe einen Anspruch zu erfahren, was mit ihrem Geld passiere. „Wir werden als SPD sehr detailliert nachfragen, wie es zu den eklatanten Kalkulationsfehlern bei der Main Mobil kommen konnte“, kündigt Wilhelm eine Anfrage an den Magistrat an. Ein Planungsfehler von über zwei Millionen Euro sei für eine Stadt, in der die Tansania- Koalition gerade die Bürger massiv belastet habe, völlig inakzeptabel.

Wilhelm will unter anderem wissen, wann mit wie vielen Fahrern für den Nahverkehrsplan kalkuliert wurde, wie viele Fahrer wann eingestellt wurden und noch eingestellt werden und welche Auswirkungen das auf die Kosten in diesem und in den Folgejahren haben wird. Für ihn stellt sich zudem die Frage, ob es sich bei dem „Zukauf“ von Fahrern über Leiharbeitsfirmen nicht um eine Dienstleistung gehandelt habe und ob diese nicht hätte ausgeschrieben werden müssen. Auch die grüne Dezernentin Sabine Groß als zuständige Aufsichtsratsvorsitzende hat der Sozialdemokrat im Blick: „Wusste sie früh Bescheid, oder wurde sie an der Nase herumgeführt?

Finanzdebakel in Offenbach: Das ist das „Worst Case Szenario“

Groß betont, dass es sich bei den genannten knapp zwei Millionen Euro um ein „Worst Case Szenario“ handele – hochgerechnet auf das gesamte Jahr 2019. Die Dezernentin, die in ihrer Funktion zugleich Aufsichtsratsvorsitzende von MMO und OVB ist, weist zudem darauf hin, dass die nun bekannt gewordenen Kosten auch bei früherer Kenntnis in vergleichbarer Höhe entstanden wären.

Allerdings räumt sie auch ein: „Diese Mehrkosten hätten früher erkannt werden müssen. Das lässt sich nicht wegdiskutieren, und ich werde das auch nicht kleinreden.“ Wichtig sei jetzt, die notwendigen Konsequenzen daraus zu ziehen und Einsparungen zu erarbeiten, um die prognostizierten Kostenüberschreitungen für das Gesamtjahr zumindest teilweise wieder zu kompensieren.“

Finanzdebakel in Offenbach: Magistrat setzt zusätzlichen Geschäftsführer ein

Die Geschäftsführung der OVB habe bereits zahlreiche Möglichkeiten vorgeschlagen, die nun geprüft würden. „Ich bin zuversichtlich, dass wir weit unter den aktuell für das Gesamtjahr 2019 prognostizierten zwei Millionen Mehrausgaben abschließen können.“

Wichtig ist der Dezernentin zudem: Die Einsetzung eines zusätzlichen Geschäftsführers als Reaktion auf die Budgetüberschreitung habe sie nicht alleine, sondern der hauptamtliche Magistrat gemeinsam beschlossen.

VON MATTHIAS DAHMER

Lesen Sie auch:

Finanzdebakel: Stadtwerke haben sich bei der Einstellung neuer Busfahrer total verkalkuliert

Grund sind Mehrkosten bei der Rekrutierung von Busfahrern in Folge der Ausweitung des Nahverkehrsangebots. Statt geplanter 50 zusätzlicher Fahrer sind nun 74 Buslenker – laut anderer Quellen sogar 90 – mehr im Einsatz.

Am Auto allein gelassen: Kind besprüht VW Polo mit schwarzer Farbe

Ein fünf- oder sechsjähriger Junge hat am Dienstag mit einer Spraydose einen VW Polo angesprüht - das Kind war völlig unbeaufsichtigt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare